#9 | Corporate Venturing mit Lucie Haß, Managing Director bei Helaba Digital

In dieser Folge von Female Future Finance begrüßt Agnieszka die Geschäftsführerin der Helaba Digital, Lucie Haß. Mit ihr spricht sie über die Zielsetzung der Corporate Venture Capital Gesellschaft für digitale Startups, wie das Geschäftsmodell hier genau aussieht und wie Mehrwert für die Helaba Landesbank Hessen-Thüringen geschaffen werden kann. Zudem geht es im Talk um das Thema Partnerschaft bzw. Kooperation zwischen Bank und Start-up, wie sich die Pandemie auf ihre Arbeit ausgewirkt hat und welche Rolle Banken in zehn Jahren vermutlich einnehmen werden.

Die Themen im Überblick:

  • (01:49) Wie passen Banken und Startups zusammen in Sachen Unternehmenskulturen?
  • (04:28) Nach welchen Themen wird gesucht, welche Technologien wurden gefunden?
  • (06:39) Wie sieht der Scouting-Prozess aus? Von der Idee zum Start der Kooperation
  • (11:24) In welchem Stadium muss sich ein Projekt befinden, um Unterstützung zu erlangen?
  • (14:38) Wie funktioniert die Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens?
  • (17:30 ) Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf die Arbeit?
  • (20:02) Wie sieht die Zukunft der Banken aus, welche Rolle spielen sie in 10 Jahren?

(25:30) Die Buchempfehlung von Lucie Haß
Jules Verne: „In 80 Tagen um die Welt

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Feedback, Fragen, Wünsche und Ideen bitte an:
podcast@femalefuturefinance.de

Das Transkript der Episode:

Agnieszka Walorska 00:00:00

Willkommen zu einer weiteren Folge des Female Future Finance Podcast von Capco und Creative Construction mit Agnieszka Walorska. Ich freue mich in der weiteren Folge von Female Future Finance eine sehr spannende Gesprächspartnerin zu haben. Lucie Haß von der Helaba Digital ist die Geschäftsführerin – Hallo Lucie, Freut mich, dass du da bist.

Lucie Haß 00:00:23

Hallo Agnieszka, ich freue mich auch dabei zu sein.

Agnieszka Walorska 00:00:25

Ja, sag mal, was macht denn eigentlich Helaba digital genau? Und was macht deinen Job aus? Was ist das spannende dran?

Lucie Haß 00:00:33

Ja, also die Helaba Digital ist eine Corporate Venture Capital Gesellschaft. Ich habe die mit einem Kollegen in 2018 gegründet, für die Helaba. Wir sind eine hundertprozentige Tochter der Landesbank Hessen-Thüringen. Und unser Ziel ist es, innovative Ideen am Markt zu suchen, die zu unserem Geschäftsmodell passen, die es optimieren, die es aber auch ausbauen. Und ja, vielleicht für diejenigen, die vielleicht nicht direkt wissen, was die Kerngeschäftsmodelle der der Landesbank sind: Bei uns sind das einmal die Finanzierung von großen Corporates, also großen Unternehmen. Wir machen auch die Finanzierung von großen gewerblichen Immobilien und wir wickeln auch den Zahlungsverkehr für die Landesbanken, also ein Teil der Landesbanken, und auch ein Teil der Sparkassen ab, und sind damit auch durchaus ein großer Player in dem Bereich. Das heißt, wenn wir nach Startups gucken, dann speziell in diesen Bereichen. Und ja, was ist das Spannende daran? Dass man eigentlich immer wieder neue Personen kennenlernen. Man beschäftigt sich mit den neuesten Trends. Man lernt sehr smarte Köpfe kennen und es macht einfach Spaß.

Agnieszka Walorska 00:01:45

Es ist doch schön, wenn die Arbeit Spaß macht.

Lucie Haß 00:01:47

Ja, das stimmt.

Agnieszka Walorska 00:01:48

Und wie kann man sich das denn vorstellen? Also ihr investiert in Startups. Und wenn man sich so denkt, so ein Startup auf der einen Seite, eine Landesbank auf der anderen Seite. Das klingt nach sehr unterschiedlichen Unternehmenskulturen. Wie passt das zusammen?

