#10 | Buy now, pay later mit Ellen Kuder, Vice President DACH von Afterpay

In dieser Folge von Female Future Finance hat Agnieszka mit Ellen Kuder, Vice President DACH von Afterpay, über das Thema Payments gesprochen. Wie haben sich die Bedürfnisse der Kunden verändert, vor allem durch den Digitalisierungsschub, ausgelöst von der Pandemie? Warum ist der Trend rund um das Prinzip Buy Now, Pay Later so beliebt und welche Zielgruppe wird hier angesprochen? Welche Ökosysteme können sich durchsetzen und wie positioniert sich AfterPay dahingehend? Welche Trends lassen sich derzeit im Payments-Bereich ausmachen? Und: Wie sieht ein Einkauf in zehn Jahren aus?

Die Themen im Überblick:

  • Wie haben sich die Bedürfnisse von Nutzerinnen und Nutzer durch die Pandemie verändert?
  • Was hat es mit der „Renaissance“ von Kauf auf Rechnung auf sich, welche Zielgruppe findet sich hier?
  • Welche neuen Trends gibt es im Bereich Payments derzeit?
  • Zum Thema Ökosysteme: Welches wird sich am ehesten durchsetzen können?
  • Was hat es mit “Data-Driven Offers” auf sich?
  • Wie kann man bei Zahlungen im Hintergrund Transparenz schaffen?
  • Wir wird man in zehn Jahren einkaufen – und wie für den Einkauf dann wohl bezahlen?

Die Buchempfehlungen von Ellen Kuder

David A. Sinclair: “Lifespan: Why We Age―and Why We Don’t Have To
Celeste Headlee: “We Need to Talk: How to Have Conversations That Matter
Celeste Headlee: “Speaking of Race: Why We Need to Talk About Race-and How to Do It Effectively
(Erscheinungstermin 02.11.2021)

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Feedback, Fragen, Wünsche und Ideen bitte an:
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Das Transkript der Episode:

Agnieszka Walorska 00:00:00

Willkommen zu einer weiteren Folge des Female Future Finace Podcast von Capco und Creative Construction mit Agnieszka Walorska. In der aktuellen Folge von Female Future Finance spreche ich mit Ellen Kuder und die ist vielleicht ein Ticken anders als unsere bisherigen Ansprechpartnerinnen. Sie kommt gar nicht ursprünglich aus der Finanzbranche, ist jetzt aber wie VP DACH für das Payment-Startup AfterPay. Hallo Ellen, freut mich, dass du da bist. Erzähl nochmal, wie du zu diesem Job gefunden hast und was ist eigentlich AfterPay, was ist das Besondere dran?

Ellen Kuder 00:00:37

Ja, zunächst erst einmal ganz vielen Dank für die Einladung. Ich verfolge, was du, was ihr macht und freue mich sehr, hier zu sein. Tatsächlich ist es so: Ich komme nicht aus dem Finanzbereich. Ich komme aus Tech, aus der Tech-Branche, bringe somit von Fintech die technologische Perspektive und Seite mit ein und bin extrem interessiert an den Industrien, die gerade diskutiert werden, mit Technologie oder Technologie als Enabler. Und somit, das brauche ich deiner Audience nicht erklären, ist die Finanzindustrie eine besonders spannende für mich. AfterPay an sich hat ein sehr, sehr schönes Zusammenspiel mit AfterPay als Startup, hast du schon genannt, aber durchaus auch als Teil eines Großkonzerns – Bertelsmann Arvato. Das heißt, ich habe mir den Charme und die Agilität eines Startups, aber durchaus auch den langen Atem eines Großkonzerns – was tatsächlich in regulierten Märkten, vor allem auch in deutschsprachigen europäischen Raum, gar nicht so schlecht ist. Zudem sind wir auch als AfterPay Teil von AFS also Arvato Financial Solutions, auch das wird deiner Audienz sicher was sagen. Wird oft mal in den Medien genannt als “größtes Fintech, was sich selber nicht so nennt”. Und seit 2013 digitalisieren wir Finanzdienstleistungen für unsere Kunden. Das heißt, ich habe mich jetzt der Aufgabe gewidmet, Payment Kunden-Bedürfnissen anzupassen. Kann bedeuten, also aktuell haben wir Pay After Delivery, das heißt Kauf auf Rechnung, flexible Zahlungsmethoden, direkten Zahlungsmethoden oder auch monatlich. Beispiel Elektromobilität […] Und habe da wirklich mehrfach die Woche Micropayment und kann es einmal monatlich schön übersichtlich sehen. Hier ganz wichtig: Payments beugen sich auch zurecht den Kunden-Bedürfnissen und wir haben hier eine ganz interessante Endkunden-Base von älteren Kundinnen, die noch Kauf auf Rechnung gewohnt sind bis hin zu ganz jungen Gruppen, die Experience First und Payment later als Kundenbedürfnisse haben.

