#2 | Die Zukunft von Payments mit Pavlina Popova, Project Lead Digital Payment

In der zweiten Folge unseres Podcasts sprechen wir mit Pavlina Popova, die vor kurzem von dem FinTech Barzahlen zum Sparkassenverband gewechselt hat, und dort, als Project Lead Digital Payments, die Zukunft der Payments gestaltet. Mit Polly haben wir unter anderem über folgende Themen gesprochen:

  • Ihre Gründe für den Wechsel zum Sparkassenverband
  • Die Zukunftstrends im Payment-Bereich
  • Warum in Deutschland die Zahlung auf Rechnung weiterhin so hoch im Kurs steht
  • Die Perspektive für den digitalen Euro
  • Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die digitalen Zahlungsmethoden
  • Die Dezentralisierung, das Potenzial der Daten für die Banken und den aktuellen Umgang damit

    Die Buchempfehlung von Pavlina: “Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand” von Jonas Jonasson

Die (automatische) Transkription der Folge:
00:00:00
Agnieszka Walorska: Willkommen zu unserem zweiten Folge und ich freue mich, dass wir heute die Pavlina Popova dabei haben. Hallo Polly, erzähl doch mal. Bei Dir sind ja auch paar Sachen passiert in der letzten Zeit. Ich war gerade noch vor kurzem bereit, dich als Director Banking bei Barzahlen vorzustellen. Da ist was anderes jetzt gerade dran.

00:00:21
Pavlina Popova: Ja, Agnieszka, schön, dass ich dabei bin. Vielen Dank für die Einladung. Ja, genau das. Vor zweieinhalb Wochen war ich noch bei Barzahlen in einem Fintech in Berlin, das sich mit dem Thema Bargeldversorgungen bei Einzelhändlern beschäftigt, angestellt und habe dort die Kooperation mit Banken betreut. Sowohl die Bestandskundenkooperation als auch das Business Development und bin dann vor zwei Wochen von einem Fintech in den Deutschen Sparkassenverband gewechselt. Natürlich kommt jetzt die Frage auf: Was ist das für ein unglaublich gewagter Wechsel? Vor allem von der kulturellen Gegebenheit. Was mich dazu angetrieben hat. Vielleicht ganz kurz zu meiner Position. Jetzt gerade bin ich als Teil Projektleiterin in einem Projekt Digital Payment Strategy beschäftigt. Das heißt, wir beschäftigen uns mit der 5jährigen Planung rund um das Thema digitales Bezahlen für den Sparkassensektor, also für alle 400 Sparkassen, weil der Verband ja, wie ich würde mal sagen, wie eine Unternehmensberatung fungiert für die führenden Sparkassen. Und was hat mich dazu angetrieben? Also einerseits ist natürlich Barzahlen unglaublich spannend gewesen, war aber nur ein kleiner Teilbereich von dem Payment Universum. Jetzt habe ich natürlich die Möglichkeit, unterschiedliche Paymentmethoden strategisch auszuwerten und andererseits hat man natürlich die Möglichkeit, im Rahmen der Sparkassen für 36 Millionen Kunden das Ganze auszurollen. Und das hat natürlich einen massiven Markteffekt in ganz Deutschland. Und das ist natürlich eine spannende Herausforderung. Ja und jetzt nach zweieinhalb Wochen kann ich dir noch nicht so viel sagen, eine kulturelle Änderung gibt es durchaus, aber so unerträglich ist sie nicht. Natürlich muss man das Ganze durch die Coronabrille betrachten, weil der Normalzustand ist natürlich weder bei Barzahlen damals gewesen im letzten halben Jahr noch im Sparkassenverband.

00:02:14
Saskia Schäfer: Das ist natürlich ein super spannendes Thema sich mit der Strategie zu beschäftigen. Was sind denn so die Trends, die du momentan am Markt siehst? Du sagst, die muss man auf jeden Fall berücksichtigen.