Lucie Haß 00:02:03

Also die Unternehmenskulturen sind sicherlich unterschiedlich. Das hast du auf jeden Fall recht. Aber es passt sehr gut zusammen aus unserer Sicht, weil wir uns sehr gut mit den Startups ergänzen. Wir auf der einen Seite haben sehr lange Banking Erfahrung. Wir haben sehr lange Kundenbeziehungen, insbesondere zu den großen Unternehmen. Und wir bringen natürlich auch Kapital mit. Jetzt die Startups wiederum beschäftigen sich häufig mit Themen oder Nischen auch, teilweise, mit denen wir gar keine Zeit haben, uns zu beschäftigen. Und sie gucken sich auch sehr genau neue Technologien an und was man aus diesen Technologien heraus eben auch machen kann. Und dass beides zusammen passt sehr gut. Und wir sehen das gerade im B2B-Bereich ist extrem wichtig, dass solche Kooperationen mit Startups einzugehen. Weil wenn du dir vorstellst im B2C Bereich, da kenne ich häufig mich selbst: Also wenn ich mich jetzt frage, was wünsche ich mir von meinem Konto, dann kann ich mir richtig gut vorstellen – Ich klappe den Laptop auf oder mein Handy und was vermisse ich? Oder ich möchte gerne mal einem Freund meine IBAN schicken. Dann weiß ich, dass es ein Use-Case. Im B2B Bereich ist es ein bisschen schwieriger. Deswegen merken wir, dass zum einen die Gründer da deutlich erfahrener sind, dass sie häufig auch Banking Hintergrund haben. Und wir merken aber auch, dass wenn sie auf uns zukommen, dann wollen sie gerne auch den Zugang zu den großen Corporates, weil im B2C Geschäft kann ich direkt auf die Kunden selbst gehen. Ich kann Content Marketing machen beispielsweise. Ja, das sieht man bei vielen Apps, die dann irgendwie viral gehen. Das ist im B2B Bereich nur schwer möglich und deswegen braucht es sei eben auch Partnerschaften. Und deswegen sehen wir, dass wenn Startups auf uns zukommen das es weniger der Punkt ist. Natürlich suchen sie auch Geld, aber wenn wir sie ganz konkret fragen: Warum hast du uns ausgesucht? Dann ist das in der Regel die Expertise in einem der Bereiche, die wir haben und eben auch der Zugang zu den großen Unternehmen. Und beides können wir bieten. Und deswegen finde ich, passt das sehr gut zusammen. Und wir profitieren natürlich extrem davon, dass wir neue Ideen von außen bekommen, dass wir vielleicht nicht selbst die Expertise in bestimmten Technologien so aufbauen müssen, dass wir daraus neue Geschäftsmodelle ableiten. Deswegen befruchtet sich das eigentlich gut gegenseitig.

Agnieszka Walorska 00:04:28

Und weil du gesagt hast dass ihr nach Themen sucht, mit denen ihr euch selbst noch nie so stark beschäftigt hat, nach bestimmten Technologie, Nischen zum Beispiel: Kannst du dafür Beispiele nennen?

Lucie Haß 00:04:39

Ja, also ein gutes Beispiel ist jetzt unsere Beteiligung aus 20 19. Also genau jetzt knapp anderthalb Jahre. Da haben wir uns an Arabesque S-Ray beteiligt. Arabesque S-Ray ist ein Anbieter für Nachhaltigkeits-Ratings für Unternehmen und wie wir sehen, dann ist das Thema Nachhaltigkeit. Zunehmend wichtig auch für uns als Bank ganz konkret, weil wir immer mehr Auflagen auch durch die EU mal bekommen, aber auch durch die Gesellschaft, dass wir das Thema Nachhaltigkeit immer mehr berücksichtigen, sowohl bei der Kapitalanlage, aber auch bei der Kreditvergabe beispielsweise. Und jetzt ist das aber nicht unser Fokus-Thema uns zu überlegen, wie wir jetzt solche Nachhaltigkeits-Ratings für Unternehmen sehr Daten-getrieben selbst erstellen können und unsere Kunden da auch mitraten können. Und für genau solche Fälle ist so eine Beteiligung, so eine strategische Beteiligung für uns extrem sinnvoll, weil wir dann einfach sagen: Okay, da gibt es jemanden, der hat die Expertise da drinnen, der hat auch die Kapazitäten auch, möchte damit wachsen und wir müssen das nicht als Bank für uns selbst alleine erarbeiten, sondern da gibt es jemanden am Markt, der da den neuesten Stand hat und da möchten wir dran profitieren. Und entsprechend haben wir uns dran beteiligt und sind da jetzt auch in enger Kooperation. Und gleichzeitig ist es auch so, dass eben Arabesque S-Ray von unserer Expertise wiederum profitieren, weil sie dann vielleicht eher nochmal verstehen, wie laufenden unsere Prozesse. Was brauchen wir eigentlich? Wie ticken unsere Kunden? Was brauchen unsere Kunden und so weiter. Und auch hier sieht man. Ist das ein sehr guter Match von beiden Seiten.

