#14 | Wie geht Innovation? mit Kamila Gospodarek, Aleksandra Petkov-Georgieva und Nicole Stroj von RBI

In dieser Folge spricht Agnieszka mit gleich drei herausragenden Gästen, allesamt von der Raiffeisenbank International: Kamila Gospodarek, Strategie Development mit Fokus auf Innovation, Aleksandra Petkov-Georgieva, Corporate Punk und Innovation Manager sowie Nicole Stroj, Head of Organisational Innovation.

In der großen Talkrunde geht es natürlich rund um das Thema Innovation und wie es im Branchenkontext zu verstehen ist, wie sich Kundenbedürfnisse im Finanzsektor entwickelt haben und wie darauf reagiert wird, wie die Rollenverteilung von Startups, Banken und BigTechs derzeit und in Zukunft aussieht, wie Unternehmen innovativ bleiben können und wie die Veränderung des Kundenverhaltens Auswirkungen auf ganzen Branchen haben kann.

Die Themen im Überblick:

  • Was genau ist unter Innovation zu verstehen?
  • Unterschiedliche Länder, Sprachen und Kulturen: Was bedeutet das für Innovation?
  • Wie haben sich die Kundenbedürfnisse bei Financial Services verändert?
  • Startups oder BigTechs: Wo besteht größerer Konkurrenzdruck für Banken?
  • Welche Rolle soll eine Großbank in einem Ökosystem spielen?
  • Wie lassen sich Strategien in einem sich stark verändernden Umfeld entwickeln?
  • Arbeiten wie im Startup: Wie lässt sich Entrepreneurship im Bankenumfeld einbetten?
  • Wie sieht die Bankenwelt in zehn Jahren aus?

Die Buchempfehlungen von…

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Aleksandra Petkov-Georgieva auf Twitter | LinkedIn
Nicole Stroj auf Twitter | LinkedIn

Das Trankript der ganzen Folge:

Agnieszka Walorska [00:00:01] Willkommen zu einer weiteren Folge des Female Future Finance Podcast von Capco und Creative Construction mit Agnieszka Walorska. Ich darf heute nicht nur eine, sondern gleich drei Ladys vorstellen, die sich alle mit dem Thema Innovation beschäftigen und zwar alle bei der Raiffeisen Bank International und auch alle drei so ein bisschen ihren Background auch außerhalb der Finanzindustrie haben. Darauf kommen wir auf jeden Fall auch nochmal zu sprechen. Und zwar habe ich hier die Aleks Petkov-Georgieva, Corporate Punk und Innovation Managerin, Kamila Gospodarek, die auch in dem Innovationsbereich tätig ist und zwar in dem Bereich Strategie und Development und Nicole Stroj, Head of Organisationnal Innovation und davor Head of Innovation Management – alle eben bei Raiffeisenbank International. Freut mich, dass ihr alle drei heute dabei seid. Und ja, was ist denn eigentlich diese Innovation? Alle sprechen von Innovation. Es ist ja auch ganz wichtig, aber interpretiert wird das Ganze unterschiedlich. Nicole, magst du anfangen?

Nicole Stroj [00:01:12]  Ja, danke für die Einladung. Wir freuen uns wirklich sehr, dass wir heut mit dir sprechen dürfen. Was ist eigentlich die Innovation? Das ist ein ziemlich breites Feld und hat es auch tatsächlich immer schon gegeben. Vielleicht ein paar Worte zu mir. Was ist mein Hintergrund kommt eher aus der Strategie-Ecke und ich habe auch in einer komplett anderen Industrie vorher gearbeitet. Also nicht in der Finanzbranche, sondern ich komme aus der Mobilitätsbranche und das mit der Innovation ist insofern interessant – ich würde fast sagen, es hat sich eigentlich in den letzten Jahren wirklich wahnsinnig viel getan, insbesondere in den großen Unternehmen. Früher, muss man ja sich ein bisschen überlegen, war Innovation de facto immer gleichgesetzt auch mit Forschung und Entwicklung. Das war sehr technisch geprägt, vor allem auch so in den Industrieunternehmen. In den Mobilitätsbereichen hat es das gar nicht gegeben. Also es ist wirklich so, historisch gesehen, eigentlich gab es immer schon, es wurde nur anders benannt. Was sich wirklich massiv geändert hat in der letzten Zeit, ist, dass man den Kunden eigentlich viel mehr in den Mittelpunkt stellt. Also es ist tatsächlich die Welt hat sich sozusagen tatsächlich weitergedreht und wir haben in den Innovationen auch viel Theorie dazu gelernt und auch viel sozusagen gelernt, glaube ich, aus der Ecke der Startups und des Silicon Valley würde ich jetzt fast mal sagen. Und das große Thema natürlich ist jetzt sozusagen nachdem Technologie-Innovationen ein großes Thema war in der Vergangenheit, ist aus meiner Sicht heute ganz klar das Thema Business Model-Innovation groß. Und das ist auch ein super spannendes Feld und bietet wahnsinnig viele Entwicklungsmöglichkeiten. Und ich glaube, ohne das kommt Innovation heute auch in großen Unternehmen nicht mehr aus. Ist aber ein nicht ganz einfacher Bereich.

Agnieszka Walorska [00:02:43] Auf jeden Fall. Und dafür braucht man sicherlich Corporate Punks, oder Aleks?

