#17 | Wie Sparer*innen zu Investor*innen werden mit Ilse Munnikhof, Expertise Lead Investment Advice bei ING Deutschland

Agnieszka spricht in dieser Folge von Female Future Finance mit Ilse Munnikhof, Head of Investment Advice bei der ING Deutschland.

Diesmal geht es darum, wie Sparerinnen und Sparer zu Investorinnen und Investoren werden können und welche Schritte hier notwendig sind, um Angst und Skepsis ausschließen zu können. Weitere Themen sind unter anderem, wie man als etablierte Bank mit einem Startup zusammenarbeitet und welche Herausforderungen es dabei – vor allem aus Sicht des Startups – gibt, was Chancengleichheit und Diversität im Bereich Banking und Wertanlage eigentlich bedeutet, wie sich die Bedürfnisse dabei von Männern und Frauen sowie zwischen den Generationen unterscheiden, welche Rolle Financial Health und auch Nachhaltigkeit bei Investmentprodukten spielt und wie Sparen und Investieren wohl in der Zukunft aussehen wird.

Die Themen im Überblick:

  • Wie kann man Sparkunden beim ersten Schritt in Richtung Wertpapiere unterstützen?
  • Welche Elemente sind bei angebotenen Lösungen besonders wichtig?
  • Warum bevorzugen deutsche Kunden statt Investieren noch das Sparen?
  • Wie kann man neue Produkte auf Kundenbedürfnisse abstimmen?
  • Wie sieht die Zusammenarbeit der ING Deutschland mit Scalable Capital aus?
  • Was bedeutet Chancengleichheit und Diversität beim Banking und Geldanlagen?
  • Wie unterscheiden sich die Bedürfnisse von Männern und Frauen beim Sparen und beim Anlegen? Und wie sieht es im Vergleich der Generationen aus?
  • Welche Rolle spielt das Thema Financial Health bei Investmentprodukten?
  • Wie sieht Sparen und Investieren wohl in der Zukunft aus? Welche technologische Trends kann man dabei erwarten?

Die Buchempfehlung von Ilse:
Erin Meyer, Reed Hastings: No Rules Rules: Netflix and the Culture of Reinvention

Ilse Munnikhof auf LinkedIn | Instagram

Ilse Munnikhof

Das Transkript zur Folge

Agnieszka Walorska: [00:00:01] Willkommen zu einer weiteren Folge des Female Future Finance Podcast von Capco und Creative Construction mit Agnieszka Walorska. Ich spreche heute mit Ilse Munnikhof, Expertise Lead Investment Advice bei der ING Deutschland. Schön, dass du da bist, Ilse. Magst du uns kurz sagen, was sich hinter diesem Titel versteckt und auch sonst ein paar Worte zu dir sagen?

Ilse Munnikhof: [00:00:24] Danke für die Einladung. Ja, mein Name ist Ilse Munnikhof, ich bin dreiunddreißig Jahre alt, bin Niederländerin, wie man jetzt schon festgestellt hat oder gleich noch feststellen wird. Und was verbirgt sich hinter meiner Stelle? Ich bin zuständig für zwei Sachen eigentlich: Für die Kooperation mit Scalabe Capital, da erzähle ich bestimmt gleich nochmal etwas zu, was das genau heißt. Und für eine neue Lösung, die wir gerade entwickeln und das ist eine Lösung, die sich auf Sparkunden richtet, wo wir eine Anlageberatung für unseren Kunden entwickelt haben.

Agnieszka Walorska: [00:00:52] Sehr spannend. Genau darüber werden wir auch heute sprechen, also unter anderem darüber, wie Sparer und Sparerinnen zu Investoren und Investorinnen werden. Und das natürlich im digitalen Kontext. Dabei kommen wir natürlich auch auf Neo Broker und Robo Advisor zu sprechen und darüber, welche Rolle in diesem Umfeld auch weiterhin die Banken spielen. Und auch zu Ilse Herzensthema, also Chancengleichheit und Diversität im Banking und bei der Geldanlage. Und bevor wir in das Gespräch einsteigen, hier nochmal der kurzer Hinweis an die Zuhörerinnen und Zuhörer: Ihr könnt uns natürlich über alle Plattformen – Spotify, Soundcloud, Apple Podcast, Google Podcast und so weiter – hören und ihr könnt uns auch folgen bzw. abonnieren. Dann bekommt ihr alle zwei Wochen jede neue Folge ganz automatisch in eure Podcast-App. Und jetzt eben zum Thema: Du sagst auf Linkedin du bist für die Implementierung eine Lösung, um Sparer dabei zu verhelfen, zu Investoren zu werden, verantwortlich. Was heißt es da und was sind so die Herausforderungen?