Agnieszka Walorska 00:06:24

Ja, spannendes Thema natürlich, Nachhaltigkeit. Da seit ihr quasi voll im Trend. Ich hab das Gefühl, jetzt gerade wird einfach extrem viel in diesem Kontext nicht nur gesprochen, sondern auch getan bei den Banken.

Lucie Haß 00:06:37

Absolut, absolut.

Agnieszka Walorska 00:06:39

Und wie seit ihr jetzt zu dem Unternehmen gekommen bzw. wie kann man sich den ganzen Scouting Prozess vorstellen? Von der Erste Idee bis zu einem erfolgreichen Start der Kooperation?

Lucie Haß 00:06:52

Also grundsätzlich haben wir da so drei Kanäle oder drei Wege, auf denen wir zu solchen Startup Ideen kommen. Das eine ist, dass wir selbst aktiv auf Messen unterwegs sind, was im Moment ja leider nicht geht oder im Moment nur im digitalen Kontext. Wir lesen natürlich auch Newsletter. Wir informieren uns, was wir am Markt aktuell los ist. Wir sind aber auch gut vernetzt und dementsprechend kriegen wir darüber auch häufig neue Ideen und neue Unternehmen auch mit. Der zweite Weg ist: Das Startup findet uns. Das passiert auch ganz häufig. Da bekommen wir mal eine E-Mail oder eben auch auf Konferenzen. Wo wir uns dann angemeldet haben, kommen die Startups direkt auf uns zu und sagen: Hey, ich weiß, ihr habt da so eine Beteiligungsgesellschaft. Ich bin in dem Bereich tätig. Kann ich euch das mal vorstellen? Und häufig kommen sie dann aber auch schon mit einer Idee, wo sie glauben, dass dieser Match zwischen ihrem und unserem Geschäftsmodell ist und das für uns auch wichtig. Weil manchmal sind die Geschäftsmodelle so weit entfernt von uns, dass man schon immer genau gucken muss: Passt das zusammen? An welcher Stelle passt das zusammen? Und der dritte Weg, und den finde ich persönlich besonders gut ist, dass unsere Helaba-Mitarbeiter auf uns zukommen und sagen: Hey, da gibt’s etwas. Da hab ich eine Idee gesehen. Und könnt ihr euch das mal mit mir gemeinsam angucken? Und das finde ich auf der einen Seite gut, weil wir natürlich merken, dass das Unternehmen auch und unsere Kollegen dann ebenso innovativ ticken, wie wir uns das natürlich auch vorstellen wollen. Und auf der anderen Seite ist es auch so dadurch, dass Sie die Bank schon sehr gut kennen, haben Sie sich eben auch schon mal genau überlegt, an welcher Stelle könnte das in der Bank passen? Häufig ist das auch in Ihren eigenen Bereichen, sodass Sie sehr konkret sagen können: Vielleicht passt das nicht jetzt. Aber wenn wir das und das ausbauen oder das Startup entwickelt sich in die und die Richtung, dann wäre das doch ein perfekter Fit. Wollen wir nicht da dran und oder gemeinsam kooperieren oder uns dann später auch daran beteiligen? Und so ein bisschen erinnert mich das an Mitarbeiter werben Mitarbeiter. Ja, da sagt man auch, dass das immer recht erfolgsversprechend ist. Und zum Beispiel das Thema S-Ray. Das wurde auch an uns herangetragen, auch über ein paar Kollegen, die dann eben gesagt haben: Ich hab die getroffen, ich finde die gut und das und das bewegt gerade die Bank und wollt ihr euch das mal angucken. Und dann waren wir, tatsächlich haben wir es uns angeguckt, waren alle sehr schnell begeistert und dann durchlaufen wir ein Investitions-Prozess, der mal kürzer, mal länger sein kann. Aber in dem Fall hat das alles so gut gepasst, dass wir auch tatsächlich in vier Wochen mit dem Investment durchfahren. Also: Sehr schnell.