00:02:24
Pavlina Popova: Ich glaube, wir beschäftigen uns natürlich ganz klassisch mit den Bereichen, mit denen sich jede Bank und jeder PSP beschäftigt. Es ist natürlich Karten-gestütztes Zahlen, also alles rund um das Thema Mobile Payment, Apple Pay. Die Sparkassen haben ja erst im August Apple Pay mit der Girocard an den Markt gebracht. Aber auch mit Kreditkarten. Also auch alles rund um das Thema Girocard. Auch wenn die Girocard als totes Produkt in der Bankenwelt gesehen wird. Es ist nach wie vor so. Es hält die deutsche Kreditwirtschaft daran fest. Das heißt, man muss auch gucken, wie kann man diese Karte auch konkurrenzfähig machen und auch online-fähig machen. Dann ist natürlich ganz klassisch das Thema Einkaufen im Internet. Ja, ich meine, die Interneteinkäufe steigen. Das heißt, das Ganze verlagert sich nicht mehr dahin. Und ja, man muss halt gucken, wie die Kunden dort bezahlen. Zahlen Sie auf Rechnung, zahlen Sie einen Teil, raten Sie. Möchte der Kunde zahlen, möchte der Kunde vielleicht erst seine 15 Produkte nach Hause bestellen, sich dann zwei aussuchen, zurückschicken, die restlichen 13 dann erst zahlen. Was für unterschiedliche Use Cases gibt es? Und entlang dieser ganzen Bereiche schauen wir uns das eben an. Genau so ein Thema ist auch P2P, also das klassische Paypal. Ich persönlich überweise halt sehr unterschiedlich Geld an Freunde, manchmal tatsächlich immer noch per Bankverbindung und manchmal anders. Aber was ist der einfachste Weg für den Kunden? Und wie schafft man es, den Kunden oder unterschiedlichen Kunden die unterschiedlichen Möglichkeiten nahezulegen? Und das ist halt ein großer Bereich mit sehr vielen Einzelkomponenten.

00:04:03
Saskia Schäfer: Definitiv gibt es ja seitens der EZB auch einen Konsultationsverfahren zur Einführung des digitalen Euros als Konkurrenten im Endeffekt zu Bitcoin und Libra. Ist das ein Thema, womit ihr euch beschäftigt?

00:04:15
Pavlina Popova: Also alle Themen, die natürlich aus der europäischen Ebene runtergepurzelt kommen auf die Geschäftsbanken und natürlich auch auf den Sparkassensektor, werden mit betrachtet. Das Thema digitale Währung per se im Payment Bereich beschäftigen wir uns jetzt nicht damit. Ich habe aber schon mitbekommen, dass das ganze Thema angekommen ist und jetzt in der strategischen Bewertung in dem Sektor gemacht wird, weil natürlich auch der Sparkassensektor mit einem großen Marktanteil sich bei dem Thema auch positionieren muss. Die Sparkassen haben ja auch einen gewissen Öffentlichkeitsauftrag. Das heißt es wird keine Entscheidungen komplett an den Sparkassen vorbei oder auch an den Privatbanken geben. Das ist glaube ich ein Thema, mit dem sich alle beschäftigen müssen. Mein Projekt in dem Fall nicht. Aber ich verfolge das Thema unglaublich gerne auch in meiner Freizeit, weil ich ein sehr spannendes Thema finde. Könnt ihr euch das vorstellen? Also ich meine, wir kriegen es nicht mal hin, irgendwie zum Teil digitale Zahlungsmethoden anzubieten und dann gibt es einen digitalen Euro. Also ich weiß nicht. Ja, ich finde es spannend. Ich würde gerne Wetten eingehen, wann das Ganze ausgerollt wird in Europa.

00:05:29
Agnieszka Walorska: Ja, das frage ich mich auch gerade in dem deutschen Kontext. Weil du hast ja auch gesagt, dieses ganze Thema Zahlung auf Rechnung, das ein Aspekt ist, das glaube ich nirgendwo so einen großen Marktanteil noch hat wie in Deutschland. Also glaubst du, dass es etwas ist, woran die Kunden noch lange festhalten werden? Oder ist das eher ein Trend, der so langsam zurückgehen wird?