Aleksandra Petkov-Georgieva [00:02:49] Ich glaube nicht nur Coporate Punks, ich glaubt, man braucht sehr viel mehr. Wir diskutieren zu dritt oft darüber, dass wenn man von Innovation spricht, man eigentlich von einem Kulturwandel, der auf mehreren Ebenen passiert. Das heißt, auf der einen Seite braucht man natürlich Menschen und Personen und Persönlichkeiten, die gewisse Skills dazu bringen, um von einer Idee ein richtiges Venture zu machen. Andererseits kommen dann aber auch Strukturen und Prozesse und all-the-way-up bis zu den Entscheidungsträgern, die auch lernen müssen, anders umzugehen. Das heißt, dass es einen Kulturwandel auf mehreren Ebenen und ein durchaus spannendes Feld. Aber ja, Corporate Punks gehören unter anderem auch dazu.

Agnieszka Walorska [00:03:29] Kamila, ihr seid ja auch in mehreren Ländern Mittelosteuropa unterwegs, mehrere Sprachen, mehrere Kulturen. Was bedeutet das eigentlich für Innovation?

Kamila Gospodarek [00:03:38] Also Innovation ist auf jeden Fall ein buntes Feld und je diverser, je mehr unterschiedliche Menschen bzw. Kulturen wir dabei haben, desto besser für die Innovation. Also persönlich für mich: Innovation heißt das Leben von Kunden und Menschen zu verbessern. Und ich glaube, das steht im Kern von Innovation. Und dadurch, dass ich auch aus das strategischen Seite komme, sehe ich, dass es extrem wichtig ist, dass man eben den Kunden und auch Innovationsthemen richtig in der Bank positioniert, also dass sie dann entsprechend umgesetzt werden und man darüber nicht nur spricht.

Agnieszka Walorska [00:04:14] Ihr habt alle eben das Thema Kunden angesprochen. Ja, eigentlich faszinierend, dass man jetzt eher so stark den Kunden oder die Kundin bei der Innovation im Vordergrund steht. Wie haben sich, jetzt aus eurer Perspektive, die Kundenbedürfnisse, gerade was das Thema Financial Services angeht, verändert? 

Nicole Stroj [00:04:38] Ja, ich kann da gerne antworten. Naja, was sehr spannend ist, ist, dass sozusagen die Kundenbedürfnisse sich ja nicht nur in einer Industrie dann speziell verändern, sondern eigentlich übergreifend. Also wenn man sich denkt, es war vor 10, 15 Jahren ganz normal, dass man in eine Bankfiliale geht, wenn man irgendwie Geld überweisen wollte, kann sich heute niemand mehr vorstellen. Also was ich spannend finde ist, dass diese Veränderungen im Kundenverhalten vor allem auch dadurch getriggert werden, was so rundherum passiert. Es stellt sich heute tatsächlich jeder die Frage, warum er z.B. gewisse Dinge nicht tatsächlich einfach wirklich nur online machen kann, sondern da vielleicht doch noch immer an physischen Kontakt zum Bankberater braucht. Weil mit Facebook, Google und in vielen anderen Bereichen gehts ja auch. Die Veränderung des Kundenverhalten hängt sozusagen nicht an der an der jeweiligen Branche, sondern wird ganz stark auch getrieben durch das, was rund um uns herum passiert und die wir gewohnt sind, sozusagen gewisse Dinge zu tun. Das heißt, tatsächlich beeinflusst die User Experience von einer ganz anderen Branche auch die, die z.B. in der Bankenwelt. Und dann muss man sagen, dass doch überhaupt nicht übersehen, weil wir entwickeln uns halt manchmal auch immer noch ein bissl langsamer als die Googles dieser Welt und das bringt einen unter Zugzwang. Auf das muss man massiv aufpassen aus meiner Sicht.

Aleksandra Petkov-Georgieva [00:05:55] Gleichzeitig sehe ich das auch in den Startups. Ich glaube der Nummer eins Grund, warum Startups nicht erfolgreich sind, ist, weil sie den Product-Market-Fit nicht erreicht haben. Das heißt auch Startups sagen manchmal das Problem, dass sie nicht kundenzentriert arbeiten. Und ich sehe das auch, wenn ich mit Teams arbeite: Wir denken alle sehr gerne in Lösungen und Technologien und viel zu wenig Kundenprobleme und viel zu wenig kundenorientiert. Ich glaub das ist jetzt gar nicht nur im Corporate so, das ist auch oft bei Startups so – dass ist das, was uns verbindet!

Kamila Gospodarek [00:06:28] Ich glaube auch, dass die Kunden und besonders die jüngeren Kunden einfach wählerischer geworden sind. Es gibt viel mehr Angebot am Markt. Sie müssen nicht mehr zu Banken gehen. Sie können zu Facebook, Googles, dieser Welt eigentlich auch gehen. Und ich glaube, die Welt ist verknüpfter geworden. Und deswegen ist es viel wichtiger, dass diese seamless experience und Produkte einfach sind, Services einfach sind. Und das ist auch alles, was die besonders jüngeren Kunden wollen.

Nicole Stroj [00:06:57] Darf ich da nochmal einhaken? Es ist, glaube ich ganz wichtig: das Thema Einfachheit ist, die Kamila da anspricht, ist super zentral und auch da gibt es unzählige Studien. Im Bankenbereich geht es ja auch viel um Sicherheit und darum, dass die Prozesse sicher sind und auch, dass die Daten sicher sind. Dennoch ist es so, dass Kunden ganz oft, wenn sie eine more convenient Customer Experience haben, die Sicherheit trotzdem hintanstellen. Und diese Balance ist gerade, glaube ich, eine der großen Herausforderungen in der Finanzindustrie nach vorne weg:  Wie kriegt man sozusagen die Sicherheit hergestellt, aber hat trotzdem gleichzeitig aber auch die Customer Experience, die zum Beispiel eben irgendeine vielleicht nicht so sichere App hat. Und das ist herausfordernd.