Ilse Munnikhof: [00:01:56] Ich glaube, wir kennen alle einen Sparer oder eine Sparerin, die uns vielleicht sehr vielleicht kennst du es auch Agnieszka, dass das zwar angesprochen wird: Hey, du kennst dich doch aus. Und ja, ich hab da ein bisschen Spargeld. Ich weiß auch, dass es keine gute Idee, dass es auf dem Sparkonto liegen zu lassen. Irgendwas mit Wertpapiere soll ich machen, ETFs oder so, kommt da manchmal auch noch. Aber da hört es dann auf. Und solche Anrufen bekomme ich ganz oft, die bekommen meine Kollegen im Team ganz oft. Und genau für diesen Kollegen oder diese Freunde und Familie ist eigentlich diese Lösung gemeint. Also absolute Sparkunden, die den ersten Schritt Richtung Wertpapiere machen wollen. Und ich hab mich da wirklich gefragt: Was sind denn wichtige Elemente, die in der Lösung enthalten sollte, damit ich es auch wirklich Freunden mit einem guten Gewissen erklären kann und auch empfehlen kann? Und das ist mittlerweile sogar die Nachhaltigkeit. Das sind niedrige Kosten. Das ist, dass man regelmäßig auch sparen kann in diesem Produkt, dass man auch schon einen kleinen Betrag investieren kann, dass es schon passend zu mein Risiko-Präferenzen ist, sodass ich nicht zu viel oder nicht zu wenig Risiko nehme. Und das es ein breit gestreutes Produkte ist. Also das sind so Sachen und da hätte ich, bevor wir eine Lösung gebaut hätten, auch schon darauf geachtet, wenn ich meinen Freunden was empfehle, das diese Elemente drin enthalten sind. Und das ist, glaube ich, wichtig, wenn wir Sparkunden den ersten Schritt Richtung Wertpapiere machen lassen wollen.

Agnieszka Walorska: [00:03:13] Jetzt ist Deutschland so ziemlich das Land der Sparer. Warum sparen wir denn eigentlich so viel? Und was geht bei den Kundinnen und Kunden vor, die sich bisher immer fürs Sparen und nicht gerade fürs Investieren entschieden haben?

Ilse Munnikhof: [00:03:26] Ja, die Kunden haben doch schon sehr viel Angst. Und haben auch nicht so viel Vertrauen in Banken bisher oder in den Berater bisher. Haben vielleicht vor zehn Jahren ein Produkt empfohlen bekommen, womit sie unglücklich sind, womit sie zu viel Risiko genommen haben, nicht genau verstanden haben, was sie gekauft haben, zu hohe Kosten. Also da gibt’s schon verschiedene Gründe, warum Kunden entweder kein Vertrauen mehr haben, es schon mal probiert haben oder einfach generell Angst haben vor den Produkten. Also generell merkt man schon, wir haben viel Kundenresearch gemacht mit der Gruppe der Sparer, dass Sie sich schon noch sehr viel Schlimmeres unter Wertpapiere vorstellen, als es am Ende ist. Wenn man in ein breit gestreutes Produkt investiert und regelmäßig monatlich einen kleinen Betrag rein investiert, dann ist es gar nicht so risikoreich, wie die Kunden denken. Und genau da setzen wir auch an, also diese Angst auch anzusprechen und das Ganze gut zu erklären.

Agnieszka Walorska: [00:04:17] Kannst du da ein bisschen mehr noch zu dieser Vorgehensweise erzählen? Wie seid ihr vorgegangen bei dieser Entwicklung der neuen Lösung? Das ist ja quasi der eine Teil der Frage und daran schließt sich ja gleich die zweite: ihr arbeitet ja schon mit Scalable Capital und das scheint noch nicht die Lösung zu sein, die allen Kundinnen- und Kundenbedürfnissen entspricht.

Ilse Munnikhof: [00:04:39] Die zwei Fragen passen auch sehr gut zusammen. Beides hat damit zu tun, dass wir wirklich unsere Kunden gefragt haben, was sie brauchen. Und wir haben tatsächlich gesehen über die Jahre hinweg, dass wir jetzt die Kooperation mit Scalable Capital gemeinsam haben, das tatsächlich Kunden, die die Lösung mit Scalable verwenden dann über uns, also die Online Vermögensverwaltung, weil wir die Depot führende Bank sind und Scalable der Vermögensverwalter, da haben wir gesehen, dass das typischerweise Kunden sind, die doch schon Kenntnisse und Erfahrung haben, wenn es Wertpapieren angeht und die finden dieses Thema, dass es ein Fintech ist, die einen eigenen Algorithmus haben, die mit einem Value at Risk Modell arbeiten und sehr viel von ETFs sprechen, das finden die Kunden spannend und sie probieren das quasi nochmal neben einem anderen Direktdepot, was Sie bei uns haben, wo sie selber auch ein paar Aktien haben. Da probieren sie diese Lösung aus und die Kunden finden es auch super spannend und sie schließen das auch ab. Aber wir haben gemerkt, dass diesen absoluten Sparkunden, die noch nie was mit Wertpapiere gemacht haben, dass das vielleicht doch schon ein Schritt zuviel ist und diesen einfachen Ansatz und wirklich die Kunden abzuholen und auch mit einem Anlageberater dazu, also Anlagecoach – wir haben da ein Hybrid Modell, wo man entweder digital alles selber abschließen kann, aber auch gegebenenfalls einen Coach dazu schalten kann. Dieses Modell, davon erhoffen uns, dass das Sparkunden noch mehr ansprechen wird.

Agnieszka Walorska: [00:05:54] Das ist ja spannend so von der User Experience Perspektive. Diese Kombination von einerseits… Kann man sich das so wie ein Robo Advisor vorstellen mit einem Menschen, der dazu geschalten werden kann oder?