00:05:54
Saskia Schäfer: Also da setze ich nochmal meine Barzahlen-Brille auf. Barzahlen ist ja so gestartet vor 10 Jahren, dass man den Kunden ermöglichen wollte, online einen Barcode zu generieren, mit dem man dann im Einzelhandel seinen Einkauf wirklich mit Bargeld begleichen kann. Und ich höre immer wieder, habe die Jungs vom Barzahlen immer wieder pitchen hören: Ja, man sagte uns früher, vor 10 Jahren, in fünf Jahren gibt’s kein Bargeld mehr. Jetzt sind wir 10 Jahre später und Corona hat vielleicht nochmal einen großen Schwung hingelegt. Nichtsdestotrotz nutzen enorm viele Kunden nach wie vor das Bargeld nicht nur für Online Einkäufe, sondern auch tatsächlich, um z.B. ihre Stromrechnungen zu bezahlen, wo man denkt, das wäre ein ausgelaufene Modell. Das gibt’s hier nicht. Auch das gibt’s noch. Das heißt, ich denke, wenn diese Use Cases nach wie vor vorhanden sind im Markt, dass auch Rechnungen kaufen nach wie vor eine lange Zeit genutzt werden wird. Ich meine, wir reden ja jetzt ganz stark über Deutschland. Ich denke, in Europa und ich sehe in Europa gibt es sehr viele unterschiedliche Stände. Zum Beispiel, wenn ich jetzt auf Österreich gucke. Ja, also immer wieder, wenn ich in Österreich war, hat es mich gewundert, wie die überhaupt noch existieren können, weil die noch weiter hinterherhinken. Ja. Sie sind ja noch Träger. Ja, also ich hab da so Sätze gehört wie Ja, wir gucken uns erst einmal an. Eigentlich sind unsere Kunden sehr träge. Das heißt, es dauert erstmal, bis die wirklich abwandern. Dafür sind sie zu faul. Ja, also Österreich würde noch langsamer. UK muss man natürlich immer abgrenzen, jetzt wegen des Brexits. Aber das ist natürlich ein Land, das viel schneller agiert an solchen Aspekten. Ich glaube aber, dass man komplette Abschaffung von Bargeld und oder Rechnungskauf. Das wird, glaube ich sehr, sehr lang hinziehen, bis das tatsächlich passiert. Ich meine, wenn wir uns Schweden angucken, die wollten das Ganze baldmöglichst umsetzen. Nichtsdestotrotz kam dann sogar eine gesetzliche Anweisung, dass man eben Bargeld durchaus anbieten muss. Ja, von daher die Frage ist, wie die Banken, wie die Zentralbanken, die Europäische Union das steuert. Ich glaube aber, dass die Kundenakzeptanz oder -Adaption tatsächlich erst in weiter Zukunft das Ganze auch annehmen wird. Also ich würde z.B. in Berlin gerne überall mit der Karte zahlen, aber manchmal kann ich einfach nicht. Ja, ich ärgere mich am meisten, wenn ich richtig Lust auf einen Kaffee habe und ich habe keinen einzigen Euro mehr für Kaffee. Von daher ist es eine Akzeptanz Sache. Auch auf der anderen Seite.

00:08:27
Agnieszka Walorska: Da hast du so ein bisschen meine Frage schon vorweggenommen. Mir fällt das tatsächlich auch immer wieder auf, wenn ich zum Beispiel in Polen bin oder auch in der Schweiz oder auch letztens in Schweden. Da hebe ich ja niemals das Geld ab, weil warum. Aber auf der anderen Seite, wenn man so ein bisschen in dieses Thema gerade bargeldlose Ökonomie quasi eintaucht, ist es sicherlich auch mit paar ethischen Fragestellungen verbunden, wie zum Beispiel wie integriert man weiterhin die älteren Menschen in die Gesellschaft, was angesichts von Corona sowieso schon ein Problem ist. Da sie ja auch beim Thema Banking so ein bisschen naja, auf der Strecke geblieben sind, ist es ein Thema, mit dem ihr euch in dem Paymentkontext auch beschäftigt habt.

00:09:13
Saskia Schäfer: Na klar. Also man muss sich immer unterschiedliche Kundengruppen angucken. Ich würde sagen, die Sparkassen haben natürlich eine sehr breite Masse an unterschiedlichen Kundengruppen. Von den Kindern, die ihr erstes Konto aufmachen, bis hin zu den wirklichen älteren Kundschaften, die in die Filiale noch kommen und noch diese alten Überweisungsträger ausgefüllt hinbringen. Und man muss sich natürlich das ganze kundenspezifisch angucken und alle Kundengruppen mitnehmen, weil ansonsten erfüllt man auch eigentlich nicht seinen Auftrag. Ich sage jetzt als Sparkasse das sieht ne N26 oder andere Challengerbanken natürlich ganz anders. Die haben aber auch eine andere Kundengruppe. Was ich aber dennoch mitbekommen habe ist während Corona, dass selbst die älteren Leute durchaus sich an alle digitalen Dinge gewöhnt haben. Ja, ich hatte mal einen Kunden der ist in einem Beirat von dem Finanzdienstleister und er hatte mich angerufen. Und da sagte er Frau Popova, also wer wird nach Corona noch ins Kino gehen? Ich habe gelernt, Netflix zu gucken. Und genauso verhält es sich, glaube ich, auch nach und nach mit digitalen Zahlungsmethoden und dem Banking. Weil du das Thema, aber auch Sicherheitskomponente beim Bargeld ansprichst. Ich glaube, dass tatsächlich die nächste Sicherheitskomponente, und es wirde ja auch schon angesprochen, der digitale Euro ist. Das Problem das wir immer haben bei der Kartenzahlung ist ja z.B., dass alle Daten, alle Transactionsdaten wo ich bin, wieviel ich zahle für was, ja durch die Hände von letztendlich z.B. wenn ich ein iPhone habe und Apple Pay benutze durch Apples Hände laufen. Ja und im Endeffekt ist da, wo der Datenschutz sozusagen einen kleinen Knick macht. Also der ist natürlich gewährleistet, aber die Daten sind da. Wenn wir aber ein durch eine zentrale Institution wie einer Zentralbank oder dann eben über die Geschäftsbanken ausgehändigt digitalen Euro haben, ist das nochmal eine ganz andere Sache. Das heißt, man könnte gegebenenfalls in der Zahlung von Geschäftsbank zur Geschäftsbank wieder gehen und SEPA Transaktionen machen und muss nicht immer über Apple gehen. Dass das Ganze aber ganz andere Wellen schlagen wird bei den GAFAs dieser Welt. Das ist auch sichergestellt.