Agnieszka Walorska 00:02:29

Spannendes Thema, das du eben gerade angesprochen hast. Die Veränderung der Nutzer-Bedürfnisse oder die ganz speziellen Nutzerinnen und Nutzer-Bedürfnisse. Ja, wir sind jetzt immer noch mitten in der Pandemie, auch wenn man sich so langsam wünschen würde, dass das dann wirklich das Ende ist. Wie haben sich diese Bedürfnisse durch die Pandemie auch verändert? Und was glaubst du, was davon auch bleiben wird?

Ellen Kuder 00:02:53

Also erst einmal sind wir, glaube ich, kollektiv alle genervt von der Situation und wünschen uns alle und allen Industrien und Bereichen, dass es bald wieder besser wird. Also prinzipiell ist die Digitalisierung natürlich etwas, was vorher schon da war und im speziellen E-Commerce, im Handel und in Payments war das schon da. Und zum Trend, der ganz klar erkennbar ist wie andere Bereiche hat die Digitalisierung jetzt einen Schub bekommen in der Pandemie und klar: auch das E-Commerce und Payment sind großer Nutznießer ist. Ich bin der Meinung, dass wenn Kundenbedürfnisse digital besser getroffen werden, dann wird das nicht rückläufig sein. Das heißt, wenn ich erkenne, dass online oder digital besser mit meinem Verhalten matcht, ich erkenne das digitale Angebote z.B. digitales Payment, besser für mich ist in meinem Kundenverhalten, dann ist das sicherlich etas, was beibehalten wird. Trotzdem bin ich der Meinung, dass auch eine soziale Komponente ist und auch wieder In-Store gegangen wird. Beispiel: Meine Schwiegermutter ist 80 und deren Tagesablauf ist durchaus normalerweise, wenn sie nicht Pandemie-Zeiten sind, durchaus auch von sozialen Gegebenheiten in unterschiedlichen Shops et cetera geprägt. Das heißt, es wird sicherlich zurückkommen. Trotzdem, ich wiederhole mich, haben hier viele gelernt, die sonst vielleicht nicht online oder digital unterwegs waren, das sich hier durchaus auch Sachen finden, die für sie spannend sind. Und so bin ich sehr, sehr sicher, dass auch ein Nutzungsverhalten von den, nennen wir es mal 70+ Menschen da draußen, durchaus auch digital bleibt und auch nach der Pandemie noch digital bleibt.

Agnieszka Walorska 00:04:19

Ich finde es spannend, dass du gerade diese spezielle Zielgruppe anspricht. Also weil diese wurde ja besonders durch die Pandemie wahrscheinlich beeinflusst in ihren Verhaltensweisen. Dieses auf einmal online gehen. Habt ihr mit AfterPay besondere Erfahrungen gemacht? Ich weiß, das ist eine etwas spontane Frage, die du nicht beantworten musst. Also hast du da vielleicht irgendwelche Informationen auch zu den Zahlen und auch zu dem besonderen Nutzungsverhalten der Älteren?