Agnieszka Walorska [00:07:38] Absolut. Und ihr habt alle drei so ein bisschen die Big Tech Unternehmen angesprochen und auch ein Stück weit die Startups. Aus welche Richtung kommt die Konkurrenz für die Banken und was glaubt ihr, also Aleks, du hast gesagt, die Startups haben zum Teil die gleichen Probleme, halt mehr so vom Technologiedenken und nicht so stark vom Nutzer Bedürfnis. Wenn ihr so ein bisschen die Zukunft guckt, wer wird der Hauptkonkurrent von euch sein, im Sinne von euren Unternehmen?

Kamila Gospodarek [00:08:05] Also wenn ich anfangen kann: Wir werden in der Zukunft mehr in einen Ökosystem leben. Also es gibt genug Platz für Banken, es gibt genug Platz für Fintechs und es gibt genug Platz für andere Unternehmen, IT-Unternehmen. Und die Zukunft wird einfach verknüpfter sein, und die Unternehmen werden mehr miteinander arbeiten müssen und die Rollen werden auch vielleicht getauscht werden oder die Grenzen zwischen Industrien und Fintechs und Banken werden verschmelzen. Also das er meine Meinung dazu.

Nicole Stroj [00:08:39] Vielleicht kann ich ergänzen, ich kann Kamila mal grundsätzlich beipflichten, die die Gefahr unter Anführungszeichen was auch immer das bedeutet, kommt aus meiner Sicht sicherlich eher von den Großen jetzt mal, vor allem auf die Banken zu, oder die, die größer sind. Braucht glaub ich um das Finanzdienstleistungen abzuwickeln auch ein gewisses Gewicht. Also das sieht man schon immer wieder. Das heißt nicht, dass es jetzt ein Google sein muss. Es gibt auch ganz viele Unternehmen, die auch groß werden mit der Zeit. Aber das, ich sehe sozusagen tendenziell die Gefahr nicht von vielen kleinen Startups, sondern tatsächlich von denjenigen, die sich dann durchsetzen und eben auch auf der anderen Seite ein entsprechendes Gewicht und eine ansprechende Marktmacht auf die Beine stellen und dann letztlich auch die Bankenfunktionen sozusagen potenziell übernehmen können. Ich glaube, das kommt eher daher. Und diejenigen, die natürlich auch auf der Technologie-Seite alle Register ziehen können und da rede ich von sowas wie Artificial Intelligence und Blockchain beherrschen und das, das ist so die Kombination, von der ich glaube, dass das, das die großen Herausforderer sein werden.

Aleksandra Petkov-Georgieva [00:09:39] Vielleicht auch aufbauend auf das Thema. Ich sehe das ein bisschen mehr philosophisch, und zwar ich glaube, dass die Bank einfach ein bisschen ihre Rolle verloren hat in dem gesamten Ökosystem. Man darf nicht vergessen: Eine Bank hat natürlich eine makroökonomische Funktion gehabt, einfach auch mehr oder weniger “Fuel” für das ganze System einzubringen. Und ich glaube durch die regulativen und durch die verschiedenen Veränderungen in den letzten Jahrzehnten hat einfach die Bank auch irgendwo ihre Rolle verloren und muss sie auch neu definieren. Und ich glaube, wenn sie es nicht schafft, diese Brücke zu schlagen, dann wird es schwierig werden, langfristig gesehen, weil sie muss einen neuen Platz für sich entdecken.

Agnieszka Walorska [00:10:20] Ihr habt jetzt alle drei das Thema Ökosysteme angesprochen. Habt ihr da eine genaue Vorstellung, welche Rolle eure Bank oder einem grundsätzlich eine große Banken im Ökosystem spielt und wie so ein Ökosystem aussehen könnte?

Kamila Gospodarek [00:10:35] Also ich glaube, das, was Aleks davor gesagt hat, trifft ganz genau zu, hier auch. Die Banken müssen ihre Rolle eigentlich jetzt definieren, es ist Zeit das sich viele Banken sich diese Frage auch stellen. Welche Rolle könnten wir potenziell in der Zukunft auch spielen?

Nicole Stroj [00:10:50] Also für mich ist es aktuell… Also die Vorstellung von der Zukunft ist immer in die Glaskugel schauen. Das ist natürlich die aktuelle Hypothese, dass Ökosysteme eine große Rolle spielen werden und die Funktion, die Banken erfüllen, sozusagen, wird gebraucht werden. Und die Frage nur wie und wo und in welchem Zusammenhang und wo und wie man das dann sozusagen macht, ist jetzt das muss man jetzt quasi tatsächlich erforschen, experimentieren. Und das ist halt auch Innovation tatsächlich da unterschiedliche Wege zu gehen und alles Mögliche auszuprobieren. Wir experimentieren ja auch sehr viel mit dem Thema Open Banking, jetzt auch in aller Munde natürlich, und mit offenen Schnittstellen, wo ja die Regulatorik einiges vorgelegt hat, aber wo natürlich noch  viel mehr geht als das, was man jetzt in den Normen vorfindet. Und das wird wird super spannend, weil das eröffnet ganz andere Möglichkeiten aus unterschiedlichen Ecken, auch für die Kunden nach vorne weg. Die Frage stellt sich dann für mich halt immer auch: Was wollen Kunden am Ende des Tages auch zulassen? Also Open Banking ist ja schon auch eine Zukunft, in der man sich viel mehr als Kunde und viel strukturiert auch damit befassen muss – Wo gebe ich meine Daten offen und wie vorher angesprochen, die Convenience und wie oft man sich selber auch ertappt mal auf “i agree” zu klicken. Und wenn man jetzt schnell irgendwie Information braucht oder irgendwie gerne da durch will, durch diesen Prozess und das sozusagen wird auf Kundenseite auch herausfordernd sein, sozusagen mit den Möglichkeiten, die es geben wird, auch verantwortungsvoll umzugehen. Und da gibt’s eine große Verantwortung, glaube ich Banken-seitig, dass man hier tatsächlich sorgsam umgeht.