[00:06:06] Eigentlich schon: Robo Advisor sind ja oft Anbieter wie Scalable Capital, bieten oft eine Vermögensverwaltung an. Bei uns ist eine Anlageberatung, aber am Ende sind es 10 Fragen, also 10 Fragen zu finanzielle Verhältnisse zu Risikobereitschaft und dann wieviel möchte man anlegen, solchen Fragen, und am Ende kommt dann eine Anlageempfehlung raus und das sind 10 sehr einfache Fragen, die Anlageempfehlung ist auch sehr einfach und wenn das rein digital abgeschlossen wird, dann könnte man das natürlich schon wirklich einen Robo Advisor nennen, das stimmt. Und ist das Tolle ist dann, dass ausgewählten Kunden auch einen Coach dazu schalten können und sie würden gemeinsam genau die gleiche digitale Strecke auch gemeinsam sich ansehen.

Agnieszka Walorska: [00:06:51] Und wo kommt die Entscheidung her, dann noch mal einen physischen bzw. einen menschlichen Coach dazu zu schalten, wo jetzt sonst überall die Tendenz eher dazu geht, dass alles so gut wie möglich automatisieren, damit da keine Arbeitszeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rein fließt?

Ilse Munnikhof: [00:07:07] Ja, auch wieder die Kundenbedürfnisse. Also wir haben tatsächlich aus anderen ING-Ländern gesehen, dass die Tatsache, dass man jemanden dazu holen kann, hilft schon sehr viele Kunden sich wohler zu fühlen. Aber auch tatsächlich, wenn man für bestimmte Kunden einen Coach dazu holt, dann hilft es einfach ungemein, dass sie die Strecke einfach besser verstehen, dass sie sich wirklich wohlfühlen. Also am Ende führen Sie nichts anderes aus als die gleichen 10 Fragen, die Sie auch alleine hätten ausfüllen können. Aber es gibt einfach diesen Sparkunden, die genau dieses Bedürfnis haben, nochmal mit jemand drüber sprechen zu können. Das kann auch jemand aus der Familie sein. Das kann auch ein Freund sein, der sich gut auskennt. Aber wir wollten auf jeden Fall von unserer Seite jemand an die Hand geben, der den Kunden halt mit begleitet über dieses Schwelle. Da haben wir viel getestet, ob das Kunden auch wirklich gefällt. Und es kann ja sein, dass es in anderen ING-Ländern gut funktioniert. Wir wollten ja wissen, ob es bei uns auch gut funktioniert. Und da haben Kunden gesagt, das es ihnen wirklich gut gefallen würde, wenn wir auch noch so einen Service dazu anbieten.

Agnieszka Walorska: [00:08:06] Du hast jetzt gerade den Vergleich mit den anderen ING-Ländern gezogen. Das heißt, eine ähnliche Lösung existiert schon woanders?

Ilse Munnikhof: [00:08:14] Tatsächlich, wir haben vor zwei Jahren eigentlich in der ING Deutschland unsere Strategie neu aufgestellt und wirklich geschaut: Wie können wir jetzt unsere Sparkunden nochmal besser bedienen? Was sind die Bedürfnisse, die die haben, die vielleicht mit dem Direkt Depot oder mit unserer Vermögensverwaltung Scalable noch nicht genug abgedeckt werden. Wir haben ja gesehen, dass viele Kunden trotzdem beim Spargelder bleiben und dann haben wir Research betrieben und da kam der Wunsch raus, dass sie gerne eine Anlageberatung und eine konkrete Empfehlung von uns, also ING, unter unsere Marke hätten. Und da haben wir dann geschaut: Müssen wir das Rad neu erfinden oder gibt’s vielleicht in der ING schon was, was wir wiederverwenden können und haben uns aus Kundensicht sehr inspirieren lassen von der Lösung die es in der ING Spanien gibt. Technisch gesehen konnten wir davon nicht so viel wiederverwenden, also waren es schon nochmal komplett von Grund auf neu aufbauen müssen. Die tolle Nachricht ist, dass wir es jetzt so aufgebaut haben, dass die gleiche Plattform auch in anderen ING-Ländern ausgerollt werden kann, also dieses Mal ist sie so programmiert, dass sie tatsächlich auch relativ einfach im nächsten ING Land ausgerollt werden kann. Also Spanien war sozusagen unsere Inspiration. Jetzt ist Deutschland das erste Land und danach kann die Lösung auch noch weiter ausgerollt werden.

Agnieszka Walorska: [00:09:24] Ok, cool. Und sag mal eben nochmal zum Thema Scalable. Ihr arbeitet schon seit einer Weile zusammen. Wie kann man sich das vorstellen? Auch so eine Zusammenarbeit von einer zwar modernen, aber naja, doch mittlerweile etablierten Bank ING und einem Startup wie Scalable. Wie funktioniert das zusammen, was man so die Herausforderungen, die es dort gibt?