00:11:29
Saskia Schäfer: Ja, dazu eine Frage. Und zwar wenn wir jetzt gerade bei dem Sicherheitsaspekt sind und dieser Datenflut durch Apple und Co. wissen das bei Request to Pay im Endeffekt. Da werden noch mehr Daten blockiert. Ist es da nicht noch ein größeres Thema?

00:11:42
Pavlina Popova: Also bei Request to Pay ist es ja so, dass eigentlich das ist wie eine SEPA Transaktion, nur umgekehrt. Man wird ja eigentlich tatsächlich angefragt zu zahlen. Das kommt ganz von der Infrastruktur, auf der es drauf gesetzt wird. Im Prinzip kann das ja ich. Wenn ich jetzt mal von den Sparkassen ausgehe, kann es ja in der Sparkassen Infrastruktur drin sein. Das heißt, der Händler ist Sparkassenkunde bietet das ganze an, der Kunde ist Sparkassekunde und nutzt das Ganze. Und das ganze wird einfach in der Paymentapplikation gesendet. So ein bisschen wie Peer to Peer Payment, nur halt, also es kann ja auch im Peer to Peer Payment Bereich eingesetzt werden oder aber auch im Peer to Business Payment Bereich. Das heißt, eigentlich ist es nur eine Anfrage der Zahlung, welche Daten letztendlich mitgeschickt werden. Das ist ja auch so ein bisschen in der Klärung zum Teil und ich glaube, der Kunde muss das auch freigeben, also welche Daten da auch geteilt werden sollen. Und der Kunde kann das Ganze auch ablehnen. Da kann ja auch sagen, ich möchte nicht sagen, ich zahl lieber auf anderem Weg. Das sind so die Komponenten. Aber viel mehr Daten werden da jetzt nicht geteilt als bei einer einfachen Überweisung. Also meistens ist es der Verwendungszweck. Die Kontonummer muss ja mitgeschickt werden, weil das ganze geht ja vom Konto ab. Das ist ja wie ein Befehlsfunktion. Bitte entnimmt das ganze von meinem Konto und der Betrag und der Kunde kann das ja auch ablehnen. Ich habe witzigerweise vor einer Woche zum ersten Mal muss ich leider sagen Kwitt ausprobiert. Ich weiß ja, es ist kein Request to Pay per se, aber funktioniert ja auch so, dass man Geld anfragen kann. Bitte gib mir 10 Euro für, weiß ich nicht, das Abendessen. Ja, das ist ja so in der Art. Also der eine Freund schickt dem anderen wirklich eine. Das wird dann in der App sozusagen angezeigt. Ich hätte gerne von dir 10 Euro und dann will ich das oder lehnt die Zeit ab. Sag mal nee, du wolltest mich doch eigentlich einladen. Also ich glaube, dass man tatsächlich über die Mobile Payment wie Google Pay, Apple Pay demnächst kommt ja über die Solaris Bank auch Samsung Pay, vielmehr auch viel mehr Parteien. Ja, ich meine, was ja da passiert bei den mobilen Zahlungsmethoden ist, dass sich weitere Anbieter in dieser Wertschöpfungskette dazwischen klemmen. Und denen werden ja auch nochmal die Daten übergeben. Das heißt, ich gebe von A nach B, das ist wirklich so eine Kette. Dann gibt sich das dann einmal. Und je mehr Schnittstellen natürlich anfallen, desto schwieriger ist das Thema Datenschutz. Also es ist natürlich gegeben. Aber um je mehr Ecken man läuft, desto mehr verliert man Krümmel.