Lucie Haß 00:09:32

Allerdings, das ging sehr schneller.

Agnieszka Walorska 00:09:34

Das stimmt. Aber man muss auch sagen, dass wir häufig sehen, dass das vielleicht auch wenn uns ein paar Startups zuhören – auch nochmal ein Hinweis die Zeit eines solchen Prozesses nicht zu unterschätzen, weil das sehen wir ganz häufig. Das geht natürlich bei bestimmten VC-Fonds geht das sehr schnell. Die machen auch den gesamten Tag wirklich nichts anderes. Und die wissen genau, welche Kennzahl sie gucken sollen und so weiter. Bei einem strategischen Investor, wie wir uns auch verstehen, dauert der Prozess durchaus länger und das liegt nicht daran, dass wir um 5 Uhr Feierabend machen wollen, sondern das liegt einfach daran, dass wir uns sehr intensiv Gedanken machen, wie so eine strategische Kooperation aussehen könnte. Weil was wir nicht machen wollen: Das Startup kommt auf uns zu und erwartet von uns, dass wir zusammenarbeiten. Dass wir den Zugang zu Kunden geben, dass wir Expertise mitgeben et cetera. Und am Ende beteiligen wir uns und am Ende nutzen wir es nicht, weil wir das vielleicht nicht ausreichend durchdacht haben etc. Ich glaube, dass es immer nachteilig dann für ein Startup auch bei den weiteren Kunden, Gesprächen oder Gesellschaftergesprächen wenn da nachgefragt wird: Die Helaba investiert – was macht ihr eigentlich mit denen? Und sie müssen dann sagen: Die Helaba? Leider nein. Und das wollen wir verhindern. Und deswegen nehmen wir uns da wirklich ausreichend Zeit, um da gemeinsam ein […] zu formulieren und dass das dann auch am Ende für beide dann auch profitabel ist.

Agnieszka Walorska 00:11:04

Naja, die mit den VCs kann man sich glaube ich im Moment eh nicht vergleichen, da ich das Gefühl habe, da wird einfach Geld hinterher geschossen ohne genau zu gucken. Heutzutage, wenn man sich die Bewertungen anschaut. Also von daher denke ich 4 Wochen – hätte ich ehrlich gesagt viel länger gedacht.

Lucie Haß 00:11:20

Ja also manchmal dauert es auch länger.

Agnieszka Walorska 00:11:22

Und in welchem Stage investiert ihr dann meistens? Ist es irgendwie vorgegeben oder wie kann man sich das vorstellen?

Lucie Haß 00:11:29

Haben wir uns selber gar nicht konkret vorgegeben, weil für uns dieser strategische Fit im Vordergrund steht. Das heißt, wir können, wenn jemand mit einer Idee auf einer Serviette vorbeikommt und wir aber gemeinsam – und Wir machen das ja jetzt nicht nur aus der Helaba digital heraus, sondern wir sprechen dann ganz aktiv immer mit den mit den Bereichen der Bank, die das dann auch mit uns weiter arbeiten – wenn wir mit der Serviette einen Bereich finden, der sagt: Super tolle Idee. Ich kann mir vorstellen, wenn wir das, das und das machen oder wenn das Startup sich in die und die Richtung auch entwickelt, dann wird es eine super Geschichte und ich möchte da auch unterstützen, auch weitere Gesellschafter zu finden und die Idee auch auszubauen. Dann ist das ein relativ günstiger Deal, weil ja erst soweit auf der Serviette vor gedraftet. Aber wenn jemand in einem Series B Stage zu uns kommt und etwas mehr Geld schon haben möchte und – oder auf einer höheren Bewertung schon bewertet wird – dann würden wir das auch machen, wenn es passt. Also wir haben jetzt nicht unendlich viele finanzielle Mittel, deswegen ist es in der Regel schon eher so eine Series A, Series B Runde. Aber im Vordergrund steht tatsächlich der strategische Fit erstmal.