Ilse Munnikhof: [00:09:45] Ja, ich glaube, die Frage wäre noch viel spannender gewesen, weil man sie Scalable gestellt hätte, weil ich glaube, ich würde es auch fast ein bisschen aus deren Sicht beantworten. Ich denke, man braucht sehr viel Geduld und sehr viel Flexibilität, wenn man mit so einem großen Unternehmen als Fintech oder als Startup zusammenarbeiten will. Wir arbeiten agil und wir haben Sprints und bei unserer App zum Beispiel können wir in zwei-Wochen-Sprints auch Sachen entwickeln und auch auf diesen neuen Plattformen, die ich jetzt für die Beratungen entwickelt habe, da können wir auch in zwei Wochen Sprints entwickeln. Aber wenn man so tief in die Kern-Banksystem reingeht, dann arbeiten wir doch noch mit Releases und da muss man vor ganz, ganz großen Sachen wie – Wir wollen neue Konten einführen, neues Scalable Depot z.b. – da muss man dann doch auf einen großen Release warten. Und ja, ich glaube da muss man als Fintech schon sehr flexibel sein und sehr viel Geduld haben, um das auch zum Erfolg zu bringen. Und das hat ja Scalable gemacht. Und die Chancen sind ja genau das, was eigentlich passiert ist, dass man halt – die ING hat unheimlich viele Kunden, die das ein super spannendes Angebot finden, auch Robo Advice ausprobieren zu können, mit so einem Algorithmus wie Vermögensverwaltung da einsteigen zu können und dann die Atmosphäre von der ING nicht verlassen zu müssen. Also man muss ja kein neues Konto, kein neues KYC machen. Man kann einfach das innerhalb der ING mal ausprobieren. Und das ist ein Angebot, was viele unserer Kunden halt spannend finden.

Agnieszka Walorska: [00:11:10] Und warum gerade Scalable? Es gäbe ja theoretisch auch andere Möglichkeiten, z.B. direkt mit so einem Neo Broker oder auch mit anderen Anbietern. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Ilse Munnikhof: [00:11:20] Ja Scalable ist ja auch in Neo Broker, aber wenn man 5 Jahren zurückgeht in der Zeit um zu schauen, was war damals unser Ziel war, da war ich ja auch beteiligt an der mein Partner Auswahl, mit wem wir das zusammen machen wollen. Damals haben wir gesagt: Hey, diese Robo-Advice-Entwicklungen finden wir super spannend und so ein Angebot wollen wir auch gerne anbieten innerhalb der ING. Also nicht nur in Deutschland, sondern mehrere Länder. Und da haben wir geschaut, welche Fintechs gibt es in Deutschland, weil wir wussten, dass es schon in Deutschland als erstes Land auch live gehen wird. Aber welche Fintechs haben auch das Potenzial, das in mehrere Länder auszurollen und welche können das schon beweisen, dass sie das können. Scalable war damals schon live in England und in Deutschland. Und da haben noch viele andere Faktoren mitgespielt. Haben mich schon BaFin Lizenz. Was für ein Gründerteam ist das? Am Ende hängt immer das, kennst du, glaube ich, auch aus deiner Erfahrung, es hängt sehr viel von den Gründern ab bei solchen Startups. Als wir mit Scalable angefangen haben, da waren die extremst klein, hatten ein paar Millionen Asset […] Management, hatten gerade so ein bisschen mit Werbung angefangen. Und da fingen die Gespräche mit uns schon an, da mussten wir eher beurteilen, glauben wir an das Gründerteam. Sie haben ja schon gezeigt, dass in zwei Länder live sind. Sie haben eine Lizenz. Das waren eher die Faktoren, weswegen wir damals Scalable ausgewählt haben. Und die haben das auch echt super gut gemacht. Die haben wir schon mit sehr vielen Fintechs auch verglichen damals.

Agnieszka Walorska: [00:12:39] Jetzt bei Scalable und wenn man sich das anschaut, du hast dir auch gesagt, das spricht Kundinnen oder vielleicht vor allem Kunden an, die schon Erfahrung in diesem Bereich haben, die jetzt von Robo Advisor / mittlerweile auch Neo Broker ein interessantes Angebot ist, die vielleicht bisschen technisch versiert sind und mit Aktien oder ETFs was am Hut haben. Meine erste Wahrnehmung, als dann Scalable aufkam war ja auch: Ist ja wieder so ein reines Männer Produkt. Wie siehst du das in diesem Kontext Diversität und auch Frauen zum Anlegen zu bringen?