Ellen Kuder 00:04:47

Also prinzipiell sehen wir, dass Menschen, die online schon eingekauft haben wie du und ich, durchaus auch ihr Nutzerverhalten verändert haben oder noch zusätzliche Services gemacht haben. Aber ganz stark hat sich natürlich der E-Commerce zusammengesetzt aus neuen Zielgruppen, die vorher analog unterwegs waren und die sich jetzt getraut haben oder mussten, auch einfach, digital einzukaufen. Was ich da sehr wichtig finde, wenn wir uns überlegen, was dieses Kundenbedürfnisse von ein bisschen älteren Zielgruppe. Klar, so ein Endgerät hat mittlerweile jeder. Also ein Webshop kann bedient werden, aber die komplexen Ökosysteme, die dahinter stehen, gerade mit Zahlungen et cetera, sind oft ein bisschen angsteinflößend oder verwirrend. Da gibt es immer wieder gute Möglichkeiten, das zu vereinfachen. Bei uns z.B. Kauf auf Rechnung. Das ist was, das muss man aus der analogen Welt. Und man kann digital einkaufen, bekommt eine Rechnung geschickt und kann das quasi so wie früher damit begleichen.

Agnieszka Walorska 00:05:40

Stichwort Kauf auf Rechnung. Man dachte eigentlich schon, das Thema ist durch, außer in Deutschland. Es wurde viel drüber gesprochen: Kauf auf Rechnung, das ist etwas, was eher abgelöst werden soll. Wurde ja auch eine zeitlang durch Paypal, durch Kreditkarten-Anbieter et cetera dieser Welt. Jetzt hat man das Gefühl, dass dieses Buy now-Pay later eher so eine Renaissance erlebt und zwar jenseits von Deutschland. Wie kannst du diese Entwicklung erklären?

Ellen Kuder 00:06:06

Ja das ist total spannend. Das hast du genau richtig gesagt natürlich: Länder, die eine Historie damit haben, mit Kauf auf Rechnung Deutschland, Benelux, also DACH, Benelux, Nordic – tatsächlich auch die Märkte – wo wird sind. Da gabs die Katalog-Bestellungen, Kauf auf Rechnung. Das ist eine bestehende Zielgruppe. Wir sehen aber jetzt auch in diesen Märkten auch eine ganz, ganz junge Zielgruppe, die das natürlich alles gar nicht mehr kennen – Kauf auf Rechnung oder Katalog Bestellungen. Die einfach die Experience gut finden. ASOS z.B. Beispiel, die sind Kunden von uns. Die haben ganz klar eine 20+ Zielgruppe, eine 20jährige Zielgruppe. Da ist es sehr beliebt, 5 Pullis zu bestellen und eben erst einen, den man behält dann zu bezahlen. Das gilt jetzt für diese Länder, wo das Katalog-Geschäft schon bestanden hat. Wir sehen aber auch: Es sind Märkte, die das gar nicht kannten, Kauf auf Rechnung: USA, Australien, UK. Jetzt mit dieser neuen Bezahlmethode, quasi eigentlich als neue Bezahlmethode auf den Markt kommen auch sehr sehr junge Zielgruppen erschließen. Was wir auch sehen, ganz wichtig ist es, Merchants, um eine ideale Customer Experience bis hin zur Rechnung und danach zu gewährleisten, den Endverbrauchern größtmögliche Wahlmöglichkeit für den Checkout zu bieten. Das heißt, es ist wichtig, alle Arten von Zahlmethoden anzubieten.

Agnieszka Walorska 00:07:19

Jetzt seid ihr ja hauptsächlich quasi ein Dienstleister oder ein Anbieter für E-Commerce Payments. Was glaubst du jenseits von dem Thema Kauf auf Rechnung, klingt so altbacken, also eher Buy Now-Pay Later PR als Kauf auf Rechnung. Was glaubst du, was gibt’s sonst für Trends aktuell, was das Thema Payments angeht?