Agnieszka Walorska [00:12:18] Und wir haben das ja am Anfang schon angesprochen. Ihr kommt ja auch aus anderen Branchen, unter anderem die Mobilitätbranche. Wo steht die Financial Services-Branche im Vergleich zu anderen? Habt ihr das Gefühl, dass ihr frühere Erfahrung aus anderen Branchen hier mit reinnehmen konntet, weil die schon weiter sind oder eher umgekehrt? Gerade in dem Kontext natürlich, dass die Branchen ein stückweit verschwinden. Was sind, so die Learnings, die ihr da mitnimmt aus den früheren Erfahrungen?

Nicole Stroj [00:12:46] Also es ist immer so, dass das diejenigen Industrien, die höher reguliert sind oder stärker reguliert sind, in der Innovation später dran sind, dafür aber halt. Und es hängt ein bisschen davon ab, sozusagen, wie sie beschaffen sind und wie hoch das Disruptionenpotenzial ist. Die Finanzbranche mit ist mit Sicherheit stark reguliert, sehr stark reguliert und damit sozusagen tendenziell eher später dran, was Innovation betrifft. Auf der anderen Seite ist es aber so, dass im Gegensatz zu Mobilität z.B. das Ganze halt ein zutiefst digitales Geschäft ist. Letztlich passiert ja alles virtuell in Wirklichkeit und dadurch natürlich die Chance, dass man diskutiert wird, weil über technologisch sozusagen so viel passiert sehr hoch ist. Das heißt, ich würde sagen, wir sind als Finanzbranche eher weiter hinten als z.B. die Mobilitätsbranche, wobei auch da hohe Regulierung herrscht. Aber es gibt auch sehr spannende Parallelen, vielleicht kann ich das noch sagen? Und ich hab grad vorher das Open Banking Beispiel angesprochen, wie ich habe vorher bei der Bahn gearbeitet. Das ist auch ein, sagen wir so, nicht gerade ein sehr schnelllebiges Geschäft. Aber auch hier gibt’s ähnliche regulatorische Maßnahmen, die ja die Bahnbetrieber sozusagen verpflichteten, die Staaten dazu verpflichtet, die Bahninfrastruktur zu öffnen. Also das kann man durchaus vergleichen mit der Öffnung von Bankinfrastruktur und plötzlich können sozusagen auf den Schienen Privatunternehmen fahren und neue Preise, neue Modelle anbieten. Und genau das gleiche, und das ist schon einige Jahre her, seit das passiert ist, das gleiche passiert aktuell in der Finanzbranche sehr intensiv. Und hier geht’s natürlich viel schneller, eben weil digital. Da geht es drum Schnittstellen zu öffnen. Ich sage nicht, dass das einfach ist, aber im Vergleich sozusagen zum Bahnunternehmen ist das natürlich ein Klacks, technologisch gesehen.

Agnieszka Walorska [00:14:24] Ja, coole Parallele. Aleks, du hast warst ja auch in anderen Branchen unterwegs davor. Wie siehst du das?

Aleksandra Petkov-Georgieva [00:14:29] Also ich habe bis vor kurzem bis zu meinem Bankenjob den größten Teil meiner Karriere im Medienbereich verbaten. Der Mediensektor wurde ja mit der Digitalisierung vollkommen diskutiert. Und am Anfang hat man gedacht Aha. Also es geht nicht mehr ums Print Verlagswesen, sondern nur um das digitale Verlagswesen. Und viele haben viele Medienunternehmen haben einfach verschwitzt zu verstehen, dass sie nicht mehr in Medien Business sind, sondern dass sie im Datengeschäft-Business sind. Das Problem bei Disruptionen, und das sehe ich teilweise auch ein bisschen beim Banking, ist du merkst sie nicht. Es ist ein schleichender Prozess und du merkst es normalerweise erst ist es zu spät ist, oder wenn dir dann wirklich die Großkunden wegfallen zum Beispiel oder wenn du dann siehst dass du immer weniger Umsatz machst. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass ist Banking genau dort ist, wo Medienunternehmen von zirka 10 bis 20 Jahren waren. Und ich bin sehr gespannt, ob sich das als solches ergeben wird, ob das wirklich so sein wird oder nicht. Aber die Zeit wird es zeigen.

Agnieszka Walorska [00:15:40] Camila, du warst dir auch unter anderem bei Versicherungen und auch in der Mobilitätbranche unterwegs davor.

Kamila Gospodarek [00:15:45] Ja genau. Also ich kann das, was Nicole zuvor erwähnt hat, mit beiden Händen unterschreiben. Die Mobilität Branche ist schwierig auch reguliert, staatsnah. Ich war auch bei Versicherungen und Versicherungen sind Banken viel ähnlicher und du hast davor gefragt: Was konnten wir lernen oder was konnte ich anwenden? Um das, was ich gesehen habe, ist das die Versicherungen viel näher zum Kunden, viel früher gestanden sein. Um Versicherungen zu verkaufen, muss man Emotionen verstehen, muss man Kunden sehr gut verstehen, um ihre Emotionen zu verstehen. Und da waren wir sicher viel näher dran. Und das ist etwas was die Banken auch jetzt lernen und nachholen und den Kunden auch wieder ins Zentrum stellen. Also das ist auf jeden Fall der Unterschied. Und was Elektromobilität und Energiebranche angeht, in denen ich auch tätig war, ich glaube, dass die Einstiegsbarrieren in der Energiebranche auch höher sind als für Finanzinstitute an oder Fintech, im Finanzbereich, weil die Energieunternehmen ja sehr stark von der Infrastruktur abhängig sind und auch () die politisch entschieden werden das heißt das der Raum für Innovation hier kleiner ist und es in dieser Komplexität es noch schwieriger ist.