Agnieszka Walorska 00:12:47

Und du hast ja das eine Beispiel genannt im Bereich Nachhaltigkeit ein Startup. Was sind sonst so die Technologien oder Leistungen, die bei euch im Fokus stehen? Wenn du dazu was verraten kannst, mit welchem Themen habt ihr euch sonst auch beschäftigt?

Lucie Haß 00:13:02

Naja, grundsätzlich ist es schon tatsächlich entlang der Geschäftsfelder, dass wir gucken, dass ist zum einen eben Fintech, B2B. Klar, wir gucken uns immer wieder […] Plattformen beispielsweise an, gibt es da irgendwelche Kooperationsmöglichkeiten? Wir gucken uns dann aber auch Prozess-seitige Themen an, die unsere Prozesse schlanker machen. Ob das jetzt an Dokumentenerkennungs-Themen sind beispielsweise oder dann wirklich künstliche Intelligenz zum Auslesen von Dokumenten oder zur Strukturierung von Daten etc. Sowas gucken wir uns natürlich an, aber wir gucken uns natürlich auch Infrastruktur-Themen an. Ob das jetzt, ja auch, aus im Bereich Blockchain. Ob das jetzt Anbieter sind, die uns da eben auch auf der Prozess Seite helfen können. Geschäfte leichter abzuwickeln. Also die Bandbreite ist relativ groß. Wichtig ist eben, dass das zu einem der Themen passt. Also vielleicht in Abgrenzung dazu wäre das Thema Privatkundengeschäft. Hören wir uns gerne an, machen auch gerne ein Vorschlag wohin wir das Startup auch hin vermitteln können. Wir öffnen gerne immer Türen, wo wir auch können. Wir haben da ein ganz gutes Netzwerk. Aber das war jetzt vielleicht nicht primär in unserem Fokus. Aber wenn man uns gut davon überzeugen kann, dass das Startup vielleicht vorhat, aus dem Privatkunden-Bereich vielleicht erstmal in kleinere Unternehmen zu gehen und danach irgendwann in Firmenkunden, dann wäre das ja auch eine gute Story, an der wir auch interessiert wären

Agnieszka Walorska 00:14:39

Und du hast erwähnt, dass eine Möglichkeit ist, an diese Startups zu gelangen ist quasi eine Empfehlung von Kollegen, Kolleginnen aus der Bank. Wie läuft dies ab? Ich stelle mir natürlich vor, dass eure Kultur Helaba digital mit der Zusammenarbeit mit den Startups etwas, vielleicht etwas anders aussieht als die Unternehmenskultur bei der Helaba selbst. Wie durchlässig ist es und wie sehr haben andere Kollegen eher in dem “klassischen Bereich” die Möglichkeit, auch mit den Start-ups zu interagieren und vielleicht etwas von dieser anderen Arbeitskultur, Arbeitsweise zu lernen?

Lucie Haß 00:15:14

Ja, wie gesagt, wir sind da extrem durchlässig. Wir haben uns auch, als wir die Helaba digital gegründet haben, haben wir uns auch bewusst entschieden, dass wir uns jetzt nicht zu weit von der Bank entfernen wollen. Wir haben also gesagt, wir bleiben z.B. im Main Tower in den Räumlichkeiten. Wir wollten gerne unsere Kollegen weiterhin treffen. Wir wollten auch mal in der Kantine hören, was sind den im Moment die Themen, die die Kollegen umtreiben. Weil wir der Meinung sind, dass wir nur, wenn wir verstehen, wo die Bank hin will und was die Probleme der Kollegen sind- oder die Herausforderung der Kollegen sind, wir passend Startups suchen können. Das heißt, wir sind sehr nah an der Bank dran. Wenn wir ein Startup gefunden haben, das wir für gut empfinden, dann ist natürlich das Erste, was wir machen, auf diese Bereiche auch zuzugehen. Also wir verstehen hoffentlich die Bank. Wir finden eine Lösung, bringen die beiden zusammen. Und dann geht es ja wirklich darum, dass die gemeinsam überlegen, was wie könnte man zusammenarbeiten, an welcher Stelle? Die Beteiligung, also das Geld im Endeffekt ist dann nochmal etwas nachgelagert. Das freut natürlich das Startup. Das freut natürlich auch uns. Aber im Prinzip ist für uns wirklich der Kern unserer Arbeit ist es, die die beiden Parteien zusammenzubringen. Und das bedeutet auch, dass sie natürlich im Nachgang – Die Kooperation ist dann auch mit dem Bereich jeweils geschlossen. Und das heißt, sie arbeiten sehr intensiv miteinander. Also jetzt auch mit S-Ray beispielsweise haben wir jetzt an ganz vielen unterschiedlichen Stellen im Konzern auch schon eingebunden. Wir haben sie natürlich erst einmal so vorgestellt, haben gesagt: Hey, wir haben hier ein ganz spannendes Unternehmen. Vielleicht würde das auch bei euch irgendwie reinpassen. Daraus ergeben sich dann auch Kooperationen und Bereiche und die Kollegen interagierenden auch ohne unser weiteres Zutun. Auch mit den Gründern. Also dementsprechend machen wir quasi so die Intro und die beratende Seite an beiden Stellen. Aber danach lernen die voneinander, so wie es eigentlich auch gewünscht ist.