Ilse Munnikhof: [00:13:15] Ja, super spannendes Thema. Also du hast völlig recht, vor fünf Jahren war das absolut sehr Männer orientiert, das Angebot von Scalable. Da war ja auch so am Anfang, dass das 90 Prozent der Kunden waren Männer. Bei uns als Bank sind eher 70 Prozent der Kunden Männer, also der Direkt Depot Kunden. Das hat sich in den letzten Jahren aber immer mehr und mehr entwickelt. Also man sieht bei den Neukunden sind schon viel mehr Frauen da und es richten sich ja – mittlerweile gibt’s ja sogar Fintechs, die sich vor allem in diesem Jahr – Fintechs, die sich extra gründen, um sich dann nur auf die Zielgruppe Frauen zu richten. Also finde ich eine super spannende Entwicklung. Ich beschäftigt mich aber auch schon seit Jahren eigentlich damit weil, als ich das entdeckt hab, dass nur 30 Prozent unserer Kunden Frauen sind im Direkt Depot, dann ab da wollte ich das ändern und ich habe tatsächlich auch mit Scalable Capital zusammengearbeitet und wir haben dann auch Veranstaltungen, die machen ja […] Veranstaltungen, Roadshow, wo sie durchs ganze Land ziehen und auch Werbung machen und erzählen, wie das Modell funktioniert, wie man Kunden werden kann, wie das dann aussieht, damit Kunden einfach denen die Fragen stellen können, die sie haben. Und da haben wir dann extra auch Frauen-Veranstaltung organisiert, wo wir einfach Frauen gezielt angesprochen haben und gesagt haben: Das ist jetzt mal unsere Roadshows für Frauen und das kann man gut oder schlecht finden oder kriegt man auch immer ganz viel Kritik. Warum nur eine Veranstaltung für Frauen? Ich sag immer ja, weil die anderen Veranstaltungen für Männer sind, da gehen ja 90 Prozent Männer hin. Männer sind ja auch nicht verboten bei unseren Veranstaltungen für Frauen. Es ist nun mal so, dass das, wenn irgendwo draufsteht “Investieren für Frauen”, dann kommen einige Frauen. Aber wenn er einfach nur “Investieren” stehen würde, dann fühlen sie sich halt nicht angesprochen. Und das war eine der Sachen, die wir damals gemacht haben, um das umzudrehen. Und es hat auch gut funktioniert. Also mittlerweile ist das Verhältnis Männer Frauen bei Scalable auf jeden Fall verbessert. Also Sie sind noch nicht da, wo Sie sein möchten, aber auf jeden Fall hat sich das durch diese Maßnahmen auf jeden Fall auch verändert.

Agnieszka Walorska: [00:15:08] Und jetzt wenn wir auf euer Angebot auch zu sprechen kommen, ist das auch die Zielgruppe, die ihr damit adressieren wollt?

Ilse Munnikhof: [00:15:16] Ja, absolut. Also 60 Prozent der reinen Sparkunden, also auch sogar vermögende Sparkunden, sind Frauen. Ich hab allen meinen Mitarbeiter im Team gesagt, wenn unser Ziel mit der Komfort Anlage, mit der neue Beratung, wenn wir unser Ziel Sparkunden zu überzeugen, den ersten Schritt Richtung Wertpapieren zu machen, ist, dann müssen wir bedenken, dass wir mit Frauen reden, und hauptsächlich mit Frauen reden und deswegen: Wir arbeiten mit Personas und unserer Persona ist Sophia, war mir auch sehr wichtig, dass das eine Frau ist und dass wir auch immer wieder daran denken, dass ihr die Website, das sie die Webseite verstehen muss und dass sie die ganze Strecke verstehen müssen, ihr muss es gefallen und das ist wirklich auch sehr eingeprägt bei jedem. Also die Frage wird ganz oft gestellt. Würde Sophia das verstehen?

Agnieszka Walorska: [00:16:02] Und was ist anders bei einer Sophia als bei einem Thomas?

Ilse Munnikhof: [00:16:05] Ja, da hab ich eine persönlich ganz viele Ideen drüber. Aber es ist nun mal so, dass Frauen sich weniger interessieren als Männer und eher Sparkunden sind, also einfach weniger Kenntnisse und Erfahrungen haben über Wertpapieren. Deswegen sind die Elemente einfach wichtiger. Und wenn du aber sehr spezifisch fragt, weil das kann Thomas natürlich genauso haben, dass er weniger Kenntnisse und Erfahrung hat, es gibt ein paar Sachen, die bei Frauen besonders wichtig sind und da sind z.B. den Worst-Case sich vorzustellen. Also Frauen wollen immer wissen, wenn ich jetzt da einsteige, was ist das Allerschlimmste, was mir passieren kann und das ist schon eher eine Frage, die Frauen sich stellen. Also da ist es z.B. wichtig, auch wenn es in der Wertpapier-Welt nicht so viel Sinn macht und man sehr langfristig investieren soll, ist für manche Frauen das überzeugende Argument zu sagen, dass man zum Beispiel jederzeit trotzdem an seinem Geld rankommt. Also es macht eigentlich keinen Sinn, dann nach einem Tag wieder zu verkaufen oder nach einem Jahr wieder zu verkaufen, wenn man eigentlich vorhatte, zehn Jahre lang zu investieren. Aber dieses Gefühl, wenn ich es dann doch brauche, kann ich es morgen verkaufen und habe sofort mein Geld. Ich hab schon oft gemerkt, dass das Argument dann so die Frauen überzeugt. Also die sagen dann Okay, ja, dann kann ich es ja machen. Und auch z.B. das Thema Mindestanlage: Ich hab letztens auch einen Anruf bekommen von einer Freundin. Die hat jetzt entdeckt, dass wir ETF Sparpläne ab einen Euro anbieten. Ich denke immer, wer macht das? Nein, ein Euro pro Monat in Wertpapiere investieren. Aber sie hat gesagt ja, jetzt hat man keine Ausrede mehr, mit Wertpapieren loszulegen. Weil ein Euro hat er irgendwie gefühlt jeder, um einmal im Monat Euro anzulegen. Deswegen: ja, ich kann auch nicht mehr sage, ja, da muss ich ja 10.000 Euro haben, bevor ich da probieren kann, sondern die Hürde ist jetzt auch weg. Und ich glaube, das sind besonders Argumente, die für Frauen sehr wichtig sind.

