#20 | Innovationsförderung und Zukunftsforschung mit Veronica Lange, Head of Digital Engagement bei UBS

In dieser Folge spricht Agnieszka mit Veronica Lange, Head of Digital Engagement im Chief Digital Information Office bei der UBS. In ihrer Funktion arbeitet sie daran, Innovationsaktivitäten zu unterstützen, zu fördern und dabei auch Strukturen zu schaffen, um Zusammenarbeit mit externen Partnern zu ermöglichen.

Die beiden sprechen unter anderem über die derzeit laufende UBS Future of Finance Challenge und worum es hier genau geht, welche zukunftsweisende Themen dabei behandelt werden, wie die Themensetzung vorab abläuft und welche Kooperationen bislang besonders bemerkenswert waren. Darüber hinaus geht es um das Thema Strategic Foresight und wie man systematisch einen Blick in die Zukunft werfen kann.

Die Themen im Überblick:

  • Welche Aufgabe stellen sich für eine Head of Digital Engagement?
  • Was steckt hinter der The Future of Finance Challenge?
  • Welche zukunftsweisende Themen werden in diesem Jahr behandelt?
  • Wie werden die Themen der Challenge vorab identifiziert?
  • Welche bemerkenswerte Kollaborationen mit Startups gab es bislang?
  • Wie funktioniert Strategic-Foresight, wie lässt sich systematisch in die Zukunft schauen?
  • Welche Themen könnten für die Challenge im Jahr 2031 relevant sein?
  • Wie sieht die Zukunft von digitalem Zentralbankgeld aus?

Die Buchempfehlungen von Veronica:
Paul Donovan: Profit and Prejudice: The Luddites of the Fourth Industrial Revolution
Baruch de Spinoza: Die Ethik

Der Link zur UBS Future of Finance Challenge 2021

Veronica Lange auf LinkedIn | Twitter

Das Transkript zur ganze Folge:

Agnieszka Walorska

Willkommen zu einer weiteren Folge des Future Finance Podcast von Capco und Creative Construction mit Agnieszka Walorska. In der aktuellen Folge unseres Podcasts habe ich bei mir Veronika Lange, Head of Digital Engagement im Chief Digital Office bei der UBS. Und ja, wir werden über Innovationen, über die Zukunft, über die Zusammenarbeit mit Startups sprechen. Ein breites Spektrum von Themen. Veronika, magst du als erstes mal kurz sagen: Was heißt das, Head of Digital Engagement? Was machst du genau? Mit welchen Themen beschäftigst du dich?

Veronica Lange

Vielen Dank für die Einladung, ich freue mich heute hier zu sein. Ich bin seit über 30 Jahren wirklich im Bereich Technologie in Innovationsmanagement unterwegs, seit dem Studium…

Agnieszka Walorska

So alt kannst du doch gar nicht sein – Das streichen wir mit den 30 Jahren gleich!

Veronica Lange

Also ich bin schon lange dabei im Bereich Technologie- und Innovationsmanagement, schon in den Zeiten sozusagen Pre-Internet und das ist und bleibt nach wie vor eine Passion von mir und ich bin eigentlich sehr froh, dass ich seit einigen Jahren schon, seit acht Jahren bin ich bei UBS dort also auch maßgeblich mit dem Thema in Zukunft Innovation und neuen Technologien beschäftigen kann. Und gerade jetzt ist es eine unglaublich spannende Zeit, auch im Banking unterwegs zu sein, weil wir wirklich in diesem Umbruch sind, wo ganz neue Strukturen entstehen und wo sich die Art und Weise wie Finanzprodukt konsumiert werden ja auch ändern. Und in meine Rolle Head of Digital Engagement bin ich angesiedelt im Chief Digital Information Office. Das gibt es auch erst seit einigen Monaten bei uns. Zuvor war ich in der Group Technology Organisation und seit einigen Monaten ist nun Mike Dargan, unser ehemaliger Head of Technology, auch im Group Executive Board als Chief Information Officer. Und das zeigt die Bedeutung, die auch Technologie und digital bei uns als Bank jetzt hat. Dass es eben wirklich auf dem Top Level angekommen ist. Und das, was ich dort mit meinem Team mache, ist nicht so viel anders auch als das, was wir die letzten fünf, sechs Jahre als Innovationsteam gemacht haben, nämlich über die gesamte Organisation bei UBS Innovationsaktivitäten zu unterstützen und zu fördern und dort die richtigen Strukturen auch zu schaffen. Und ganz wichtig eben auch mit dem externen Ökosystem, wie man so schön sagt, Verbindung aufzubauen und dort die Möglichkeit zu haben, wirklich mit verschiedenen, mit großen und kleinen Playern, mit Universitäten, mit Startups zusammenzuarbeiten.