Agnieszka Walorska [00:17:09] Spannende Aspekte, also es gibt ja auch noch Branchen, die es eigentlich noch schwerer haben mit der Information als die Finanzindustrie. Jetzt haben wir so viel über die Kundinnen und Kunden gesprochen. Wenn ich aber jetzt bei euch, zum Beispiel bei dir, Nicole, eben organisational Innovation höre, da höre ich da aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit. Ist das richtig?

Nicole Stroj [00:17:31] Ja, genau, das stimmt. Also das ist ja sozusagen eine der großen Fragen. In großen Unternehmen ist ja tatsächlich: Wie bleiben wir innovativ oder wie werden wir innovativ oder innovativer, als wir es schon sind. Und der Klassiker ist und das ist ja sozusagen auch unser Weg gewesen in der RBI, es sich mal auf strategischer Ebene mit dem Thema auseinanderzusetzen. Es hört natürlich nie auf, aber das ist der Entry Point zu sagen, Okay, wo wollen wir hin, was sind den unsere Visionen für die Zukunft und so weiter und so fort. Und natürlich – das haben wir alles gemacht. Und wie gesagt, es ist nie abgeschlossen. Die Konversation ist eine, die iterativ ist, weil sie einfach nicht ist, nicht abschließend ist und weil man immer wieder neue Informationen darüber bekommt, wie die Zukunft sozusagen ausschauen wird. Oder in der Jetzt-Zeit sieht, was man in der Vergangenheit falsch eingeschätzt hat und dann seinen Blick auf die Zukunft wieder revidiert, sagen wir mal so. Und die andere große Frage, und das ist die jetzt auch unsere Abteilung, unserem Bereich sehr stark beschäftigt, ist wie stellen wir uns denn auf, um quasi Innovationen tatsächlich richtig zu machen? Also das Organisationsdesign oder die Organisations-Architektur, wie auch immer man es beschreiben will, ist ein ganz, ganz zentraler Faktor dafür, ob man am Ende des Tages die Dinge auf die Straße kriegt oder ob es letztlich eine Strategie bleibt. Und das ist super spannend. Wenn uns das jetzt seit ungefähr einem Jahr oder eineinhalb Jahren beschäftigt. Ich sag schon kein abschließendes [] wir haben den heiligen Gral nicht gefunden so wie wenige, aber ich glaube wir sind auf jeden Fall auf einem guten Weg, da Überlegungen zu treffen. Und hier die Fragen, die sich natürlich, die man sich stellen muss ist: Wie organisiert man sich als Organisation um den meisten Kundennutzen zu kriegen? Organisationen, traditionell grad hierarchisch gewachsene, sind entweder sehr stark prozessorientiert oder auch so orientiert nach Aufgabenbereichen. Also mit orientiert meine ich aufgestellt tatsächlich und so auch gesteuert. Und da fallen dann zwischendurch auch Dinge runter. Und was man ja auch so gemeinhin unter Agiler Adaptive Transformation sozusagen in größeren Unternehmen bezeichnet, heißt halt auch, dass man sich die Frage stellen muss: Wie organisiere ich mich anders, wie arbeite ich anders zusammen über größere Strukturen hinweg und wie steuere ich anders, damit am Ende des Tages mehr Kundenwert dabei rausspringt im aktuellen Geschäft und letztlich aber auch Innovation gelingen kann. Und da gibt’s so Worte wie Ambidextrie, organisationale Ambidextrie. Das heißt bei Beidhändigkeit in Wahrheit, das heißt ein großes Unternehmen, ein Unternehmen muss immer beides gleich gut können, sein aktuelles Geschäft bedienen und die Kunden zufriedenstellen und hier innovieren, sozusagen im Rahmen des bestehenden Geschäftsmodelles, um am Ball zu bleiben und gleichzeitig mit wahrscheinlich ebenso viel Aufmerksamkeit und Energie sich tatsächlich der Zukunft zu widmen und dem Neuen zu widmen. Und die große Frage, die auch in der Innovationstheorie, würde ich sagen in den letzten zehn Jahren so da ist: Wie macht man das bestmöglich so, dass sich das eine vom anderen nicht abstößt? Teilt man das strukturell auf in unterschiedliche Bereiche, macht man das eine wirklich komplett außerhalb, vielleicht mit Partnern? Kauft man Startups zu, die dann eigenständig laufen oder bietet man das Ganze kontextuell stärker ab in der Organisation? Und wie hält man das auch aus auf Managementebene? Das sind teilweise einfach ganz andere Kulturen und ganz andere Mechanismen, die da wirken.

Agnieszka Walorska [00:20:47] Und du hast eben das Thema einerseits die Strategie, auf der anderen Seite diese Strategie dann natürlich auch entsprechend auf die Straße bringen. Kamila, du bist ja in dem Bereich Strategy Development unterwegs: wie schafft man dann wirklich eine Strategie zu entwickeln, in einem Umfeld, das sich so stark verändert, sei es durch Technologie, die sich sehr schnell weiterentwickelt, auf der anderen Seite natürlich auch durch solche Events, die man nicht erwarten konnte, wie jetzt die Pandemie, mit der wir seit gut einem Jahr zu tun haben?