Agnieszka Walorska: [00:17:50] Ja und auch ein ganz guter Weg, um Leute ganz früh daran ja auch zu gewöhnen. Weil ein Euro kann ich ja auch von meinem [..] oder meinem Taschengeld eigentlich dann ja auch zurücklegen und somit ja auch gleich lernen, wie ich das in der Zukunft mache, also ganz viele Frauen. Ich merke das ja auch in meinem Umfeld. Die fangen halt sehr spät an, sich damit ja auch zu befassen, was dann ja auch ein Teil des Problems ist.

Ilse Munnikhof: [00:18:12] Na ja, ich sage auch immer, dass der allerwichtigste Tipp bei der Geldanlage ist: Loslegen. Also probieren, weil meine Erfahrung ist, dass es am Ende gar nicht so viel Risiko beinhaltet, als man dachte. Also man stellt sich die Schwankungen viel größer vor und man denkt, man verliert von dem einen auf den anderen Tag ganz viel Geld. Aber wenn man mal einen Euro pro Monat gespart hat und ein bisschen was stehen hat und sieht, wie viel sich das dann hin und her bewegt, dann fängt man an, eigentlich Erfahrung zu sammeln und dann merkt man auch, was zu einem passt und worauf man beim nächsten Kauf dann auch achten muss.

Agnieszka Walorska: [00:18:47] Wollt ihr eigentlich bei eurer Plattform auch mal künftig das Thema Krypto mitanbieten? Ist auch wieder so ein weiteres Thema, wo, Ich weiß nicht, wie genau das Verhältnis zwischen Männer und Frauen aussieht, aber sind die Frauen ja auch auf jeden Fall sehr krass in der Minderheit, was die Krypto-Investments angeht.

Ilse Munnikhof: [00:19:02] Ja das hätte ich jetzt gar nicht gewusst, ob Frauen in der Minderheit sind. Aber das hätte ich so eingeschätzt, weil es natürlich auch ein sehr risikoreiches Geschäft ist und wir haben keine Pläne, da einzusteigen. Es ist echt auf Sparer gerichtet und weltweit gestreuten ETF-Portfolien. Also da passt das Thema Krypto nicht rein.

Agnieszka Walorska: [00:19:20] Okay, verstehe. Und in dem ganzen Kontext, also ich ich glaube du hast es ja auch angesprochen. Den Frauen ist es ja auch wichtig zur Sicherheit und die Möglichkeit an das Geld ran zu kommen. Jetzt habe ich in den letzten Monaten sehr stark auch bei einigen Gründungen diesen Trend zu Financial Health, also so ein Gesamtblick auf die Finanzen mit dem Ziel, eben die Menschen, die nicht gerade dazu zu animieren, irgendwelche Risiken einzugehen, sondern eher Gesamthaft die Sache anzugehen, sodass es für die Personen eben möglichst eine positive Auswirkung hat. Wie fügt sich eure Plattform und grundsätzlich eure Strategie in diesen Trend ein?

Ilse Munnikhof: [00:20:00] Ja, es passt sehr gut dazu bei. Ich glaub Financial Health hat ja sogar einen Effekt auf, wie man sich körperlich sogar gesund fühlt. Na ich kann glaubt man können das alle auch unterschreiben, dass wenn man irgendwie so ein Geldthema nicht gut gelöst hat, also zum Beispiel: Ich hab da ganz viel Spargeld, aber ich, ich hab das nicht angelegt. Ich weiß, ich muss da eigentlich was machen, dass man sich auch unwohl fühlt. Und in der Corona Krise hat man ja nochmal gesehen, dass Frauen wieder in den traditionellen Rollen auch zurückgegangen sind. Deswegen sind glaub ich die Verhältnisse jetzt in den letzten Monaten auch nochmal schiefer geworden und ich glaube, das könnte auch sehr viel Frauen belasten, wo sie wissen: Hey, ich müsste da eigentlich umso mehr nochmal für meine Rente zur Seite legen und vielleicht auch investieren. Aber einfach sich unwohl damit fühlen, dass es ein ungelöstes Problem ist und das wollen wir ja mithelfen zu lösen.

Agnieszka Walorska: [00:20:48] Und jetzt passiert in den letzten Jahren sehr viel in dem ganzen Bereich. Das Thema Robo Advisor, Neo Broker die sind ja in den letzten Jahren ziemlich aufgepopt. Haben ja auch die Banken entsprechend nachgerüstet. Wenn du jetzt so die aktuellen Entwicklung die anschaust und daraus eine Prognose für die Zukunft ableiten würdest: Was glaubst du, wohin geht es mit dem Sparen und dem Investieren?