Ellen Kuder 00:07:44

Also zuvor möchte ich gleich zwei Sachen ansprechen – Einmal möchte ich gerne noch zwei Effekte nennen, die ich in der Pandemie gesehen habe zum Thema Payment. Und dann würde ich gern nerdy, krasses, cooles Zeug an Trends erzählen. Was wir auch gesehen haben, das bei klassische In-Store Zahlungen, selbst in Deutschland, weniger Bargeld benutzt wurde. Und dann lacht ja die ganze Welt liebevoll über Deutschland, das wir an unserem Bargeld hängen. Das ist in der Pandemie stark zurückgegangen. Also das Bargeld ist als Überträger von Viren identifiziert worden, was es ja auch schon immer war. Aber gut, hat jetzt ein Gesicht bekommen und wir sehen hier des 2019 auf 2020 55 Prozent mehr Kartenzahlung ist. Und bei diesem Contact-Payment z.B. Apple Pay ist ja auch eine Karte dahinter. Das heißt, diese kontaktlose Zahlung ist durch die Pandemie durchaus getriggert worden. Das heißt es wird nicht wieder zurück zum Bargeld-Momentum gehen. Und, was für uns Zahlungsanbieter auch extrem wichtig ist und meiner Meinung nach auch für den Handel: Das in dieser Pandemie sehr viele kleine Shops, also die S&B Shops, der Shop um die Ecke, dein lokaler Anbieter, der Tante Emma Laden, die sogenannten Mom & Pop Shops, die vorher nicht digital waren und kein Onlineangebot hatten, jetzt einfach als Überlebenskampf auch online gehen. Das heißt für uns, dass wir nicht mehr mit Shops und Merchants zu tun haben, die eine eigene Payment Abteilung haben und eigene Spezialisten et cetera. Das heißt da muss was zwischengeschaltet werden, das die eine einfache Plug and Play Experience haben und wir trotzdem diese komplexe Finanzsysteme dahinter schalten können. Das heißt, Plattformen wie Shopify, aber auch Marktplätze werden immer wichtiger. […] Um die Frage der coolen Trends zu beantworten: Da gibt’s natürlich viel, viel, viel. Weil du ja jetzt eine geschulte Audience hast deswegen möchte ich es mit ein paar ganz coolen Sachen beantworten. Also einmal ganz klar kontextbasierte Payments. Das heißt Use-Case-basierte Payments. Eine Begrifflichkeit, die wir oft dazu gehört haben, ist Embedded Finance. Da gibt’s von Bill Gates ein schönes Zitat von 1994: “Banking is necessary, banks are not”. Das heißt Zahlung passiert eigentlich gar nicht mehr erlebbar, sondern ich nutze einen Service. Ein Beispiel, was wir alle kennen: Wir erinnern uns ganz bestimmt sogar an das erste Mal, ist die erste Uber-Fahrt. Wohl wirklich jeder hat zweimal gefragt: Wie? Ich muss nicht irgendwo noch mal drauf drücken und ich kann jetzt einfach so aussteigen? Der Klassiker. Aber neu jetzt auch Amazon Go. Also wirklich einfach Kauferlebnis auch im Store, wo man überhaupt kein Payment-Moment mehr hat. Also Context-Based Payment. Dann Trend der Identität. Also dass der Eintritt in ein Kaufverhalten ist kein Bankkonto, sondern die Identität, die du in einem Ökosystem hast, die dann auch durch Biometrics und andere neue Technologien, quasi wo du identifiziert werden kannst. Hier kommen ganz klar die großen Techs ins Spiel, also die BigTechs. Die große Frage ist immer wer hält die Identität, er hält den Account und wer erhält somit die Beziehung zum Endkunden? Da ist die große Diskussion, die wir schon kennen – The winner takes it all. Also wer sind die größten Ökosysteme, wer hält die Kundenbeziehung und die Identität damit.

Agnieszka Walorska 00:10:52

Um nochmal um so ein bisschen reinzuhacken bei dem Thema Ökosystem: Was glaubst du, was werden die Ökosysteme, die da gewinnen? Und einmal sieht man ja gerade sehr stark natürlich Apple mit dem Financial-Ökosystem das gerade, was die mobile Zahlungen angeht, im Moment beeinflusst. Dann baut natürlich Google ihr Ökosystem, baut Amazon sein Ökosystem. Aber auf der anderen Seite sieht man ja auch andere Player, die aus dem E-Commerce Bereich kommen, also etwa Walmart, der da rein steigt. Natürlich ein Shopify, das da sehr stark in das Thema einsteigt. Was ist deine Einschätzung aus der Ökosystem Perspektive? Wo geht das hin und wo ist dann ja auch euer Platz? In dem Ökosystem?