Agnieszka Walorska

Sehr spannend. Da will ich natürlich gleich, dass du uns auch was von The Future of Finance Challenge erzählst, die ihr alle zwei Jahre startet und initiiert. Bevor wir zu den Fragen kommen, nochmal hier der kurze Hinweis an die Zuhörerinnen und Zuhörer: Man kann natürlich den Podcast auch an all diesen Plattformen, die es so gibt also Spotify, SoundCloud, Apple Podcast, Google Podcast hören und auch abonnieren. Und wenn man es abonniert, dann hat man das alle zwei Wochen, manchmal auch jede Woche am Freitag in der jeweiligen Podcast App. Aber jetzt nochmal zu der Challenge: Was ist so die Idee dahinter? Was ist das Format? Was sind auch die Themen dieses Jahr – Magst du was erzählen?

Veronica Lange

Gerne! Der Hintergrund ist wir haben 2015 die erste UBS Future of Finance Challenge gemacht. Da war das ganze Zusammenarbeit mit Startups noch recht neu für die Banken. Und wir wollten sehen: Woran arbeiten die denn? Was passiert dort eigentlich? Und wir haben dann gemerkt, dass es ein wunderbarer Weg ist, wo wir eben auch herausfinden können, welches sind die besten Startups, die zu bestimmten Themen für uns als Kollaborations-Partner zusammenkommen? Wir haben ja kein Monopol auf die guten Ideen und das ist, glaube ich, für die gesamte Branche und auch andere Industrien einfach extrem wichtig, mit der Schnelligkeit der Entwicklungen, die es heute gibt, dass man schauen muss – wo kann man sinnvoll zusammenarbeiten. Mal sind es große Partner, mal sind es kleine Partner. Welches sind meine Kernkompetenzen? Und das sind eben Lösungen, die jemand schon entwickelt hat, die wir dann zum einen auch fördern wollen, aber auch nach Möglichkeit natürlich dann integrieren in unsere eigenen Prozesse. Und in diesem Rahmen machen wir jetzt alle zwei Jahre die UBS Future of Finance Challenge. Dort schreiben wir vier verschiedene Themen aus, die wir für zukunftsweisend für die Branche halten. Es geht nicht nur um unsere eigenen Probleme oder Prioritäten, sondern es geht tatsächlich um Themen, wo wir glauben, da geht die Zukunft hin und dann können sich die Startups darauf bewerben, in dem sie uns sozusagen die Grundzüge ihrer Lösungen hochladen auf die Antragsseite. Wir evaluieren die dann über einige Wochen mit verschiedenen Experten und laden die Top Ten, also die besten 10 zu Pitches ein und zum Mentoring-Sessions zu uns, wo wir sie dann begleiten, wo wir ihnen wirklich ganz konkreten Input geben, auch zu ihren Lösungen, wie die für Banken passen sie auf, wo man sie vielleicht verbessern könnte. Wir bringen Sie mit unserer Investitionsausgaben zusammen und auch mit einigen Firmen, mit denen wir hier im Netzwerk zusammenarbeiten – In diesem Jahr sind das Anthemis, Deloitte und Microsoft for Startups – das praktisch mit einer Bewerbung auch für die Gründer und Entrepreneurs mehr Möglichkeiten aufgehen. Und mit dem Besten, mit den Siegern oder Finalisten – wir versuchen natürlich mit den meisten von denen auch hinterher zu arbeiten, das hast du nicht immer, aber oft, das ist dann sozusagen, was nach dem Challenge passiert. Und für uns ist das wirklich ein ganz wichtiges Element zum einen um zu sehen: Was gibt es da draußen und zum anderen eben auch praktisch das Sourcing für unsere eigene Innovations-Pipeline zu machen.