Ilse Munnikhof: [00:21:12] Eher glauben tue ich vielleicht nicht so viel, aber man darf ja so ein bisschen träumen. Was ist, was ich wirklich hoffe. Ich hab letztens einen Beitrag im Fernsehen gesehen zum Thema Rente und was ich wirklich hoffe, dass wir mit 10 Jahren weiter sind, dass das Investieren wirklich normaler geworden ist. Ich habe da so viele Leute in dem Beitrag gesehen, die gesagt haben Nein, Wertpapier ist nix für mich und es muss alles garantiert sein und sonst mache ich das nicht. Und die Lebensversicherungen, die haben dann ganz hohe Kosten bezahlt, wo sie am Ende noch nicht mal ihre Beiträge zurückbekommen haben. Und ich hoffe so sehr, dass das in paar Jahren einfach investieren für mehr Menschen normaler geworden ist. Die Hürden sind ja alle – Jetzt haben sie immer mehr genommen. Man kann ein direkte Depot umsonst abschließen. Man kann ab einen Euro investieren. Die Hürden sind wirklich sehr selten niedrig geworden und man hat ja so Lösungen jetzt, wo man auch an die Hand genommen wird, weil man vielleicht sich noch nicht so gut auskennt. Ich hoffe aber wirklich, dass mehr Menschen investieren. Und du hat es ja vorhin auch gefragt: Warum sparen die Deutschen so viel? Wenn man jetzt im Ausland mal schaut dann ist meine Theorie so ein bisschen, dass in Länder, wo es auch staatlich gefördertes Wertpapiersparen gibt, also Wertpapiere für die Rente. Das ist also ein bisschen normaler ist, in die Wertpapiere zu investieren, auch wenn es um langfristige Themen geht wie die Rente, das dann auch die Menschen privat trotzdem noch zusätzlich machen. Und deswegen hoffe ich auch das irgendwann nochmal so eine Reform kommt, wo man auch in Wertpapiere halt ohne Kapitalgarantie investieren kann. Ich glaube das würde auch nochmal einen Push bringen. Würde auch Sinn machen für die Gesellschaft.

Agnieszka Walorska: [00:22:47] Und wenn du das so aus der technologischen Perspektive betrachtest, was siehst du so für technologischer Entwicklung, die den Trend in dieser Richtung bewegen oder welche technologische Trends siehst du grundsätzlich die dieses Thema Investieren und Sparen stark beeinflussen?

Ilse Munnikhof: [00:23:03] Ja, ich weiß nicht so viel mit Technologie zu tun hat, aber in Corona hat man schon gesehen, dass sehr viel mehr Leute sich auf einmal für Investieren interessieren. Ich glaube weil viele auch gesehen haben, dass es erst einmal eingekracht ist. Es hat sich ja sehr schnell wieder erholt und ich glaube, viele wollten dann in diesem Moment auch abgreifen, dass sie auch mit in die Höhe steigen können. Und zu gleicher Zeit gibt es natürlich auch das Thema Krypto, wo auch sehr viele junge Leute sich damit beschäftigen und das war einfach so ein Moment, wo wir jetzt viel mehr Interessierte einfach haben. Ich glaube, das alles kombiniert auch damit, dass die Zinsen so niedrig sind, es gibt einfach im Moment sehr viel Interesse und wir eröffnen viel mehr Depots als vor ein, zwei Jahren. Und die Neo Broker eröffnen natürlich viele Depots. Also ich glaube wir merkens alle: Der Markt wächst einfach enorm und ich hoffe, dass wir jetzt diesen neuen Kunden alle überzeugen können, dass das Wertpapiere auch wirklich was Sinnvolles ist und dass ja auch längerfristig dann dabeibleiben und nicht nur ganz kurz traden und dann wieder raus oder vielleicht Geld verloren haben und es dann nie wieder machen, sondern dass sie diese Langfristigkeit auch verstanden haben.

Agnieszka Walorska: [00:24:10] Apropos Langfristigkeit, weil wir haben ja auch so viel eben das Thema Männer-Frauen angesprochen. Wie ist es denn in so einem Generationen Vergleich? Wir sind ja beide Millennials: Investieren wir Millennials anders und vielleicht dann noch die, die nach uns kommen, also die Gen Z, die ja mittlerweile eigentlich auch in dem Alter ist, dass sie investieren könnte, sind sie dann wieder ganz anders unterwegs?

Ilse Munnikhof: [00:24:33] Ich glaube, für beide Zielgruppen ist das Thema Nachhaltigkeit sehr wichtig. Also wenn man schaut, für welche Kunden Nachhaltigkeit wichtig ist, dann sind das zuerst die Millennials und dann die zweite Gruppe sind Frauen. Also das sind auch immer die, die danach fragen. Also wenn ich auf Veranstaltungen mal zu dem Thema Investieren gesprochen hat, da kam immer die zweite Frage aus dem aus dem Publikum, wo sie Nachhaltigkeit nachgefragt haben wie das funktioniert, ob das Teil der Lösung ist oder nicht was wir da anbieten und das ist für anderen Generationen ein immer wichtigeres Thema, aber für die zwei Gruppen ist es einfach sehr wichtig.

Agnieszka Walorska: [00:25:12] Und das heißt hab ich das richtig verstanden, dass euer Produkt dann ja auch das Thema Nachhaltigkeit auch adressiert?

Ilse Munnikhof: [00:25:17] Ja, genau. Wir investieren in sieben Dachfonds. Wir empfehlen den Kunden einen von sieben Dachfonds – ING Worldfonds heißen sie – und die investieren in ein Portfolio von 20 nachhaltigen ETFs und Indexfonds. Also die haben wir ja selbst ausgesucht und wirklich auch geschaut, ob die unsere eigenen Kriterien der Nachhaltigkeit auch erfüllen. Und jetzt gibt’s ja auch eine neue Regulatorik, SFDR, und auch nach den Kriterien sind es nachhaltige Produkte.