00:14:15
Agnieszka Walorska: Und wenn man auf die Daten jetzt mal nicht nur aus der Perspektive des Datenschutzes guckt, sondern den nicht immer sehr interessant die Perspektive der User Experience. Wenn ich viele Daten habe, kann ich sie eigentlich auch nutzen, um die Erfahrung für den Kunden besser zu machen. Das ist im Moment meines Erachtens ein absolut unterschätzten Aspekte, weil Daten werden zu allen möglichen Zwecken genutzt, aber eben nicht unbedingt zur Verbesserung der User Experience, zu besseren Personalisierung. Siehst du dafür Potentiale?

00:14:46
Pavlina Popova: Ich kann mich erinnern meine erste Woche in der Beratung, das war mein erster Job damals vor vier Jahren. Und da hieß es alle Banken hinken hinterher mit dem Thema Daten nutzbar machen, um eben das Thema. Damals ging es sehr stark um das Thema Cross Selling, aber man Kan die daten ja genauso aufbereiten, um die User Experience besser zu machen. Und es hieß so ein bisschen Attacke. Jetzt werden alle Banken besser, vor allem hier auch letztes Jahr nach der Umsetzung der PSD2 dann werden alle Banken richtig fit sein und mit Daten arbeiten können. So, jetzt sind wir 2020. Wir gucken uns mal an, was da passiert und das steht wahrscheinlich immer noch in allen Strategiepapieren ganz oben drauf. Ja, mehr Daten-getrieben arbeiten, mehr Daten-getriebene Maßnahmen initiieren. Passieren tuts wahrscheinlich nicht, weil es ist sehr schwierig, die Daten wahrscheinlich zu sammeln und aufzubereiten. Viel schwieriger als man sich das vorstellen kann. Ich meine, wenn man jetzt auf eine Deutsche Bank guckt, die sehr alt ist, die sehr, ja, wie soll ich sagen verzweigte Systeme, hat es zum Teil wirklich schwierig, bei solchen Instituten an Daten ranzukommen. Manchmal wissen die Leute gar nicht, welche Daten sie bekommen. Dann hat man an unterschiedlichen Stellen unterschiedliche Datenerhebung, je nachdem, auf welcher Basis man guckt. Und am Ende blickt keiner mehr durch. Das heißt, ich glaube, was den Banken auch tatsächlich fehlt, sind wirklich Daten Teams, Data Scientists Ja, mehr Daten zeigen tippst mehr IT-Architekten. Ja, dieses ganze aufbauen, dedizierte Center haben. Ja alle haben inzwischen irgendwelche Innovation Labs. Sehr schön. Es ist auch wichtig, aber so ein Datenzentren wäre auch nicht mal so schlecht. Aber ich finde das Thema Daten auch tatsächlich unglaublich interessant. Auch aus der Hinsicht, dass wenn ich mein, Saskia, du hast mich zum Beispiel jetzt gerade gefragt, welche Daten werden da übergeben? Ist das nicht viel mehr? Und ich muss ab irgendeinem Punkt sagen Ich weiß gar nicht, welche Daten werden eigentlich übergeben? Wir als Endkonsumenten wissen gar nicht mehr, wo unsere Daten sind, wer was hat. Ja, und ich glaube das halt auch bei dem Thema Zukunftstrend eine unglaublich große Chance für die Banken sind als Bewacher der Daten zu eigentlich. Und im Prinzip dem Kunden. Ich stelle es mir eigentlich vor, wie Daten-Wallet, die man hat. Ja, ich meine ab und zu. Ich weiß nicht, wie es euch geht. Ich stelle meine Notifications aus bei unterschiedlichen Apps, weil sie mir einfach auf den Nerv gehen, ich keine Lust habe, belästigt zu werden. Ja, aber ich kann ja mit einem Fingerklick sagen. Die App kann mir die Notifications schicken und die kann mir die schicken. Warum kann ich nicht sagen Facebook kann heute meine Daten so und so haben und morgen so und so. Das fehlt halt ein bisschen. Und das könnte man gleich mit so einem Daten Scientist, sodass Center auch gut verbinden.

00:17:37
Agnieszka Walorska: So eine Art Dezentralisierung ,würde Dezentralisierung erfordern, dass die Daten eben nicht bei den sind, sondern die müssten dann irgendwo bei dir liegen und du stellt sie nur zur Verfügung. Ich glaube da stellen sich viele das so vor. Irgendwie ist es aber trotzdem noch nach X-Jahren Blockchain auch immer noch nicht wirklich stattgefunden.