Kamila Gospodarek [00:21:20] Also ich glaube das, was wir als Bank sehr gut gemacht haben und es hat schon Niki davor erwähnt, wir haben unsere Vision Mission Statements angepasst und das Hauptziel von dem Unternehmen ist einfach Superior Customer Experience durch Innovation zu sichern. Und das ist kein einfacher Prozess. Und ich glaube, dass es wichtig dabei ist, auch uns selbst zu kennen und mehr unserer Organisation zu kennen. Und in diesem Fall, es geht nicht beides, eine Organisation und Strategie zu kopieren muss, man muss intern irgendwas entwickeln. Und das dauert meistens lange. Unsere Bank ist auch relativ alt, hat 13 Netzwerkbanken und es ist nicht so, dass die Strategie überall passen muss. Aber es ist sehr wichtig, dass alle für die Strategie stehen und in dieselbe Richtung gehen wollen und das auf jeden Fall sehr viel Arbeit.

Aleksandra Petkov-Georgieva [00:22:15] Und ist es noch!

Agnieszka Walorska [00:22:20] Was sicherlich auch immer viel Arbeit ist, ist das Thema. Ja, Unternehmertum oder Entrepreneurship würde man das innerhalb der großen Unternehmen ja auch nennen. Wie funktioniert das und wie schafft ihr das, quasi das Unternehmerische mit der Großbank zu verbinden?

Aleksandra Petkov-Georgieva [00:22:38] Kann man manchmal überrascht sein, dass natürlich auch Mitarbeiter einer Bank durchaus unternehmerisch sind. Ich ich höre das öfter als Frage, wenn mich Leute zum Thema Entrepreneurship fragen. Naja, wo sind denn die Bankmitarbeiter? Können sie überhaupt arbeiten wie die im Startup? Meine Antwort darauf ist ein klares Ja. Es gibt auch genug Mitarbeiter in unseren Banken, die auch Side-Businesses haben oder die vom Startup kommen und die durchaus ambitioniert sind und Neues schaffen wollen und die einfach einen Rahmen dafür benötigen. Und das bieten Initiativen wie zum Beispiel unser Entrapreneurship-Programm, wo wir Mitarbeitern einfach die Möglichkeit geben, an einem Thema oder an einer Idee zu [arbeiten]. Wir haben seit einigen Jahren gesehen, die Initiative hat schon bis zu tausenden von Mitarbeiter angezogen und […] an innovativen Themen arbeiten wie ein Startup. Da sieht man auch den unternehmerischen Geist der Mitarbeiter. Gleichzeitig bekomme ich dann normalerweise immer die zweite Frage: Wenn du so ein Startup-Mindset hat was machst du dann in einer Bank? Naja, man kann eigentlich das Beste aus zwei Welten haben, einerseits an innovativen neuen Geschäftsmodellen arbeiten und andererseits halt doch eine Sicherheit haben, dass man auch ein stabiles Gehalt hat, was ja manchmal in einem Startup nicht immer gegeben ist, gerade am Anfang. Daher, so eine Art das Beste aus zwei Welten: Wie im Startup arbeiten, aber die Sicherheit eines großen Unternehmens.

Agnieszka Walorska [00:24:03] Und schafft man das? Ist dann diese Sicherheit nicht auch ein bisschen hinderlich dafür, ja auch wirklich gleich Risiko zu nehmen, weil man Angst hat, diesen Einfluss zu verlieren?

Aleksandra Petkov-Georgieva [00:24:14] Das ist eine super tolle Frage aber bei die meisten Entrepreneure bei uns haben trotzdem noch ein bisschen Skin in the Game. Um an einem Entrepreneurship-Programm mitzumachen oder an einem Thema arbeiten zu können, muss man seinen []-Job für eine gewisse Zeit pausieren. Man hat ein gewisses Risiko und das ist der Karriere-Pfad. Wenn man ein paar Monate mal nicht da ist dann heißt es ja schon was für eine Karriere und das heißt es gibt schon diesen Element von skin-in-the-game, aber gleichzeitig hat man halt ein garantiertes Einkommen und ich glaube, das ist gerade für jene, die auch Familie haben, ein unheimlich wichtiger Faktor, wo man vielleicht jetzt nicht die Möglichkeit hat, weil wenn man zwei Kinder hat, dass man jetzt alles stehen und liegen lässt und sein gesamtes Ersparnis auf ein Startup legt. Und es kann interessante neue Value Position, Employee Value Proposition sein, oder Mitarbeiter-Versprechen. Frag ich die Nici, dass sie wieder hilft. Es könnte durchaus eine interessante Möglichkeit sein, mehr Talente für Großunternehmen anzuziehen, indem man Entrepreneurship zur Verfügung stellt.

Nicole Stroj [00:25:21] Darf ich was ergänzen? Ich glaube, was ich super spannend finden und warum es mir eigentlich auch in der RBI so viel Spaß macht. Und ich glaube, warum wir da auch wirklich gute Fortschritte machen und zu viel Unterstützung und Energie da  auf dem Thema Innovation liegt, das ist halt eine Bank, die ist einfach auch sehr unternehmerisch gewachsen. Also die RBI für alle, die sie nicht so kennen: wir sind zwar das Headquarter hier in Wien, aber unser Hauptgeschäft ist in Osteuropa, eben in 13 Ländern, sowie die Kamila das gesagt hat und de facto entstanden dadurch, dass Banken in Ländern gegründet wurden, wirklich sehr, sehr unternehmerisch, oder kleine Banken gekauft wurden und größer gemacht wurden und zusammengeschlossen. Das war ein sehr, sehr extrem unternehmerischer Prozess und die Kollegen und Kolleginnen sind einfach auch, das ist in unserer DNA irgendwie drin. Je größer ein Unternehmen wird und da braucht man nur ein paar Google-Mitarbeiter fragen, da kommt halt viel Bürokratie dazu. Und das ist auch bei der RBI natürlich irgendwann so gewesen, weil man sich organisieren muss und sich irgendwie aufstellen muss. Aber diese Grund-unternehmerische Haltung ist so verwurzelt und das ist halt einfach richtig cool, wenn man dann sozusagen dort und da an den Strukturen dreht oder eben Möglichkeiten bietet, wo das dann wieder viel mehr zum Vorschein kommen kann, dann blubbert es gleich so. Das ist richtig, richtig cool und da bin ich auch so froh und happy, weil ich hab da ein super positives Bild für die Zukunft, weil das findet man nicht so oft.