Agnieszka Walorska

Und welche Themen sind das dieses Jahr?

Veronica Lange

Dieses Jahr haben wir vier interessante Themen. Das erste ist Sustainable Banking, das zweite heißt Reimagining Investing, das dritte Appstores and Platforms und das vierte Tech and Cyber. Ich kann also ein bisschen was dazu sagen. Also Sustainable Banking, Sustainability ist natürlich jetzt schon seit einigen Jahren ein immer wichtigeres Thema. Aber für uns geht es darum, eben auch Lösungen zu finden, die über das hinausgehen, was heute schon so ein bisschen der Standard ist, also Investitionsprodukte, Funds anzubieten und die ersten ESG-Measurements zu haben, also Datengrößen, die so ein bisschen die Risikobewertung bezüglich Nachhaltigkeit abbilden, sondern wir wollen wirklich auch schauen, wie können wir unseren Kunden helfen, einen Überblick über Ihren Footprint zu haben. Wie können wir auch Veränderungen vorhersagen mit intelligenten Lösungen. Wie können wir auch mehr Kapital besser zusammenbringen. Auch das Matching zwischen Ideen und Kapitalgebern zu verschiedenen Nachhaltigkeitsthemen, um da wirklich sozusagen in die nächste Etappe hineinzukommen. Und auch als Bank haben wir das Ziel gesetzt, zu Zero Emission Banking zu kommen. Das heißt wirklich auch, unsere eigenen Emissionen komplett zu reduzieren. Da gibt es auch intern verschiedene Arbeitsgruppen und wünschen uns natürlich auch davon neue Lösungen zu hören, die wir gegebenenfalls noch nicht so kennen. Das ist so dieses Thema Sustainability.

Agnieszka Walorska

Eine Nachfrage hier, das heißt, wenn du sagst, ein Thema ist natürlich nicht nur rein Sustainable Finance, sondern auch als Bank sustainable zu sein, können auch Startups an der Challenge teilnehmen, die jetzt keine Fintechs sind, sondern eben gezielt zum Beispiel solche Probleme lösen?