00:17:55
Pavlina Popova: Nee, leider nicht. Aber ich meine, das Thema ist auch. Wir haben ja sehr viele Daten und alle wollen die Daten haben. An Facebook verkauft unsere Daten, also dürfen sie offiziell nicht. Aber man kann es ja schön verschlüsseln und kategorisieren und dann doch irgendwie weiterverkaufen, weil man dann so ein bisschen sag ich mal um das Rechtliche herum Slalom fährt und man könnte doch als Konsument sich auch entscheiden: ja, ich möchte meine Daten freigeben und die dürfen weiter veräußert werden. Aber dafür werde ich auch z.B. bezahlt. Ja, wenn Firmen daran verdienen, warum soll der Konsument, von dem aus die Daten kommen, nicht mitverdienen? Das heißt, was ist, wenn ich sage Okay, ich möchte rund um mein körperliches Befinden die Daten, die eigentlich super heilig sind. Es sind ja eigentlich neben dem Finanzdaten die wichtigsten Daten, die möchte ich gerne jetzt an Facebook verkaufen. Und das ist meine aber freiwillige Entscheidung. Ja, ich muss mir über die Konsequenzen dann vielleicht aufgeklärt werden et cetera. Aber ich möchte sie verkaufen, ist mein vielleicht mein gutes Recht. Das Ganze muss aber irgendwie prozessiert werden und da spielt ja dann wiederum Finanzen oder Finanzinstitute spielen da eine große Rolle.

00:19:03
Pavlina Popova: Und was da auch eine große Rolle spielt, ist das Thema Vertrauen und die Frage wem vertrauen die Endkunden am meisten? Ich weiß, die Banken werden immer geschimpft, aber. Würde man lieber im Facebooks, GAFAs Hände legen, würde man es beim Bankkunde legen. Wird in Deutschland sagen nach wie vor die Banken, aber weiß nicht. Was ist eure Erfahrung? Was? Wem vertraut ihr mehr?

00:19:30
Saskia Schäfer: Witzigerweise wäre das auch mein nächster Punkt gewesen. Ich meine, ich mache meine Wertpapier Transaktionen darüber. Ich habe mein ganzes Geld dort liegen. Im Endeffekt sehen die mein ganzes Leben. Von daher wo würde ich es lieber haben wollen? Und ich meine, was das natürlich auch für eine Chance bietet, ist im Endeffekt, wenn ich mal irgendwas wechseln möchte, kann ich viel schneller irgendwo die Daten entziehen und jemand anderem bereitstellen. Also auch für mich macht es das viel einfacher. Die Frage ist nur, wie verdienen die Banken daran? Also was kann man da für ein Geschäftsmodell entwickeln, das die Banken auch ein Interesse daran haben, über das hinaus, das sie natürlich dann Daten haben, die sie analysieren können.

00:20:09
Pavlina Popova: Also ich meine das Thema auch heute ist wie verdienen die Banken daran. Sehen wir uns das Ankerprodukt Girokonto. In den letzten 10 Jahren gab es ja den Trend zum Null-Girokonto. Da wurde ja auch Geld hinterhergeschmissen hier Postbank 150 Euro Neueröffnungs-Rabatt. Ja und was passiert jetzt? Der Trend ist genau entgegengesetzt. Warum? A haben natürlich die Banken unglaublichen Ertragsdruck. Also ich meine womit verdienen die Geld – mit unterschiedlichen Produkten. Natürlich gibt es höherwertige Produkte wie Baufinanzierung oder Investitionskredite. Aber wie verdienen Sie mit einem einfachen Kunden Geld? Und ein Girokonto ist ja etwas, was wir jeden Tag nutzen. Wir zahlen ja jeden Tag von diesem Konto. Ja, das ist eine grundlegende Leistung. Und nach wie vor nehmen die Leute ja an, dass das Ganze eine Selbstverständlichkeit ist. Und die Frage ist warum. Ja, wenn ich bereit bin, alle drei Monate zum Friseur zu gehen. Das ist für mich keine Selbstverständlichkeit, meine Haare zu schneiden. Warum ist es eine Selbstverständlichkeit, dass eigentlich der Bewacher meines Geldes, der sicherstellt, dass ich nicht beklaut werde, der sicherstellt, dass mein Gehalt jeden Monat richtig ankommt, der sicherstellt, dass alles geschützt wird, alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt, nicht mal zwei Euro im Monat für diese Leistung bekommt? Also dafür vielleicht noch ganz kurz an, um den Bogen zu spannen zu deiner Frage. Das ist, glaube ich genau so, dass man für das Bewachen von Daten ja Geld zahlen oder Geld fordern kann. Ja, es ist ja genauso, wie wenn ich mir einen Safe kaufe. Ich kriege ja keinen Safe geschenkt. Ich muss mir den Safe ja auch kaufen. Oder wenn ich, wenn ich weiß ich nicht. Wenn berühmte Personen sich einen Bodyguard holen wurden die zahlen ja auch für den Bodyguard zahlen.. Das heißt, wenn ich möchte, dass jemand auf meine Daten aufpasst, dann sollte ja eine gewisse Zahlungsbereitschaft vorhanden sein. Und ich finde da ist wirklich. In den letzten Jahren haben sich die Banken das durch ihre €0 konnten grundsätzlich diese idee von Dienstleistungen, die eigentlich so einen Sicherheits Komponente haben und so ein Vertrauen beim Kunden schaffen oder bei jedem einzelnen Bürger sich selber so ein bisschen kannibalisiert. Diese Idee. Und ich hoffe, dass da auch ein bisschen diese Wertschätzung des Banking wieder den Kundenkopf kommt. Ob es jetzt ein N26, eine Sparkasse oder eine Deutsche Bank ist, das ist eigentlich total egal. Es geht wirklich nur um dieses Misstrauen gegenüber Banken. Ja, gebeutelt durch ein paar Krisen. Nichtsdestotrotz ja, selbst Migranten sind ja verpflichtet zum Basiskonto. Das heißt, in Deutschland muss man auch um sein Gehalt, seinen Gang zu bekommen et cetera et cetera ein Girokonto haben. Und deswegen denke ich, dass man da schon Geld verdienen kann. Man muss glaube ich nur die Wahrnehmung des Endkunden bisschen ändern. Was das Thema vertrauensvolle ja wie soll ich sagen Aufgaben angeht.