Agnieszka Walorska 00:17:31

Und sag mal, du hast ja auch gesagt eben eine der Möglichkeiten, wo ihr typischerweise die Startups kennenlernt, sind Konferenzen. Die finden nun seit einem Jahr nicht statt. Wie stark ist eure Arbeit von der Pandemie betroffen? Wie stark hat sich da was verändert? Ist es genauso wie bei den anderen Bereichen oder ist es auf die eine oder andere Art anders als quasi typischerweise?

Lucie Haß 00:17:58

Also klar, dass das Thema Netzwerken, worüber wir schon sehr viele Ideen auch mitbekommen und viele Trends auch mitbekommen über diesen persönlichen Austausch – Das fällt jetzt weg. Ja, es gibt viele digitale Konferenzen, aber das ist einfach nicht das Gleiche. Und ich glaube, das wird noch eine Herausforderung sein, wenn sich das noch etwas länger hält, diese eben diese Vorteile der Konferenz auch ins Digitale zu übertragen. Weil im Moment sind die Konferenz noch so gestaltet, wie sie halt auch vor Ort wären. Ein Acht-Stunden-Tag, dazwischen Mittagessen und 3, 4 Breakout-Sessions. Das kann man digital abbilden. Aber beispielsweise das Mittagessen – da war jetzt auch eine Konferenz vor zwei Wochen, da kann man beispielsweise sich an ein einen Mittagstisch digital setzen. Ja, jetzt sitze ich gerade zuhause und denke mir: kann ich digital Mittagessen auf einem Tisch, wo es gar nichts zu essen gibt oder ich gehe eine Etage runter und es mit meiner Familie schwierig, die Entscheidung. Deshalb glaube ich. Man wird irgendwie und da bin ich auch nicht der Experte, aber man wird sicherlich das Thema digitale Konferenzen. Das muss anders sein als das Analoge ins Digitale übersetzt. Und das ist übrigens auch der Trend für alle weiteren Geschäftsentwicklung. Wir sehen häufig, wenn wir Sachen digitalisieren, Prozesse digitalisieren, dann sehen wir genau das Gleiche. Es gibt einen analogen Prozess, der wird eins zu eins digital umgesetzt. Dadurch wird der Prozess aber offen gesagt nicht besser. Und die Frage ist und dazu brauchen wir dann häufig den Blick von außen, gerne auch von Startups, die dann sagen: Moment mal -Aber das ist doch jetzt nur der gleiche Prozess in Digital. Hast du mal drüber nachgedacht, das ganz anders zu machen? Da gibt’s die und die Technologie und die ermöglicht das. Und dann wird man effizienter, dann kommt man eher in diese digitale Welt, die uns allen vorschwebt. Und so ist das glaub ich auch bei den Konferenzen.

Agnieszka Walorska 00:20:02

Apropos digitale Welt, die uns vorschwebt. Ich gucke mal ab und zu ganz gerne in die Glaskugel und würde dich fragen – Du hast ja auch im Verbringen so viel Zeit mit den Startups und den neuen Technologien, auch wenn jetzt nicht physisch, sondern vor allem virtuell: Was glaubst du, wo werden wir in zehn Jahren stehen? Was ist die Rolle einer Landesbank in zehn Jahren? Und gibt’s da noch eine Helaba digital oder schon was anderes? Weil die ganze Helaba z.B. digital ist?