Veronica Lange

Absolut. Wir sagen immer, es ist für Fintechs, aber auch für Tech-Entrepreneurs also Unternehmen, die die technische Lösungen oder neue Technologien haben, die sie vielleicht schon in anderen Branchen erprobt haben, die man aber auch als Banken nutzen kann. Absolut. Das ist ganz richtig. Und das trifft eigentlich auf alle Challenges zu. Also auch bei Reimagining Investing das ist wirklich so der Kern unserer Purpose. Reimagining investing for a better world, wo wir versuchen, Lösungen zu finden, wie kann man eigentlich die Erfahrung, die Experience des Investing viel persönlicher, viel einfacher und nachvollziehbarer machen, wo ich so meine persönliche Simulation habe. Wir sind ja auch gerade bei jungen Kundengruppen, das ging mir ganz genauso, ich meine wer denkt mit 25 an seine Rente? Dass man mit Sicherheiten versucht, also für junge Leute oder auch für Leute mit geringeren Einkommen: Wie kann man da intelligent und nachhaltig, also auch frühzeitig anfangen, in seine Vorsorge zu investieren beispielsweise, Wie kann ich sehr persönliche Anlagevorschläge oder auch sogar Produkte bekommen, die sehr zeitnah bereitgestellt werden. Das sind alles solche Dinge und auch die Kommunikation mit dem Kunden. Was gibt’s da für neue Tools, wie wir eben viel besser über digitale Kanäle kommunizieren können, hat ja jetzt die COVID-Krise auch wirklich ein großen Push gebracht, was die Akzeptanz angeht. Aber man sieht eben, das kann auch noch verbessert werden, um die persönliche Beratung eben auch auf dem Kanal bestmöglich bereitstellen zu können. Und die dritte Challenge, die heißt Appstores und Platforms. Da versuchen wir Lösungen zu finden, die uns helfen, wirklich so eine Appstore-Experience auch zu kreieren, wo ich verschiedene Lösungen miteinander zusammenbringe, wo ich als Kunde praktisch meine Bedürfnisse auf einer Plattform abgedeckt bekomme. Und da gibt es auch viel technische Lösungen, die es braucht, um eine gute Plattform zu bauen, wo wir uns freuen, eine Lösung vorgeschlagen zu bekommen beispielsweise. Und das ist nicht nur ein Retail-Thema, das ist eben auch in der Investmentbank ein Thema, wo wir mit der Neo-Platform eine der größten und erfolgreichsten Plattformen schon bereitstellen. Und da suchen wir neue Apps, die wir da in der Neo-Plattform auch miteinbringen können. Das ist so der dritte Challenge und der vierte geht dann Richtung Technologie, nämlich Tech und Cybersecurity. Was ich auch gerade jetzt für die nächsten zehn Jahre für ein extrem spannendes und wichtiges Thema halte. Es ist ja so, dass die Kundendaten sicher zu halten, das ist sowieso die höchste Priorität, die wir haben. Erst recht als Schweizer Bank. Aber da geht es eben auch darum, wirklich zu gucken: Was müssen wir noch ändern oder wo gibt es noch neue Methoden, die man eben in dieser ganz vernetzten Ökonomie, mit vielen Schnittstellen, mit IoT-Devices, wo wir auch viel schnelleren und für häufigeren Datenaustausch und Interaktion haben. Was muss ich da machen, um wirklich Sicherheit vor Attacken herzustellen? Und wie kann ich vielleicht auch Risiken erkennen, bevor sie überhaupt eminent werden? Das sind solche Ansätze, wo wir uns freuen zu hören, wenn da Startups intelligente neue Lösungen haben.

Agnieszka Walorska

Ja, spannendes Thema, das jetzt gerade auch vor allem in den letzten anderthalb Jahren gefühlt so an Brisanz gewonnen hat. Ich glaube, es gibt im Moment keinen Tag, wo Cybersecurity nicht in den Medien ist und zwar nicht nur in den Branchenmedien.

Veronica Lange

Richtig.

Agnieszka Walorska

Und sag mal, wie kommt ihr zu diesen Themen? Wie fallen dann die Entscheidung, wie erarbeitet ihr die, wie entscheidet ihr darüber?

Veronica Lange

Das ist eine sehr gute Frage. Wir kommen da aus zwei Richtungen. Das eine ist, dass wir natürlich als Team sehr viel Zukunftsforschung betreiben und immer versuchen, am Ball zu bleiben, was Megatrends, was größere Themen angeht und nicht nur in der Finanzwelt, sondern wirklich auch gesellschaftlich und technologisch, sozioökonomisch etc.. Und aus diesem sozusagen Top-Down-View schauen wir natürlich was sind wichtige Themen, die wir im Auge behalten müssen. Und zum anderen gehen wir in der Vorbereitung des Challenge wirklich immer gleich noch einmal durch die Organisation und sprechen mit den wichtigsten Business Leads und schauen, was und welche Themen, wo besteht wirklich auch Entwicklungsbedarf, wo haben wir ja auch die Möglichkeit, gut mit Startups zusammenzuarbeiten. Nicht jede Priorität ist notwendigerweise auch ein Startup-Thema. Manchmal sind das Dinge, die wir eigentlich auch In-House sehr gut selber beherrschen oder bauen. Manchmal haben wir auch schon bestehende strategische Partnerschaften. Das heißt, wir haben ja wirklich gut durch gefiltert auf welchen Themen und auf welchen Fragestellungen wünschen wir uns eben auch mehr Startup-Lösungen finden zu können. Und aus diesem Mix zusammen formuliert sich dann eigentlich jeweils der Challenge. Und ich finde es auch für uns dieses Jahr eigentlich sehr schön, dass wir damit auch unser Purpose-Statement sehr gut unterstützen können, nämlich wirklich diese Themen, neue Investing Experience und auch Leute zusammenzubringen, also Ideen und Gelegenheiten, Opportunitäten zusammenzubringen, dort Lösungen zu finden, die uns helfen, da unsere Visionen umzusetzen.