Agnieszka Walorska: [00:25:46] Na, dann bin ich ja sehr gespannt, wie das weitergeht mit dem Produkt und welche Auswirkungen das auch auf den Sparer bzw. Sparer zu Investoren Markt haben wird. Sprechen wir vielleicht in ein, zwei Jahren drüber und gucken, wie sich das entwickelt hat. Hast du vielleicht auch ein Buch, das du unseren Zuhörerinnen und Zuhörern empfehlen würdest?

Ilse Munnikhof: [00:26:09] Ja, auf jeden Fall fahre ich in den letzten Monaten gelesen, das heißt “No Rules Rules” von Reed Hastings und Erin Meyer – Du machst schon den Daumen hoch, also du kennst es – ist wirklich super inspirierend. Man liest es auch superschnell. Ich lese jetzt nicht 1000 Business Bücher, aber das habe ich wirklich in paar Tagen komplett gelesen, weil es auch sehr viele Beispiele und Anekdoten bringt, wodurch es sehr einfach ist, das Buch zu lesen und was mich sehr inspiriert hat: Es geht da sehr um Freiheit und Verantwortung, also den Mitarbeitern sehr viel Freiheit zu geben. Aber dafür sollten sie dann auch die Verantwortung über bestimmte Entscheidungen übernehmen. Ich versuche so sehr zu leben. Es hat vorher auch schon zu mir gepasst, aber ich wurde dann nochmal so ein bisschen gechallenged, nochmal einen Schritt weiter gehen in der Richtung und ja, was ich auch sehr cool fand in dem Buch war die Feedback Kultur, also dass man einander sehr viel Feedback gibt und die gehen ja schon extremst weit, wie viel Feedback sie sich gegenseitig auch in der großen Gruppe und so voreinander geben. Manche Schritte gehen vielleicht auch zu weit und das ist vielleicht auch nicht so ING-Kultur. Aber ich finde man kann sich so ein paar Elemente rauspicken, weil die da sehr extrem drin sind und man kann dann schauen, was passt zu uns, vielleicht schauen wir ein paar Beispiele ab und dann passt es auch zu uns und deswegen hat mich das sehr inspiriert.

Agnieszka Walorska: [00:27:25] Ja, ich habe tatsächlich das Buch auch gar nicht so langer Zeit gelesen und dieses Thema Feedback Kultur – und zwar in vielen Unternehmen ist die Feedback Kultur sehr stark von oben nach unten und sehr wenig von unten nach oben – und dort wird es sehr ausgeprägt. Ich lese jetzt gerade auch das Buch “Radical Candor”. Das geht ja auch sehr stark in diese Richtung. Kann ich dir auch empfehlen, wenn dich das Thema bei “No Rules Rules” auch interessiert hat.

Ilse Munnikhof: [00:27:47] Ja, ich habe es tatsächlich seitdem schon noch mehr angefangen wirklich in jeden One-On-One mit den Mitarbeiter zu fragen: Was ist dir aufgefallen? Was kann ich besser machen? Was kann vielleicht auch das ganze Führungsteam besser machen? Was war dir nicht klar oder welche Info brauchst du noch? Und hast du bestimmte Entscheidungen nicht verstanden? Ja ich frag andauernd nach Feedback und manchmal ist das beste Feedback sogar von den dualen Studenten oder von den Werkstudenten, die gerade bei uns sind, weil die noch sehr unbefangen dann direkt sagen: Ja, das hat gefehlt und das hast du nicht klar erklärt. Und da hab ich schon echt super oft gute Sachen mitgenommen, die dann für unsere ganze Abteilung ein Vorteil gebracht haben.

Agnieszka Walorska: [00:28:26] Die wissen es nämlich noch nicht, dass man das nicht darf in Anführungszeichen. Was man sonst so im Berufsleben gelernt hat, das wissen sie dann noch nicht.

Ilse Munnikhof: [00:28:37] Nein, genau, sollen sie auch nie lernen. Hier ist das nicht erlaubt.

Agnieszka Walorska: [00:28:40] ja, sehr cool. Coole Buchempfehlung. Und da ich bei Empfehlungen bin, wen würdest du noch gerne in unserem Podcast hören?

Ilse Munnikhof: [00:28:47] Ja, da habe ich überlegt. Was ich gerade sehr spannend fand, ist, dass zwei bekannte Gründerinnen einen neuen Anlage App gegründet haben. Alice, das sind sie Verena Pausder und Lea-Sophie Cramer und die würde ich gerne mal hören, was sie da genau planen. Also worin sie genau investiert haben und wie sie das Thema angehen wollen.

Agnieszka Walorska: [00:29:07] Ich kann es, glaube ich, schon sagen, dass ich mit der Gründerin von Alice tatsächlich schon gesprochen habe. Und wir haben ja vereinbart, dass wir die Folge dann aufnehmen, wenn die App dann tatsächlich live ist.

Ilse Munnikhof: [00:29:19] Ah, okay. Aber du bist schon bisschen vorne mit dabei.

Agnieszka Walorska: [00:29:23] Auf jeden Fall. Sehr cool. Vielen Dank für diese Empfehlung. Und für das Gespräch. Das war super, wieder ein sehr spannendes Thema. Und ja, mit weiteren Themen kommen wir in den folgenden Wochen auch wieder. Und bis dahin könnt ihr uns natürlich folgen und kommentieren. und auch jegliches Feedback, wo wir natürlich bei dem Thema Feedback-Kultur sind, ist natürlich auch sehr erwünscht. Vielen Dank.