Lucie Haß 00:20:33

Ja, das ist eine gute Frage. Die Glaskugel hätte ich auch gerne. Er ist wirklich schwer abzusehen. Also vielleicht irre ich mich jetzt komplett, aber entlang der Entwicklungen, die wir so sehen, wage ich zu behaupten, dass in 10 Jahren die Welt deutlich vernetzter ist und deutlich nachhaltiger. Denke, oder man muss auch erst mal schauen, was jetzt aus dieser Pandemie Situation herauskommt. Aber die Themen Nachhaltigkeit und Vernetzung ist glaube ich so oder so dann auch ein Stichwort. Und er hat es ja auch in eurer letzten Podcast-Sendungen auch besprochen, die ich mir auch angehört habe und er war auch das Thema Decentralized Finance auch eins. Und das teile ich die Meinung, dass das immer mehr in diese Dezentralisierung auch geht. Und da muss man sich als Bank dann schon auch fragen Wo ist dann meine Rolle noch in zehn Jahren oder in 20 Jahren, je nachdem wie, wie schnell oder wie langsam das Ganze geht. Und wenn man sich das jetzt so anguckt, warum gibts im Moment eine Bank – dann ist das häufig so, dass die Bank einmal ein Geldgeber ist und häufig aber auch ein neutraler Mittelsmann zwischen – machen wir ein ganz einfaches Beispiel – zwischen zwei Unternehmen, die vielleicht nicht die ganzen Informationen übereinander haben und damit irgendwie Informations-Asymmetrien. Und wenn wir uns jetzt vorstellen, dass die Welt immer digitaler wird, Information immer leichter verfügbar, dann können natürlich die Unternehmen miteinander viel besser die Information austauschen, dieses Vertrauen eben auch aufbauen und dann vielleicht die Zahlungen auch unabhängig von einer Bank auch abwickeln. Und wenn man nochmal guckt ich nehme immer ganz gerne das Beispiel im Bereich Trade Finance. Wenn man sich jetzt überlegt: Ich habe einen chinesischen Exporteur und einen deutschen Importeur und Status-Quo ist das, der eine exportieren will und der andere möchte ihm dafür dann eben das Geld geben. Dann sind dazwischen extrem viele Mittelsmänner. Da hat man bei dem Exporteur auf der Seite, der fertigt seine Ware und möchte das jetzt gerne verschiffen. Dann kommt der Spediteur, dann kommt der Hafen, Abwickler oder Betreiber. Der Zoll kommt ins Spiel, dass Schifffahrtsunternehmen kommt ins Spiel et cetera. Und der Importeur sagt natürlich: Naja, ich zahle erst, wenn die Ware in dem Zustand, in dem ich sie haben wollte, dann auch so bei mir ankommt. Und um das sicherzustellen, werden im Moment physische Dokumente einmal vom Exporteur gesammelt, also vom Hafen, vom Zoll, vom Schifffahrtunternehmens cetera. Und das wird dann an seine Bank geschickt. Dann wird alles geprüft -entspricht das den ganzen Bedingungen – dann wird dieses riesige Papierpaket wird dann vielleicht nach Europa geschickt zu einer Bank des Importeur. Da wird das auch alles nochmal geprüft und dann irgendwann drei Monate später, wenn das Schiff, wenn dann irgendwann die Containern angekommen sind, dann wird die Zahlung fällig. Und das geht künftig natürlich smarter, wenn man sich das vorstellt, dass alle Mittelsmänner sind dann angebunden an was auch immer für eine Technologie wir nutzen, alles digital übermittelt wird, man immer genau weiß, wo es der Container jetzt hat, der die richtige Temperatur, die er haben muss oder kommt die Ware verschimmelt an. Wenn ich weiß, die Temperatur ist unterschritten, dann kann man gleich die nächste Lieferung losschicken und muss sich erst mal drei Monate warten und kann dann seine Versicherung wiederum schon kontaktieren oder Zahlungen dann in Tranchen schon bezahlen, weil man weiß, die Ware ist schon so weit. Also da gibt es viele spannende Ansätze und wenn man sich das so überlegt, da brauchte es jemanden dazwischen. Ja, das braucht einfach nur Daten und Smart Contracts und Zahlungen, die automatisch ausgelöst werden. Und Informationen, die automatisch weitergegeben werden. Und das glaube ich, ist eher die Zukunft. Und wir als Bank gucken uns das natürlich sehr genau an und was für uns wichtig ist, ist zu beobachten, wo sich unsere Kunden hin entwickeln. Wo sind unsere Kunden? Was brauchen die? Natürlich auch die Technologie-Seite, aber immer im Gespräch mit dem Kunden zu bleiben und zu verstehen, wohin er sich entwickelt, sodass wir uns dahin gemeinsam entwickeln können. Was wir dann am Ende sind, weiß ich nicht. Die Glaskugel kann ich nicht lesen. Aber auf jeden Fall gehen wir den Schritt gemeinsam mit dem Kunden und ich hoffe, dass wir dann auch irgendwo ankommen, wo man uns auch braucht.