Agnieszka Walorska

Und wie war das in den Jahren davor? Ihr habt das ja ein paar Mail schon gemacht. Was gab’s dort für Themen und vor allem: Was ist dabei rausgekommen? Gibt es jetzt ein, zwei Beispiele von der Zusammenarbeit mit den Startups, die du jetzt nennen könntest, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind oder die den meisten Mehrwert schon generiert haben?

Veronica Lange

Ja, natürlich, da gibt es verschiedene Beispiele. Also wir arbeiten typischerweise mit rund einem Drittel der Finalisten zusammen und wir haben auch gesehen, dass die Finalisten, die nachher publiziert werden und die wir auch versuchen, weiter zu vernetzen, dass dort also ein beträchtlicher Anteil, über die Hälfte eben auch, sehr gut sich entwickelt hat, mit voller Up-Funding und so weiter. Also das ist so die eine Linse. Wir haben es gibt es für schöne Beispiele, ganz zum Beispiel im letzten Jahr, 2019 haben wir ja Tokenization als Challenge gehabt und mit dem Sieger Nivaura haben wir dann auch intern gearbeitet und haben damit eine Lösung mit ihnen zusammengebaut als Working-Prototyp, der natürlich jetzt maßgeblich ist für das, was wir auch in Zukunft machen werden. Das ist so eines der Beispiele, wo dann direkt nach dem Challenge eigentlichen ein Proof of Concept begonnen hat. Ein anderes Beispiel ist Diveplane, auch Finalisten unserem Tech Challenge im letzten Wettbewerb. Und mit Diveplane haben wir dann angefangen über Synthetic Data mehr nachzudenken und haben dort verschiedene Tests gemacht und mit ihnen zusammengearbeitet. Denn das ist ja auch ein Thema, das war damals recht neu vor zwei Jahren. Und das war für uns ein guter Ansatzpunkt, eben auf den Weg zu kommen, synthetische Daten auch zu kreieren, also Datensätze, die eigentlich sich genauso verhalten wie die Originalkundendaten. Das heißt, ich kann damit Vorhersagen oder auch Algorithmen oder Machine Learning Modelle entwickeln und testen, ohne dass ich wirkliche Kundendaten verwenden muss. Und damit sind synthetische Daten eigentlich ein ganz interessanter Ansatz, wie man eben vermeiden kann, dass man irgendwo die Kundendaten aus der sicheren Zone herausbringt, aber trotzdem mit Startups oder mit neuen Lösungen bessere Vorhersagemodelle beispielsweise entwickeln kann. Ja, das sind so Beispiele. Wir haben aber auch in ganz anderen Bereichen Zusammenarbeit, beispielsweise mit Wondeur AI, die Bewertungen, Social-acclaims zu Kunst bereitstellen. Eine ganz interessante kanadische Firma, mit denen wir auch schon seit ihrer Teilnahme 2017 eng zusammenarbeiten und seit 2019 eben auch einige unserer Kunden das anbieten, dass sie diese Lösung von ihnen nutzen können.

Agnieszka Walorska

Spannende Beispiele. Und du hast jetzt vorher erwähnt, unter anderem der Weg dahin, diese Themen hier auch zu identifizieren, ist Zukunftsforschung, Strategic-Foresight. Warum ist das Thema wichtig und wie macht ihr das? Wie guckt ihr dann systematisch in die Zukunft?