Ellen Kuder 00:11:30

Tatsächlich auch einer der Trends, die ich noch mitgebracht hätte. Ich würde es so formulieren: Ganz witzig, weniger Komplexität für den Endkunden, aber sehr viel mehr Komplexität im Hintergrund. Das heißt, dieses winner takes it all, diese durch Mehrzahl, also mehrere Gewinner. Ich glaube, jeder kann sich vorstellen, dass die Amazons, die Googles und die Apples die du gerade genannt hast, sicherlich die Alipays et cetera, das die sich sicherlich schon einen gesicherten Platz am Tisch haben oder den Endkunden-Beziehung schon ownen und das Ökosystem. Also die große Frage ist, wer wirklich diese Kundenbeziehungen hält. Die großen Anbieter, die vorher schon genannt wurde, die Apples, Amazons und Google sind glaube ich klar. Da wird es aber sicherlich noch Raum für andere geben. Und das ist jetzt der große Verdrängungsmechanismus, was ich der Meinung bin. Und das wird das Spannende. Es geht ja nicht nur darum, wer hält die Kundenbeziehung? Also wie ist das Interface zum Kunden und was passiert auch im Ökosystem im Hintergrund. Und das wird überdimensional komplexer. Hier werden mehr Player dazukommen, je mehr Services angeboten werden. Die APIs et cetera – also wer hat welche Schnittstellen und was passiert im Hintergrund. Und das ist tatsächlich auch etwas, wie wir uns sehen. Also wir sind nicht die Endkunden-Schnittstelle der Zukunft. Wir sind nicht zukünftig die Marke hin zum Kunden sind, sondern wir sind “proud to be the backbone of your brand, of your customer experience”. Wir enhancen dies, also wir bringen den Service, wie bringen die Fintech dazu. Aber die Brand und die Customer Experience kommt von unserem Merchant.

Agnieszka Walorska 00:12:53

Also die “Smart Pipe not the dumb pipe”

Ellen Kuder 00:12:58

Vielleicht dazu passt noch ganz gut einen anderen Trend, den ich noch nicht ganz stark in Deutschland sehe. Wir sind schon ein bisschen Angst, aber es ist eine logische nächste Schritt. Und in Asien und in Südafrika ist es sehr stark. Der Shift von Single Apps, die wir alle noch benutzen, hin zu Multi-Apps. Also auch hier wieder geschlossene Ökosysteme, wo viele Apps drin sind, ich mich mit einer Identität anmelde, da eine Zahlungsmethode dahinter hab und halt multiple nutzen kann. Extrem spannend, es kann in die Super-Apps Richtung gehen. Aber auch wieder die Market Places, halte ich für extrem spannend. Wie gesagt, in Asien passiert es schon etwas, was es am nächsten ist. Was wir schon kennen hier sind diese mobile Wallets. Das ist, was wir in vereinfachte Versionen schon kennen, aber das wird sicherlich auch dorthin gehen – großes Ökosystem, eine Identität, da wird sich auch viel abspielen. Und was nicht Payment spezifisch ist, sondern Digitalisierung spezifisch, aber sehr, sehr wichtig ist Data-Driven-Offers, also die Hyper-Personalisierung auch in Payments. Um ein Beispiel zu nennen: den Service embedded für mich, mal zum Beispiel ein Loyalty Programm. Jetzt bin ich nicht besonders interessiert an nächsten Tupperdose von Payback. Ja, aber vielleicht bin ich extrem interessiert den CO2 Footprint zu verbessern in bestimmten Bio Märkten et cetera. Das wäre halt meine Bubble, während es andere Leute ein andere Bubble haben. Also dieses Data-Driven-hyperpersonalisierte Offers bis hin zu Payments halte ich auch für einen wichtigen nächsten Trend.

Agnieszka Walorska 00:14:17

Gibts da schon gute Beispiele auf dem Markt? Also ich habe jetzt gemerkt, dass die eine oder andere Neo Bank auch mit solchen Offers reingeht, aber ansonsten ist es immer noch sehr zerstückelt und wenn man ja auch schon sowas wie Cashback spricht, da haben mir auch die meisten Leute auch eher das etwas angestaubte Payback im Blick, ohne eventuell noch Miles&More, was wiederum was ganz anderes ist.