Agnieszka Walorska 00:25:10

Superspannend. Das hören wir uns dann gemeinsam in 10 Jahren nochmal an und schauen, was Realität geworden ist.

Lucie Haß 00:25:18

Ja schauen wir mal.

Agnieszka Walorska 00:25:18

Super, vielen Dank für diesen Ausblick. Das Thema Dezentralisierung wird uns, glaube ich an vielen Ebenen in jedem Fall begleiten. Das kann man, glaube ich kaum weg reden. So langsam nähern wir uns ja auch dem Ende zu. Und deswegen wollte ich dich natürlich auch noch fragen, ob du eine Buchempfehlung für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer hast. Und die muss jetzt nicht notwendigerweise was mit Dezentralisierung oder Banking zu tun.

Lucie Haß 00:25:49

Ja, ich hatte natürlich auch überlegt, haben mich aber dann auch bewusst für etwas anderes entschieden. Und zwar möchte ich gerne mein Lieblingsbuch empfehlen, was wahrscheinlich viele schon gelesen haben, aber es ist die “Reise um die Welt in 80 Tagen” von Jules Verne. Und ich denke, dass das ganz interessant ist in der aktuellen Zeit, wo man einfach im Moment nicht reisen kann. Es beschreibt so schön die unterschiedlichen Stationen, wie es früher mal war, wie das Reisen früher war, wie gelassener das Ganze war. Und ich finde so Abenteuerbücher eben mal ganz spannend. Von daher wäre es noch nicht gelesen. Hat es vielleicht mal eine gute Ablenkung und man hat ja jetzt auch ein bisschen mehr Zeit.

Agnieszka Walorska 00:26:32

Bestimmt, ja. Und noch eine letzte Frage natürlich, soll ich nicht vergessen: Welche Frauenstimme würdest du gerne in unserem Podcast noch hören?

Lucie Haß 00:26:41

Ja, ich würde gerne hören meine Ex-Kollegin Miriam Unser. Miriam ist Head of Sales und Business Development beim Tech Quartier in Frankfurt. Das Tech Quartier ist eine der größten Innovationsplattformen, auch in Form eines Hubs hier in Frankfurt. Es bringt viele Startups, Firmen und Talente zusammen und haben glaube ich jetzt schon 370 Startups, hab ich mir sagen lassen und auch über 50 Unternehmen zusammengebracht und machen immer ganz spannende Projekte und Maßnahmen und Initiativen auch im europäischen Kontext. Und ich glaube, dass das vielleicht auch für die Zuhörer des Podcast auch ganz spannend sein kann auch mal so ein Innovation-Hub sich eben anzuhören.

Agnieszka Walorska 00:27:30

Mich würde sicherlich auch interessieren, wie so das letzte Jahr für Sie gelaufen ist, da das Tech-Hub ja natürlich so stark auch von der physischen Location ja auch lebt und natürlich auch eine coole Location ist. Wie Sie diese Experience ja auch digitalisiert haben.

Lucie Haß 00:27:45

Ja, also das hört ihr gerne an, weil da haben sie ganz spannende Ansätze. Sie haben da auch einen Teil des Tech-Quartiers auch umgebaut. Das ist ganz spannend.

Agnieszka Walorska 00:27:54

Ja, dann hoffe ich, dass die Miriam mit uns sprechen will. Werde ich auf jeden nachfragen.

Lucie Haß 00:28:00

Sehr gerne.

Agnieszka Walorska 00:28:01

Super! Dann vielen Dank Lucie für das spannende Gespräch. Das war mir eine große Freude – Bis demnächst.

Lucie Haß 00:28:07

Ja. Danke, danke dir!