00:23:12
Agnieszka Walorska: Vielleicht kann ich ja mal so ein bisschen den Advocatus Diaboli spielen und dann sagen Weil wir haben jetzt schon darüber gesprochen, wer ist eigentlich der Vertrauensträger? Sind das eher so die GAFAs oder sind das die Banken? Vielleicht also auch bei den ganzen digitalen Medien hast du ja das gleiche Problem. Bei allen, was online ist, ist der Nutzer nicht bereit dafür zu zahlen. Und ist sich dabei nicht unbedingt bewusst, dass er oder sie entsprechend mit ihren Daten bezahlt. Also müssten die Banken nicht einfach genau so machen und sagen Kostet nix, aber dafür machen wir ordentlich was mit euren Daten. Oder würde das deiner Meinung nach noch weiter das Vertrauen in die Banken untergraben?

00:23:50
Pavlina Popova: Ich glaube erstmal, dass das schwer möglich ist aufgrund der rechtlichen Anforderungen. Ich die ganzen GAFAs versuchen ja über Irland, die EU-Richtlinien zum Teil zu umgehen. Das ganze wird immer wieder durch unterschiedliche europäische Länder angegriffen. Und Banken sind ja unglaublich, was für Auflagen, Kapitalquoten sie einhalten müssen. Allein. Also ich weiß noch in meinem Praktikum mein erstes Thema war Baufinanzierung und da gab es die sogenannte Wohnkreditrichtlinie, dass ich das noch weiß. Auf jeden Fall bei der Wohnkreditrichtlinie ging es darum, wie man einen Kunden im Bereich der Baufinanzierung berät. Und selbst das ist vom Staat vorgegeben. Man darf z.B. keine Werbung schalten. Man darf nicht sagen bei uns bekommst du 0,1 prozent Zins. Man darf nur mit Beispielen vorangehen. Das heißt, wenn du das und das hast und das und das erfüllst, könnten wir dir etwas anbieten. Selbst das ist reguliert und es ist ein ganz kleiner Bereich des Banking. Das heißt, ich glaube, erst einmal ist es gar nicht möglich, dass wie die GAFAs zu handhaben und die Daten des Kunden einfach weiterzuverkaufen. Ich glaube da, da würde allerspätestens der Regulator den Riegel vorschieben. Ich glaube aber schon, dass wenn auf einmal die Banken anfangen, Daten zu verkaufen, wenn es rechtlich möglich wäre, könnte ich mir schon vorstellen, dass die Kunden da anfangen, ein Fragezeichen halt dahinter zu stellen, weil in der Kundenwahrnehmung es ist immer noch, dass Banken so unglaublich reich sind ja unglaublich viel Geld haben und jetzt wollen sie noch mehr Geld machen, mit abrieten, vielleicht Denken geschaffen, dass das weiter das Vertrauen in die Bankenwelt verringern würde.

00:25:36
Agnieszka Walorska: Wir sind schon, gucke ich gerade auf die Zeit, relativ weit fortgeschritten. Wir planen immer so ein bisschen so eine halbe Stunde habe man könnte hier eigentlich mit dir sicherlich eine weitere Stunde oder zwei sich darüber unterhalten. Das hast du noch so eine Abschlussfrage, bevor ich zu meiner Standard-Abschlussfrage komme.