Ellen Kuder 00:14:38

Also ich hab da gefragt waren und ich hab auch noch nichts gefunden, was mich erreicht als Zielgruppe. Ja, die Klassiker, die Paybacks dieser Welt, haben sie natürlich schon digitalisiert. Aber da bin ich auch nicht so Zielgruppe. Ich glaube, da gibt’s im englischsprachigen Raum spannendere Sachen. […] UK mit Loyalty Programm, die spannender sind, bin mir sehr sicher, dass die da andere Use-Cases haben. Wir sind die Zielgruppe, aber wie Data-driven das bereits ist, kann ich nicht sagen. Und diese Hyper-Personalisierung hab ich auf dem Markt auch noch nicht gesehen.

Agnieszka Walorska 00:15:11

Ja ich glaube, da ist noch eine ganze Menge Entwicklungspotential. Und sag mal, man hat jetzt gerade auch so ein bisschen, wenn man sich die Zahlen angeschaut hat, dass gerade solche Buy Now-Pay Later Anbieter so nach und nach zum Beispiel die Kreditkarten ablösen. Die Konsequenz für die Nutzerinnen und Nutzer ist aber eine ähnliche. Man hat eine Tendenz dazu, sich vielleicht finanziell etwas zu übernehmen, weil man das ja nicht sofort bezahlt. Wie siehst du dieses Thema?

Ellen Kuder 00:15:38

Da vorweg, das weiß deine Audienz auch, aber ich finde es immer wieder spannend es sich nochmal vor Augen zu führen: Das Kreditkarten Thema ist ja schon mal ein völlig anderes im deutschsprachigen Raum versus USA und hier diese ganze Kreditratenzahlung, die Kredit-Situation wie sie im englischsprachigen Raum ist. Da sind wir noch relativ moderat für den Endkunden Risiko-technisch umgegangen mit Kreditkarten. Und das ist sicherlich ein Thema, was jetzt durch Regulatorien auch immer wieder angesprochen wird. Ich bin der Meinung, dass Payment Anbieter, also z.B. wir, da maximale Transparenz schaffen müssen, auch mit Daten wieder. Also sind natürlich Apps, direkte Übersichten und Push Notifications et cetera ein Szenario, das aktuell schon passiert. Ich bin aber auch der Meinung, dass wenn Zahlungen immer mehr in den Hintergrund treten. Ja, also wenn du und ich uns auf dem Wochenmarkt treffen und Wein gekauft haben und Essen fürs Abendessen aber nicht einmal Zahlungs-Moment haben, dann braucht natürlich auf der anderen Seite auch ganz klare Visibility von den Ausgaben und eine Planungsmöglichkeit der Ausgaben. Also dass das in Zukunft Thema ist, wird aktuell angeboten von den einzelnen Anbietern, also von uns als Beispiel. Funktioniert auch gut jetzt. Ich bin aber der Meinung, dass Visibilität mit den neuen Fortschritten, die mehr Zahlung in den Hintergrund treten lassen, für den Endkunden in den Vordergrund treten sollten.

Agnieszka Walorska 00:16:51

Du hast ja so viele Trends, die auch schon genannt die aktuell das Zahlungsverhalten beeinflussen. Wenn man so ein bisschen die Glaskugel in den Blick wirft. Ich werfe so gerne ein Blick in die Glaskugel und gucke so ein bisschen zehn Jahre nach vorne. Was glaubst du, wie kaufen wir in zehn Jahren ein und wie bezahlen wir dafür?