Veronica Lange

Ja, es ist schon wichtig, denn wir unterscheiden ja Innovation auch auf verschiedenen Ebenen. Also da gibt’s einmal so diese ganz nahe, wir sagen evolutionäre Innovation. Da hab ich eigentlich wenig Unsicherheit. Da kann ich mit unseren Agile PODs kann man dort die Teams zusammen nehmen. Man hat meistens eine Handvoll Zulieferer oder Provider an der Hand, mit denen man das umsetzen kann wenn es um neue Technologien geht und da ist die Unsicherheit klein und dann geht es darum, das schnell und agil zu liefern. Zu den transformativen oder auch disruptiven Themen, da sind wir ja oft geneigt, als Individuen eigentlich die Vergangenheit im Kopf fortzuschreiben. Sie denken immer, das geht so linear weiter. Und was wir eben auch dort in der Analyse versuchen, in der Organisation mit beizutragen, ist dieses Hinterfragen. Was sind eigentlich die Voraussetzungen? Ist es notwendigerweise so, dass die Industrie gleichermaßen funktioniert? Und Disruption, das beinhaltet ja schon das Wort, ist eigentlich immer ein Break, da ist irgendwo eine echte Veränderung, die unvorhersehbar ist. Und deswegen sind dann alle immer ganz erstaunt, dass auf einmal die CDs verschwunden sind und Spotify da ist. Und in diesem Sinne versuchen wir also ganz gezielt einen Schritt zurückzugehen und zu schauen, was sind eigentlich die Voraussetzungen, und Szenarien zu entwickeln, indem wir die Voraussetzung hinterfragen. Und bei der Szenario Entwicklung, dort schaut man, dass man unabhängige Dimensionen nimmt, z.B. wie stark sich bestimmte Technologien durchsetzen oder die gesellschaftlichen Megatrends ausspielen und kann dadurch dann verschiedene Zukunftsbilder entwickeln. Und wenn man das macht, dann findet man sich in einer Zukunft wieder und kann eigentlich so den Ansatz der Zukunfts-Archäologie – so nennen wir das, das macht auch unser Think Tank UBS Y – das heißt, wenn ich eigentlich in die Zukunft schaue, was sind dort die Bedürfnisse meiner Kunden in diesem Szenario. Und nimmt sich dann so die neuen Möglichkeiten, die man vermutet, zurück in die in die Gegenwart und versucht dann in diese Richtung neue Produkte oder Services oder Dienstleistungen zu entwickeln. Und das ist so eine Form der Ideation, der Ideen Entwicklung, mit der man dann auch auf neue Geschäftsmodelle oder neue Anwendungsfälle kommen kann. Aber das ist sozusagen der eine Aspekt, dass man eben selber in die Lage kommt, über neue Offering nachzudenken, über neue Produkte. Der andere ist, sich wirklich klar zu werden, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, wo unsere Industrie hingeht und die entsprechenden Signale dann auch aufzunehmen und einzuordnen. Dafür haben wir dann eben auch ein Framework entwickelt, das man das relativ strukturiert machen kann, um eben abzuschätzen, ob wir ein resistentes Innovationsportfolio haben, das gegenüber verschiedenen Entwicklungen auch Möglichkeiten anbietet.

Agnieszka Walorska

Spannend. Also ich merke ja auch immer wieder, wenn man gerade so in die Zukunft guckt und zum Teil Szenarien aufzeigt, die vielleicht für die jeweilige Branche nicht ganz vorteilhaft sind, kann man die Leute manchmal sehr schnell verlieren. Im Sinne von: Ach, es wird ja niemals passieren.

Veronica Lange

Ganz genau. Ganz genau. Und das ist ja auch das, wo ich meine, wir haben ja schon oft darüber geredet, wie digital wird die Kundeninteraktion sein. Und niemand hätte sich vor zwei Jahren vorstellen können, dass man auch im Private Banking-Bereich oder im Investmentbanking-Bereich so gut digital mit den Kunden kommunizieren muss oder will. Und da ist eben die ganze COVID-Krise einen disruptiven Shift herbeigebracht. Und gleichermaßen wird das eben auch in anderen Bereichen durchaus möglich sein, dass Dinge, die wir heute für Gegebenheiten eigentlich anders bewertet werden oder umkippen können sozusagen.

Agnieszka Walorska

Ja, gutes Stichwort, die Glaskugel-Frage, wir sind ja auch schon am nach-vorne-gucken. Wenn ihr dann die Challenge 2031 macht, was glaubst du, was werden das für Themen sein?