00:25:56
Saskia Schäfer: Ich hatte ja sehr viel über die Zukunft gesprochen und sehr viel über die Trends, die wir am Markt sehen. Also tatsächlich bin ich heute so ein bisschen echt zum Nachdenken gekommen und muss mich erst mal wieder sammeln. Und vielleicht müssen wir da nochmal eine Folge machen zu einem späteren Zeitpunkt. Polly Volume 2.

00:26:20
Agnieszka Walorska: Das war wirklich cool, dass wir so viel über die Zukunft und die Trends gesprochen haben. Das ist genau die Idee dahinter. Aber jetzt mal sagen wir von dem Digitalen in ganz Analoge zu wechseln. Hast du eine Buchempfehlung?

00:26:33
Saskia Schäfer: In meiner Freizeit lese ich natürlich auch sehr viele. Eher ja. Wie soll ich sagen psychologisch angehauchte Bücher. Ich finde ja immer ein bisschen schwerfällig, muss ich sagen. Und manchmal muss ich das Buch dann recht schnell zur Seite legen, weil ich dann immer drüber nachdenken muss. Das heißt aber, ich lese auch sehr gerne leichtere Lektüre, die mich in meiner Freizeit auch mal zum Lachen bringt. Dafür ist es ja auch Freizeit. Und was ich tatsächlich sogar zweimal gelesen habe und das letzte Mal in diesem Sommer im Urlaub zum zweiten Mal war “Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand”. Sowohl der Teil als auch der zweite, als er zurückgekehrt ist, um die Welt zu retten. Warum fand ich das Buch so lustig? Ich fand es unglaublich natürlich. Es hat sehr viele Weld kritische Probleme und vor allem politische Probleme irgendwie angesprochen. Nichtsdestotrotz ist dieser Protagonist der Allan. Der ist so gelassen. Ja, der ist so gelassen und opportunistisch. Ja, das ist ein Mensch, der sich einfach in Situationen reinstürzt und am Ende kommt das Beste raus. Und ich finde in einer Welt, wo wir alles unglaublich ernst nehmen. Ich weiß nicht, wie es euch geht. Morgens, wenn ich Nachrichten lese und nachmittags vor allem. Vielleicht auch dieses Jahr natürlich. Es ist schwerfällig, was in der Welt passiert. Und er hat das Ganze versucht über mit Humor aufzugreifen und mit einer Person irgendwie zu belegen, die einfach sich keine Sorgen macht. Und ich finde heutzutage, je jünger die Generationen zumindest sehe ich das bei meinem Bruder, desto mehr Sorgen machen die sich ja so ein bisschen. Diese Gelassenheit wurde in dem Buch im Raum von diesen aber unglaublich komplexen politischen Strukturen in der Welt mit großen Strippenziehern. Ja, aber das Ganze sehr humorvoll und das fand ich sehr schön, um einfach mal wieder diese Entspanntheit und auch mal diesen Optimismus mitreinzubringen. Deswegen, das würde ich jedem empfehlen, der mal gut lachen möchte und sich ein bisschen vielleicht gerade im Rahmen der derzeitigen Situation in der Welt ja auch mal ein bisschen Optimismus anzulesen.

00:28:48
Agnieszka Walorska: Ich denke, Gelassenheit und Optimismus hat noch keinem geschadet.

00:28:55
Agnieszka Walorska: Und die allerletzte Frage. Eine Frau aus der weit verstandenen Finanzwelt, mit der wir unbedingt in unseren Podcast noch sprechen müssen, wäre?

00:29:05
Pavlina Popova: Wäre die Wiebke Drescher, von der ING, mit ihr hab ich bei Barzahlen zusammengearbeitet und war da im engen Austausch. Die Wiebke ist für die Kooperation mit Fintechs verantwortlich, hat also auch sehr viel Erfahrung, wie es ist, so diese Connections zwischen Außenwelt und großer Bank herzustellen und schwingt da immer auf beiden Seiten mit. Von daher nehme ich mal an, dass sie sehr viel zu dem Thema beitragen kann.

00:29:33
Agnieszka Walorska: Cool. Vielen Dank. Dann werden wir bei ihr anklopfen und

00:29:36
Saskia Schäfer: genau anschauen, was sie sagt.

00:29:41
Agnieszka Walorska: Das war eine große Freude. Es hat uns sehr gefreut.

00:29:44
Pavlina Popova: Vielen Dank euch zwei hat sehr Spaß gemacht.

00:29:48
Saskia Schäfer: Ja, auch von mir. Ganz lieben Dank. Und dann zum Volume 2.

00:29:52
Pavlina Popova: Bis Volume 2