Ellen Kuder 00:17:10

Also tatsächlich habe ich das sehr vereinfacht, aber ich habe schon gesagt: Wir bemerken das bezahlen nicht mehr. Das passiert nicht mehr für uns. Es hat irrsinnige Vorteile für die Customer Experience. Zahlen ist nie ein schöner Moment gewesen. Es hat für uns irrsinnig viele Vorteile. Es hat natürlich auch für Shops, Merchants und Anbieter extreme Vorteile. Auf der anderen Seite müssen wir somit natürlich die Transparenz und die Visibilität extrem hochfahren. Also bei unserem Wochenmarkt-Beispiels zu bleiben. Wenn ich einmal die Woche eine Live Experience haben möchte und eine soziale Experience haben möchte, dann gehe ich auf diesen Wochenmarkt als Beispiel. Dort gehe ich erst Lebensmittel für meine Abendessen-Einladungen einkaufen und gehe dann zu dem Weinhändler. Der Weinhändler, hyperpersonalisiert, kennt mich, kenne mein Nutzerverhalten, weiß genau welchen Weingeschmack ich habe und kann kombinieren mit dem, was ich für ein Abendessen gekauft habe, was der perfekte Wein dafür wäre. Das heißt, ich habe eine Experience, die überhaupt nichts mit Zahlung oder mit Erwerb von bestimmten Themen zu tun hat. Auf der anderen Seite, ich wiederhole mich: Wichtig ist da natürlich eine Transparenz zu schaffen. Und da stelle ich mir tatsächlich auch vor, das mir eine Intelligenz und mir mein Sprachassistent dann auch Informationen gibt, wie: Den Monat schon über 300 Euro für Entertainment und jetzt gehst du Richtung Theater, möchtest du das wirklich machen? Das eine Assistenz quasi den Übersicht schafft. Und dass man da auch gemanaged wird.

Agnieszka Walorska 00:18:38

Ich bin sehr gespannt. Ich denke auch, dass gerade diese Seamless Experience immer eine Rolle spielen wird, auch wenn bisher tatsächlich in unserem Raum – außer Uber finde ich – so richtig durchgezogen hat das keiner.

Ellen Kuder 00:18:50

Nein, und ich bin mir sicher, das brauche ich dir sicher nicht erzählen: Da gibt’s halt sehr, sehr viel natürlich auch Data Privacy-Regulatorien. Wir sehen die Dramen, die sich jetzt mit der Corona-App abspielen. Also das sind natürlich Themen, da müssen noch sehr, sehr viel Fragen beantwortet werden. Und ich finde es auch okay, er sehr viele Player, eben auch regulative Player mitspielen, vor allem im europäischen und deutschen Markt. Den kann man natürlich nicht völlig überlassen den einzelnen großen BigTechs, die anders reguliert sind oder gar nicht reguliert sind. Das auf jeden Fall noch eine lange Reise dahin. Aber ich bin der Meinung, dass wenn wir kein Bargeld mehr haben und das Tauschmittel dann quasi nicht mehr physisch ist, wir auch andere digitale Wege gehen können, die auch regulativ für den Endverbraucher Sinn machen.

Agnieszka Walorska 00:19:34

Nachdem wir jetzt in die Zukunft geguckt haben, jetzt vielleicht nochmal einen Blick in die andere Richtung. Ich frage natürlich immer gerne das weißt du ja schon nach einer Buchempfehlung und was hast du mitgebracht?

Ellen Kuder 00:19:45

Ja, ich hab ein Buch mit gefragt, was ich sehr genossen haben: “Lifespan” von David Sinclair…

Ellen Kuder 00:19:50

Ah, sehr schönes Buch.

Ellen Kuder 00:19:51

…Harvard Professor, Harvard Medical School. Ist der, wahrscheinlich, Papst weltweit für Anti-Aging. Ist deswegen interessant, weil es natürlich über ein längeres Leben geht. Und ich nehme mir übrigens die Supplements die da empfohlen werden schon. Aber auch wirklich extrem schön geschrieben, was macht es mit unserer Gesellschaft, wo gehen wir hin wenn wir älter werden? Welche Möglichkeiten haben wir überhaupt? Wie verändert sich die Gesellschaft mit den Möglichkeiten und auch nicht nur auf die unterschiedlichen Perspektiven, die wirklich extrem gut sind. Also kann ich echt empfehlen. Ich habe noch ein anderes Buch mitgebracht, das im November 2021 erscheint. Es ist von Celeste Headlee – ein Buch, was ich schon gelesen habe “We need to Talk”. Sie spricht eigentlich vom Zuhören und Kommunikation. In ihrem neuen Buch geht es darum, deswegen möchte ich empfehlen obwohl ich es offensichtlich noch nicht gelesen habe, es kommt auf meine Liste: “Speaking of Race” Es ist eine relativ gute Auseinandersetzung, wie solche Dialoge geführt werden. Auf meine Liste kommt und als Anregung vielleicht auch auf eure Liste.