Veronica Lange

Schwierige Frage, aber schöne Frage. Also ich weiß es natürlich nicht und ich bin gespannt, wie es dann in 2031 aussieht. Aber wenn man sich so die großen Trends anguckt, glaube ich schon, dass mit der Ressourcenknappheit, mit den Themen von Nachhaltigkeit und Umweltfragen sich für uns eigentlich eine neue Bewertung dessen entwickeln wird, was wir als Wealth verstehen. Also wir sind ja als Wealth-Managern und im Privatbanking auch dafür, das Vermögen unserer Kunden zu schützen und zu entwickeln. Und ich glaube, dass diese Ressourcenknappheit auch eine unterschiedliche Neubewertung von natürlichen Ressourcen, die wir heute noch nicht so schützen, zu neuen Asset-Klassen führen wird, also auch zu der Möglichkeit oder auch zu der Notwendigkeit, anders zu investieren und eben auch ganz konkret über den Impact, den man mit seinen Investitionen macht, anders nachzudenken. Und deswegen glaube ich, dass in 2030 oder 2031 wir vielleicht Challenges haben werden, die eben darum gehen werden, wie wir das machen und wie neue Asset-Klassen auch funktionieren. Ich glaube auch, dass wir durch die demografische Entwicklung sehen müssen, wie wir auf das Thema private Vorsorge oder eben auch überhaupt eine solide gesellschaftliche Entwicklung unterstützen können. Da wird es meines Erachtens sehr viel mehr auch digitale Assistenten geben, die viele Aufgaben für uns übernehmen können und werden, um jedes Individuum zu beraten. Und wir denken eben auch darüber nach, wie weit eine Bank in der Zukunft vielleicht auch Software, digitale Assistenten bereitstellen möchte. Das heißt, das könnte auch so etwas sein, wo neue Lösungen notwendig werden und als drittes Thema haben wir sicherlich auch die Veränderungen zu einer Pay-per-use-Economy, mehr Machine-to-Machine Kommunikation durch die Vernetzung, wo eigentlich Dienstleistungen konsumiert werden, wo sie gebraucht werden. Das heißt, auch da erwarte ich eigentlich, dass wir ganz andere Situation vorfinden werden. Was zum einen die technischen Ökosysteme angeht, vielleicht nicht nur ein Standard, vielleicht auch mehrere Standards weltweit oder Plattformen, in denen wir uns bewegen werden und wo man dann mit digitalen Währungen, sei es Central-Bank-Cash oder privat herausgegebenes Geld diese on demand, pay per use-Economy umsetzt. Und da werden wir sicherlich auch als Banken andere Prozesse benötigen und neue Produkte benötigen und auf solche Lösungen dann ein Auge haben.

Agnieszka Walorska

Meinst du, dass sich bis in zehn Jahren die digitalen Währungen der jeweiligen Staaten durchgesetzt haben?

Veronica Lange

Das ist schon möglich. Also nicht durchgesetzt, würde ich jetzt nicht sagen. Adaptionsprozesse brauchen lange und es steht sicherlich auch noch der Beweis aus, ob digitale Währungen tatsächlich so viel besser sind als die herkömmlichen Währungen. Das Finanzsystem hat sich ja über Jahrzehnte entwickelt. Aber die Tatsache, dass wir ja auch in China jetzt schon wirklich im Roll-out sind, das zeigt, dass wir hier jetzt aus der Experimentierphase wirklich in einer Produktiv-Phase hineinkommen. Und dann bin ich gespannt, wann auch in Europa vielleicht die ersten digitalen Währungen herausgegeben werden. Wir arbeiten ja auch mit Fnality, wo wir investiert sind, am Utility Settlement Coin. Das ist aber eher auf dem Interbanken-Austausch beschränkt. Für den normalen Verbraucher, digitales Geld, ich glaube das wird noch eine Weile dauern, weil auch dort für die Zentralbanken noch viel mehr Fragestellungen zu beantworten sind. Also deswegen durchgesetzt vielleicht noch nicht, aber eingesetzt werden kann ich mir durchaus vorstellen.