Agnieszka Walorska [00:26:46] Apropos Bild für die Zukunft: wir haben sogar schon das Wort Glaskugel in den Mund genommen und ich mag ja eigentlich ganz gerne so, sagen wir mal, ein bisschen qualifiziert in die Glaskugel schauen und sich überlegen, wie sie die Welt dann in zehn Jahren aus. Also vielleicht ganz kurz von jeder von euch. Was glaubt ihr, wie sieht die Bankenwelt in zehn Jahren aus?

Kamila Gospodarek [00:27:08] Ich glaube, dass die Welt, also das Bankenumfeld wird mehr und mehr digitalisiert sein und in das Leben von Menschen integriert und das, was ich schon davor gesagt habe, die Grenzen darin verschmelzen. Und es mag sein, dass es eine IT-Firma eine Bank sein wird oder eine Bank ein IT-Serviceprovider sein werden, Banken als ein Service Provider. Persönlich würde ich mich auch extrem freuen, wenn ich mich nicht nur um meine Finanzen kümmern muss. Und sie kümmern sich um mich. Und ich glaube, die bestehende Technologien, Künstliche Intelligenz oder IoT, sie führen dazu, dass wir immer besser bedient sein werden. Und naja, und diese Probleme werden hoffentlich auch bald gelöst.

Aleksandra Petkov-Georgieva [00:27:51] Ich wollte mich eigentlich gerade Kamila anschließen. Ich sehe das ganz genauso. Ich weiß nicht, ob ich irgendwas on top noch erzählen sollte. Also aus einer internen Perspektive, weil wir ja vorher über Mitarbeiter gesprochen haben, ich glaube, dass auch Großunternehmen, egal ob nun eine Bank oder auch andere etabliertere Unternehmen, ein bisschen auch das Verhältnis zu den Mitarbeitern vermutlich verändern müssten. Weil wenn ich die jungen Talente oder auch an die neue Generation denke, denen ist das Geldverdienen nicht mehr genug. Die wollen halt auch einen Impact erzielen und halt diesen, ein Impact Driven Purpose in der Organisation zu werden, wird in den kommenden Jahrzehnten höchstwahrscheinlich die große Herausforderung sein im Sinne von Restrukturierung oder Positionierung für Großunternehmens. Aber ich glaube, die, die es schaffen werden, werden durchaus erfolgreich sein. Und dann können alle unternehmerischen Mitarbeiter, die es ja natürlich auch gibt und gottseidank, auch das Beste aus ihrer Arbeit machen.

Nicole Stroj [00:28:48] Das ist eine super spannende Frage und ich würde mal ein Bild malen. Und ich weiß, ich 10 Jahre ist wirklich viel. Und wenn ich mir überlege, wie potentiell künstliche Intelligenz sich entwickelt und die Kamila das auch angesprochen na vielleicht gibt’s irgendwen der sich um meine Finanzen kümmert, würde ich mal versuchen ein Bild zu zeichnen. Okay, es gibt irgendwie eine Art Concierge, sowas ein Alexa-artiges Ding, das de facto aus allen Quellen, wir haben Open Banking angesprochen, aber auch aus allen anderen, unseren Daten, die wir so hinterlassen in der Welt und zu der wir auch Zugang gewähren, de facto uns unsere Finanzen immer viel besser regeln kann als jeder, als jeder das persönlich könnte. Oder aber auch, als es vielleicht ein Kundenberater heute könnte, weil er einfach die Informationen gar nicht hat und sozusagen so eine, di Idee davon, dass man sich eigentlich das von dem Träumen ja tatsächlich vieles gibt nicht sehr viele Leute, die sich sehr aktiv mit ihren Finanzen auseinandersetzen, aber das sozusagen jemand tatsächlich das alles regelt oder etwas, und das das Beste für dich rausholt. Sei es jetzt bei Investments, sei es bei Finanzierungen, wenn man Kapital braucht, um etwas anzuschaffen et cetera ist schon eine sehr verlockende Zukunft zumindest aus Kundensicht. Die Frage, wer und in welcher Form diese künstliche Intelligenz vielleicht betrieben wird und inwieweit eine Bank eine Rolle dabei spielen kann, steht da in den Sternen. Aber ich kann mir vorstellen, dass in zehn Jahren, wenn die Technologie sich so exponentiell weiterentwickelt, irgendwo da sein könnten. Und da spielt die große Rolle: Will das tatsächlich dann jemand und jetzt würde ich mal eine gewagte Hypothese machen – ich glaube ja.

Agnieszka Walorska [00:30:23] Also ich will sowas, auch wenn ich natürlich die ganzen Aspekte wie Datenschutz und so weiter und die Mächtigkeit dieses Players, der im Zweifel da diese Rolle ausübt, auch betrachte. Aber ich glaube durchaus, dass es eine mögliche Zukunft ist.