Agnieszka Walorska 00:20:55

Okay, es kommt dieses Jahr irgendwann mal im Herbst raus.

Ellen Kuder 00:20:58

Genau. Aber kann man kann jetzt schon einen Ted-Talk von ihr anhören oder das Buch “We need to talk” ist auch eine große Empfehlung.

Agnieszka Walorska 00:21:05

Keine super, aber tatsächlich das Buch “Lifespan”, das habe ich auch vor nicht so lange Zeit gelesen, hat mich sehr beeindruckt. Verfolgst du auch seine Tipps mit Ernährung und Kälte?

Ellen Kuder 00:21:18

Ja, Kälte – Ein guter Tipp an alle: Ich hatte die Phase wo ich gesagt habe “Das mache ich nicht, ich dusche nicht kalt” Ich habe aber jetzt rausgefunden wie es für mich funktioniert. Also für mich funktioniert nicht: Erst linker Fuß, rechter Fuß. Es dauert zu lange und dann hab ich zu viel Zeit, den Horror zu kriegen im Kopf. Für mich funktioniert von lauwarm bis kalt übern Kopf, also Kopf zuerst – für alle, die noch nicht so weit sind mit der Kälte.

Agnieszka Walorska 00:21:43

Ja das ist auch das einzige was bei mir geht. Also falls ihr ewig leben wollt, dann lest dieses Buch auf jeden Fall. Und ja und natürlich die Abschlussfrage: Welche weitere weibliche Stimme möchtest du gerne in unserem Podcast hören?

Ellen Kuder 00:21:59

Würde sehr gerne Ines Gensinger hören. Ines ist Head of Global Communication bei GLEIF -Global Legal Entity Identifier Foundation. Das ist eine NPO, eine Non-Profit-Organisation, die 2014 zur Lehman Brothers Finanzkrise gegründet wurde und beschäftigt sich mit der Transparenz der weltweiten Finanzmärkte. Diese zu verbessern über Open Source Quellen, das heißt, die bieten Open Source an, offen standardisierte Referenzdaten, weltweit als einzige Anbieter. Und hier kann man erfahren “Who is Who and Who owns Who”. Also extrem spannend. Ich habe mich auch absichtlich entschieden, ein wenig naheliegende Empfehlung zu geben, weil ich der Meinung bin, dass es ein großer wichtiger Teil ist für die Veränderung unseres globalen Finanzsystems.

Agnieszka Walorska 00:22:48

Super spannendes Thema, weil gerade so eine EU-Regulierung, das heißt einem EU-Offenlegungenverordnung zu ESG, also im Nachhaltigkeitsbezogene Transparenz-Pflichten für Banken [in Kraft getreten ist]. Da denke ich das man in diesem Kontext auch sehr gut rüber sprechen kann. Zumal es eben interessant ist, dass das Thema Nachhaltigkeit, Transparenz was sonst immer gerne so ein Hobby-Hipster-Thema ist oder als solches verschrien wurde, jetzt auch mal tatsächlich hart reguliert wird und nicht mehr optional, sondern tatsächlich zur Pflicht wird. Würde ich mich sehr freuen, mit Ines es zu sprechen. Dann vielen Dank! Und ich bin sehr gespannt, wie deine Predictions in zehn Jahren sich dann tatsächlich darstellen. Das werden wir dann natürlich überprüfen und Preise vergeben.

Ellen Kuder 00:23:34

Ich freue mich schon drauf. Ich hoffe, wir sehen uns vorher schon mal wieder live.

Agnieszka Walorska 00:23:37

Das hoffe ich auch.

Ellen Kuder 00:23:40

Ganz vielen Dank.

Agnieszka Walorska 00:23:40

Bis dann.

Der Ted-Talk von Celeste Headlee