Agnieszka Walorska

Ja, vielen Dank. Das sind sehr viele spannende Gedankenanregung. Eine Anregung hätte ich gerne noch von dir: Welches Buch würdest du den Zuhörerinnen und Zuhörern empfehlen?

Veronica Lange

Ich lese ja sehr viel, da gibt’s ganz viele Bücher, die ich immer gerne empfehle…

Agnieszka Walorska

Kannst gerne eine ganze Liste geben…

Veronica Lange

Vielleicht einfach zwei Bücher, an denen ich gerade dran bin. Das eine ist von unserem UBS-Vordenker Paul Donovan hat ein schönes Buch kürzlich geschrieben, das heißt “Profit and Prejudice” und das geht ein bisschen darauf ein, wie sich eben auch die Bewertung und die Umsetzung von neuen Technologien für die Zukunft dadurch beschränkt wird, weil wir Vorurteile haben und weil vielleicht bestimmte Gruppen der Gesellschaft oder bestimmte Vorurteile bestehen und dass man eigentlich viel mehr das Potenzial ausschöpfen kann, wenn man diesen Vorurteil abwirft. Also das ist einfach ein interessantes Buch, so auch Richtung Nachhaltigkeit und Nutzung von neuen Technologien. Und das andere Buch, was ich mir grade nochmal wieder gekauft, ich hab das mal vor Ewigkeiten gelesen. Spinozas “Ethik”. Ganz alt, aber auch wirklich super spannend, weil es eigentlich auch schon auf die Frage geht, wie wir eigentlich mit natürlichen Ressourcen umgehen, wie wir da den Respekt halten und wie auch Ideen entwickelt haben. Und ich glaube auch in Zeiten künstlicher Intelligenz ist es nie verkehrt, sich ein paar Gedanken um Ethik zu machen. Also das auch für mich gerade nochmal so ein kleiner Reminder ist, um so ein bisschen auch Grundlagen und Aufklärung in die jetzige Zeit mit hineinzutragen.

Agnieszka Walorska

Das ist ja mal eine coole Buchempfehlung. Also Spinozas Ethik steht irgendwo bei mir tatsächlich noch im Regal, aber Profit and Prejudice hab ich noch nicht. Auf jeden Fall klingt er auch sehr lesenswert. Und natürlich noch die letzte Frage: Welche Frauenstimme würdest du gerne in unserem Podcast hören?

Veronica Lange

Nachdem wir über CBDC gesprochen haben, würde ich eigentlich gerne Christine Lagarde hören, als Chefin der Europäischen Zentralbank…

Agnieszka Walorska

…ich starte mal die Anfrage – schauen wir mal, was dabei rauskommt!

Veronica Lange

…ansonsten finde ich auch immer gut, die neue Generation zu hören. Also wirklich diejenigen, die jetzt unter 20 oder um die 20 sind, wie sieht sich die Zukunft vorstellen. Ich glaube, wir müssen da viel mehr Respekt und Gehör der jungen Generationen geben. Darüber hinaus gibt es eigentlich auch noch ganz wirklich tolle Frauen, die in unserem Global Visionaries Programm drin sind. Da sind einige, die halt wirklich neue Baustoffen entwickeln oder Sozialprojekte umsetzen. Und ich bin da immer wieder voller Respekt, was es für unglaublich interessante und umtriebige Frauen gibt und Personen, die uns helfen, voranzukommen. Also ich glaube, da sollte für dich eine ganze Liste an interessanten Interviewpartnern bereitstehen.

Agnieszka Walorska

Cool, dann vielen Dank. Wie gesagt, sehr viele coole Themen, über die man nachdenken kann und sollte. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast.

Veronica Lange

Vielen Dank für die Einladung. Und wer an der Challenge teilnehmen möchte: Bis zum 6. August kann man dort seine Lösung einreichen. Da freuen wir uns drüber.

Agnieszka Walorska

Das verlinken wir dann natürlich in der Podcast-Notes-Seite. Alles klar, vielen Dank!

Veronica Lange

Danke!