Nicole Stroj [00:30:38] Und ich finde auch sehr spannend, vielleicht noch um zu ergänzen, wenn man so eben in der Finanz Innovationsbranche unterwegs ist und einfach auch mitkriegt, was es an Startups gibt und Möglichkeiten gibt. Also ich bin immer wieder erstaunt zu hören oder mitzubekommen, was man tatsächlich schon machen kann technologisch. Und wenn man diese Dinge kombiniert, dann sind wir auch heute schon nicht besonders weit weg davon. Es gibt viele Experimente, die sich zum Beispiel auseinandersetzen damit, dass man basierend auf Social Media Trading-Entscheidungen treffen kann. Das ist jetzt sogar schon eher alt – aber diese Dinge sozusagen. Irgendwann wird das tatsächlich Mainstream werden. Ich meine, ich bin sehr gespannt, was das generelle Auswirkungen haben wird. Aber ja, es ist viel da. Aber wenn man das alles kombiniert, wird es richtig spannend.

Agnieszka Walorska [00:31:25] Wir sprechen dann, inszenieren nochmal und schauen, ob er tatsächlich stattgefunden hat und um die zehn Jahre zu überbrücken: Habt ihr irgendwelche Buchempfehlung?

Aleksandra Petkov-Georgieva [00:31:35] Also welches Buch liest man zehn Jahre lang?

Agnieszka Walorska [00:31:40] Naja, Proust zum Beispiel.

Aleksandra Petkov-Georgieva [00:31:44] Reed Hastings, der CEO von Netflix, hat gemeinsam mit Aaron Mayer ein spannendes Buch herausgebracht. Es heißt “No Rules rules”. Da geht es darum, dass Sie ein bisschen die Kultur von Netflix auseinandergenommen haben und analysiert haben. Und auch Reed Hastings hat einen sehr spezifischen Leadship-Style und es gibt eine sehr spezifische Unternehmenskultur von Netflix, die vielleicht ein bisschen kontrovers, aber durchaus inspirierend, sodass er definitiv meine Recommondation. Ist jetzt glaub ich dieses Jahr rausgekommen.

Agnieszka Walorska [00:32:18] Fand ich auch sehr cool, das Buch.

Kamila Gospodarek [00:32:20] Ich glaube, dass das Buch von Daniel Suarez, „Daemon“, am besten unsere heutige Unterhaltung passen würde. Das Buch ist schon relativ alt, 2004 geschrieben. Es ist eine Thriller von einem Software-Entwickler geschrieben. Und es handelt sich prinzipiell um ein Programm, eine künstliche Intelligenz, die die reale Welt beeinflusst, Menschen und auch Unternehmen manipuliert. Und ich glaube, dass das Buch zum Nachdenken anregt oder sondern die Grenzen zu künstlicher Intelligenz setzt. Was weiß das Internet schon über uns alle und ich kann das Buch alle unseren Zuhörer empfehlen.

Agnieszka Walorska [00:33:05] Ich auch.

Nicole Stroj [00:33:09] Ja, was mich so beschäftigt, schon eigentlich meine ganze Karriere lang, ist dieser teilweise Widerspruch aber doch wieder die Notwendigkeit, dieses Zusammenbringen zwischen Strategie und Innovation – das ist tatsächlich manchmal ein bisschen ein Widerspruch. Und das Buch ist das wirklich für mich großartig macht ist “Seeing around Corners” von Rita McGrath. Das ist, glaube ich, auch heuer rausgekommen, wenn mich nicht alles täuscht. Die Rita McGrath aber glaub ich zu dem Thema schon sehr lang an der Columbia Business School und im Wesentlichen sozusagen ist es ein, ich tue jetzt ihr wirklich sehr Unrecht in ein ganz neuer Approach zum Szenario Planning oder was ähnliches, also es geht darum, gewisse Szenarien, sich sozusagen zu überlegen, wie die Zukunft aussehen könnte und die sind durchaus sehr unterschiedlich. Und sich dann gewisse Punkte zu geben und zu schauen, wie es ausschauen würde, wenn eine dieser Zukünften eintreten würde und das dann auch zu beobachten und sich dann sozusagen immer weiterzuentwickeln. Und ich bin mir sicher, ich tue jetzt da sehr Unrecht wenn ich das so kurz wiedergebe. Aber das ist hochinteressant und glaube ich eine ganz, ganz wichtige Geschichte für die Zukunft von großen Unternehmen, hat nix mit der Finanzbranche jetzt zu tun.

Agnieszka Walorska [00:34:20] Sehr spannend. Vielen Dank. Und zu allerletzt noch ganz kurz: Habt ihr eine Empfehlung für eine weitere Frauenstimme, die wir hier interviewen sollten?

Nicole Stroj [00:34:29] Ja, wir haben eine. Ich würde es der Aleks übergeben, tatsächlich das zu sagen. Sie kam mit dem Namen und wir haben alle genickt.

Aleksandra Petkov-Georgieva [00:34:37] Also wir würden wärmstens Larissa Kravitz von Investorella empfehlen. Das ist eine durchaus spannende junge Dame, die sich mit dem Thema Investment beschäftigt und auch an weiteren anderen Frauen hilft, mit den ersten Schritten, wie man investiert, und sie hat so eine Art Akademie, die richtig groß gewachsen ist in den letzten paar Monaten oder Jahren. Eine sehr spannende Kick-Ass-Woman.

Agnieszka Walorska [00:35:05] Sehr gut, Kick-Ass-Woman, wollen wir haben. Cool, vielen Dank an die drei Kick-Ass-Woman heute, hat mich echt gefreut und ich bin gespannt, was aus unserem Glaskugel-Prognosen so wird in den nächsten Jahren. Vielen Dank.

Aleksandra Petkov-Georgieva [00:35:22] Danke, dass wir da sein durften.

Nicole Stroj [00:35:24] Dankeschön.